Review

Als ich von dem Film hörte, stieg meine Freude als Slasherfan natürlich gehörig an. Meine Erwartungen waren nicht die allergrößten, doch nachdem mit "House of Wax" fast der einzige Slasher dieses Jahr im Kino lief, war ich doch gespannt, ob es "Cry_Wolf" ähnlich gut macht und seine Kinoauswertung im Gegensatz zu vielen bescheidenen Videothekenslashern rechtfertigen kann. Als ich dann von der "PG-13"-Freigabe erfuhr, sank die Vorfreude und selbst die gedämpften Erwartungen wurden noch weit unterschritten. Hier funktioniert nämlich gar nichts und Slasherfreunde werden in keiner Weise angesprochen...

Owen (Julian Morris) kommt an das Westlake Internat, nachdem er von diversen Schulen geflogen ist. Schnell gewöhnt er sich ein und lernt Dodger (Lindy Booth, „Wrong Turn“) kennen. Allerdings wird seine Ankunft von einem schrecklichen Ereignis überschattet: Becky, eine junge Schülerin, wurde im nahe gelegenen Wald erschossen und keiner weiß, wer es war. Grund für die Jugendlichen, ihren Mitschülern einen makaberen Streich zu spielen. Denn sie erfinden einen Killer, „The Wolf“, und schreiben dem gesamten Campus eine Email, in der sie ihn beschreiben und seine Taten voraussagen – wer stirbt, wie er stirbt, wann er stirbt. Alle lesen die Mail und plötzlich werden die Jugendlichen von besagtem Killer verfolgt. Immer wieder jagt er sie und an Halloween ist es dann so weit: die prognostizierten Morde werden Realität…

Es ist schon recht lange her, dass ich den Film „Gossip“ gesehen habe, aber mit zunehmender Laufzeit wurde ich des Öfteren an diesen erinnert. Fatalerweise ist das kein Slasher, sondern mehr ein Thriller, in dem Gerüchte tödliche Folgen haben. Und so ähnlich geht es auch hier zu, wenngleich mit minimalen Slasherelementen. Anfangs wird die Mail verbreitet, alle glauben es und innerhalb kurzer Zeit hat man, da auch gerade Halloween-Zeit ist, einige Leute, die mit dem beschriebenen Dress des Killers herumlaufen. Allerdings dauert das gut die Hälfte des Films, bis man den Killer, oder dessen Nachahmer, das erste Mal zu Gesicht bekommt. Davor passiert praktisch nichts, die Charaktere werden notdürftig eingeführt, einige Annäherungsversuche zwischen Dodger und Owen werden angedeutet, doch um weiterführend zu werden, bleibt Dodger zu kalt. Warum soll in der Belanglosigkeit der ersten Hälfte noch erklärt werden…

Dann endlich, nach geschlagenen 35-40 Minuten, taucht der Killer das erste Mal halb auf – im Archiv der Schule. Diese Szene bietet neben der Schwimmbadszene die einzigen Minuten mit ein wenig Spannung und kann man fast als Highlight werten. Nicht dass die Schocks überraschen oder irgendetwas Kreatives in das Drehbuch hinein geflossen wäre, aber rückblickend nach Ende des Films, waren die beiden Sequenzen schon bessere Abschnitte. Denn danach sieht man nicht nur einmal, nicht nur zweimal, sondern weit öfter, wie ein Killer hinter einem der Jugendlichen her rennt, ihm aber nur Angst machen wollte, denn er entpuppt sich immer, wirklich IMMER, als ein weiterer Jugendlicher, der sich mit einem Plastikmesser bewaffnet einen Spaß macht. Das Szenario wird nicht ausgereizt, es wird überstrapaziert, genauso wie die Nerven des Zuschauers, der langsam beginnt, mit dem Sitznachbarn selbst ein Ratespiel zu spielen: ich sehe was, was du nicht siehst. Nein, nicht die Spannung, die sieht keiner, sondern die Popcorntüten bieten da gute Möglichkeiten zum Spielen, Raten, Spaß haben. Doch dann versucht es der Film tatsächlich noch: Suspense, in minimalem Maße, und wenige Tropfen Blut, gepaart mit einigen Morden. Problem, wer hat es nicht schon geahnt, dass es das auch hier gibt, hierbei ist, dass die Morde schon ganz zu Anfang gezeigt werden – nämlich als die Schüler ihre Email anfertigen und die Morde beschreiben. Jetzt sieht man sie, auch nicht immer, nicht in schnellen, mit einem ätzenden Farbfilter unterlegten Schnitten, sondern kurz mal mehr, so wie man das von einem standardmäßigen Slasher erwarten würde. Doch kurz vor dem endgültigen Ableben wird immer schön weggeblendet – „PG-13“ typisch. Es muss ja nicht immer ein Blutbad à la „Haute Tension“ sein, aber von einem Slasher ist man anderes gewöhnt.
Nicht, dass das alles recht blutleer ist, nein es ist auch in der zweiten Hälfte dunkelschwarz im Bereich der Spannung. Nur die letzten 15 Minuten verlassen die zertretenden Pfade des Plastikmesser-Killers und selbst dann wird es nur bedingt spannend. Das liegt zum Großteil daran, dass man meistens nur Schreie hört, Blutlachen findet, aber keinen Überlebenskampf und lieber der Auflösung entgegenhechelt. Diese ist aber auch alles andere als innovativ und Genre-Erfahrene werden den Braten schon weit vorher riechen. Nebenbei ist das Ende auch, hier kommen einmal die slashertypischen Anteile durch, allerdings die falschen, denn es ist die Unlogik, unlogisch und bedarf schon eines vorausschauenden Wissens, wie sich die Charaktere genau verhalten.

