Review
von Leimbacher-Mario
Cowboys, Kalauer und Kannibalismus
Wenn das „South Park“-Mastermind Trey Parker zu Beginn seiner Karriere in Troma-Gefilde stochert, ist man bei „Cannibal! The Musical“ gelandet - einem Western-Splatter-Comedy-Musical (!), das ganz für sich alleine steht und mit absolut nichts in der Filmwelt vergleichbar ist. Das muss man erstmal schaffen! Die spärliche und (gewollt) lächerliche Handlung folgt einem Goldgräber namens Alferd Packer, der beschuldigt wird eine Handvoll Mitgräber und Kumpels nicht nur in das eisige Hinterland und in die Irre geführt zu haben, sondern sie auch aufgegessen zu haben, um zu überleben. Und über all das wird natürlich wild gesungen, gereimt und getanzt, dass sich die Knochen biegen und Magen umdrehen...
Es ist eigentlich ganz einfach: wer mit Parker-Humor genug anfangen kann, sollte sicher auch bei diesen bescheidenen, aber beherzten Anfängen auf seine Kosten kommen. Die Jokes hängen irgendwo im Niemandsland zwischen Monty Python, Lloyd Kaufman und den Zucker-Brüdern, das kaum vorhandene Budget wird mit Leidenschaft und Tatendrang (meist erfolgreich) übertüncht, es gibt doch erstaunlich viele Ohrwürmer und der trashige Genremix ist einfach wild und charmant. Parker hat hier alles reingelegt, was er hatte, er hat gewagt und gewonnen. Und viele seiner Kumpels (Matt Stone!) haben ihm unter die Arme gegriffen, was den Fun- und Family-Faktor noch sichtlich erhöht. Am Set wie beim Zuschauen. Alles ist amateurhaft, fragwürdig und billig, banal und abgedreht, nicht für jedermann und noch in den Kinderschuhen was Parkers Trademarks angeht - und dennoch kann man nicht anders als zu staunen, zu lachen und (meist positiv) mit dem Kopf zu schütteln. Ein durch und durch katastrophal schlechter Film - den man aber dennoch nur lieben kann! Eine shpadoinkle Zeit! Aber Achtung: es wird weit mehr gesungen als gesplattert!
Fazit: nur Trey Parker und Troma können zwei Gegenpole wie Kannibalismus und Musicals derart kultig und rhythmisch unter einen Hut bringen - „Cannibal! The Musical“ ist wunderbar bescheuert, erfrischend anders und ermöglichte nicht umsonst den Weg zu „South Park“, „Orgazmo“ und „Team America“. Das hier sind die wahnwitzigen Beginne und Wurzeln. Sollte man (zumindest einmal) gesehen haben - allein um es zu glauben!