Die Schauspieler sind dann aber mal erfreulich passabel. Lindy Booth sieht nach dem kurzen Auftritt in „Wrong Turn“ immer noch ganz niedlich aus und spielt das intrigante Miststück gut, genauso wie Julian Morris, der zwar ein wenig weicheihaft rüber kommt, aber dennoch in Ordnung geht. Jon Bon Jovi hingegen ist hier fehlbesetzt, ein Gesichtsausdruck für den ganzen Film und das bei den Situationen, in die er gerät.

Wer hier einen Slasher erwartet, der wird böse enttäuscht sein. Slasherelemente gibt es bestenfalls zum Ende hin und auch da nur sehr zaghaft. Vorher haben wir es mit einem langweiligen Teeniethriller zu tun, obwohl die Voraussetzungen für einen Teeniehorror hervorragend waren. Ein erschaffener Killer, der plötzlich Realität zu werden scheint, Highschool, gejagte Teenies – alles, was sich das Teeniehorrorherz wünscht. Die Umsetzung jedoch ist erschreckend und macht für mich eine der Enttäuschungen des Kinojahres aus „Cry_Wolf“. Da es eine Sneak war und ich nicht wusste, wie lange der Film geht, kam es mir nach dem Film so vor, als hätte er eine Laufzeit von fast zwei Stunden gehabt, so langatmig wirkte er. Als ich dann auf die Uhr sah und bemerkte, dass das gerade mal 85 Minuten waren, dachte ich zuerst, dass meine Uhr stehen geblieben war, bis sie eine Minute weiter sprang. Wenn ein Film eine solch langweilige erste Hälfte bietet (wie sie „House of Wax“ ja auch in dezenterem Maß bot, der dann jedoch voll aufdrehte und wenigstens die zweite Hälfte perfekt unterhielt), muss er sich für den zweiten Teil schon was ganz Besonderes aufheben. Hat er diesmal aber nicht. Stattdessen gibt es weiterhin Langeweile, kaum Morde und wenn doch, dann praktisch blutleer, und eine Auflösung, die zwar nicht die Gängigste ist, die man aber schon im Voraus erahnen kann. Warum es genau dieser Film in die Kinos schafft, bleibt ein Geheimnis; besser als die meisten Videothekenvertreter ist er keinesfalls. Da gibt es sogar bessere Vertreter im Verleih. Die Schauspieler sind, abgesehen von Bon Jovis Nebenrolle, für Teeniefilmverhältnisse ganz gut und nerven größtenteils nicht sonderlich und die beiden oben beschriebenen Szenen, in denen die Spannung ebenso wie in den letzten zehn Minuten wenigstens etwas aufblitzt, reißen den Film aus der totalen Versenkung, doch spätestens beim nächsten Bier hat man den Film vergessen. Wenige falsche Fährten, die gelegt werden, sollen zum Mitraten animieren, doch dazu dürften nur die Wenigsten Lust haben. Wenn man sie dann doch hat, kann man das machen und es werden einem ein paar, Paar, Möglichkeiten einfallen, wer denn der Mörder sein könnte. Ich hatte die nicht und es glich eher einem Rätselraten zum Abgewöhnen - da rate ich doch lieber in diesem Review und zwar ab...

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