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Manche Sachen scheinen einfach unkaputtbar zu sein. So auch das Genre des Teenie-Slashers. Obwohl sich die Mörder-Handlung schon nach wenigen Scream-Plagiarten schnell abgenagt hatte, so gibt es bis heute noch immer einen Slasher nach dem anderen zu besichten. Einige Highlights dazwischen gibt es zwar nach wie vor, man denke nur an den genialen "High Tension" und auch "House of Wax" war alles in allem ganz nett, doch gerade was sich Monat für Monat in unsere Videotheken verirrt, ist größtenteils grausam und das nicht im positiven Sinne. Mit "Cry_Wolf" sollte es nun, kurz vor Jahresschluss, allerdings noch einmal ein Slasher in die Kinos schaffen und unersättliche Genre-Freaks, so wie z. Bsp. mich, freut das natürlich, trotz all den Enttäuschungen der letzten Zeit. Und unterm Strich ist "Cry_Wolf" dann auch wirklich etwas besser ausgefallen, als der (Video-)Schnitt, auch wenn es wieder nicht zu mehr reicht als den Durchschnitt.

Im Grunde ist "Cry_Wolf" ein 100% solider Tennie-Horror-Streifen für zwischendurch, der sogar probiert kreativ zu sein, auch wenn er es im Endeffekt zu keinem Zeitpunkt ist. Es geht um ein paar befreundete College-Absolventen, die, nach dem mysteriösen Mord an einer ihrer Mitschülerinnen, auf die Idee kommen, ihre Mitschüler mit einer Fake-Mail in Angst und Schrecken zu versetzen, in der sie behaupten, dass der Mörder auf dem College sein Unwesen treibt und schon genau wüsste, wer seine nächsten Opfer sind. Doch aus dem Spaß wird schnell blutiger Ernst... Die Story ist, wie man schnell merken dürfte, natürlich alles andere als Innovativ. Zwar hatte man schon einige Ideen gehabt, um sich wenigstens ein bisschen vom Slasher-Allerlei abzuheben, doch wirklich kreativ oder gar innovativ ist das Ganze trotzdem nie. Zumal die typischen Logik- und Storylöcher natürlich auch hier wieder, in Hülle und Fülle, vorhanden sind. Sprich, von der Geschichte ist hier wirklich alles so, wie man es schon X-Mal gesehen hat.

Doch trotz des altbekannten Tathergangs, kann man den Spannungsaufbau größtenteils als gelungen bezeichnen. Das Spielchen mit dem Spuren legen und Spuren wieder verwischen funktioniert einige Zeit recht gut, auch wenn der geneigte Genre-Freak an vielen Stellen schon den weiteren Tatvorgang voraussehen kann. Doch wer sich nicht jeden X-beliebigen Schlitzer-Thriller reinzieht und dadurch noch nicht allzu sehr viel "Insider-Wissen" besitzt, der kann durchaus schon an der ein oder anderen Ecke ein wenig ins Grübeln geraten und erlebt sicher auch einige Überraschungen, mit denen er nicht gerechnet hätte.

Ein wirkliches Gruselerlebnis wird aber, trotz der recht kontinuierlichen Spannung, nicht geboten. Dafür sind die Schocks doch allesamt zu zahm ausgefallen und können nicht wirklich überzeugen. Richtige Schreckensmomente gibt es eigentlich überhaupt nicht. Und wer zudem auf ein Splatterfest oder ähnliches gehofft hat, der wird ebenfalls enttäuscht Denn der Gore-Gehalt ist doch sehr gering ausgefallen, genauso wie der Bodycount. Warum das so ist, wird einem zwar zum Schluss erklärt, doch etwas mehr hätte da im Endeffekt trotzdem rausspringen dürfen, zumal man den kompletten Bodycount auch schon mal ziemlich zum Anfang hin zu Gesicht bekommt.

Zum Schluss hin soll es dann eigentlich noch einmal einen Knalleffekt in Sachen Auflösung geben, der aber auch nur bei blutigen Genre-Anfängern gelingen mag. Wer sich mit Schlitzern auskennt, den dürfte diese Lösung doch sehr kalt lassen, da man selbst diesen Ausgang schon etwas zu oft, in solchen oder ähnlichen Streifen, zu Gesicht bekommen hat. Das haben wohl auch die Macher bemerkt, weshalb sie nach Lösung Nr. 1 gleich noch eine zweite Bombe hintendran hängen wollten, die aber ebenfalls kaum zünden mag. Zugegeben, nach der riesigen Flut von Slasher-Movies, mag es heutzutage sicher sehr schwer sein noch eine Lösung zu finden, die überrascht und rundum zufrieden stellt, doch die gute alte Frage "Wer ist der Mörder?" hätte dem Film unterm Strich sicher besser getan, als dieser "möchte gern kreativ sein, ist er aber nicht"-Schluss! Na ja, für Genre-Anfänger mag es aber funktionieren.

Zu Inszenierung fällt einem ebenfalls nur das Wort "solide" ein. Kameraführung, Regie, Schnitt alles auf einigermaßen akzeptablen Niveau. Die College-Kulisse ist zwar nichts Neues, passt aber dennoch ganz gut. Die düstere Ausleuchtung birgt zudem sogar für ein wenig Atmosphäre. Richtig gut geworden ist zudem der Score, der ab und an ebenfalls für die richtige Stimmung sorgen kann.

Darstellermäßig ist alles auf Slasher-Niveau, wobei allerdings vor allem die beiden Hauptdarsteller Julian Morris und Lindy Booth recht übertrieben agieren. Gerade bei Booth hat man manchmal echt das Gefühl, das sie das durchtriebene Luder unbedingt raushängen lassen möchte, ohne das dieser Versuch ihr auch wirklich glaubwürdig gelingen mag. All die anderen Gesichter kennt man dagegen nicht, sieht man einmal von einem etwas schwach agierenden Jon Bon Jovi ab. Alles in allem gehen die Leistungen aber, fürs Genre, gerade so in Ordnung.

Fazit: Durchschnittlicher 08/15-Teenie-Slasher, für den kleinen Thrillerhunger zwischendurch. Die Inszenierung ist solide, die Story auf typischen Genre-Niveau, die Darstellerleistungen ebenfalls. Für wirkliche Shocks reicht es leider nie aus und Gore-Effekte sind auch Zufallsware, wogegen die Spannungskurve aber akzeptabel ist. Und sofern man sich nicht allzu sehr im Genre auskennt, kann man sich auch mit dem Schluss anfreunden, den der Genre-Kenner aber leider auch schon viel zu oft gesehen hat. Empfehlenswert somit nur allen Anfängern und natürlich den jenigen, die von Slashern und Teenie-Horror einfach nicht genug bekommen können. Alle anderen dürfte "Cry_Wolf" aber wiederum ziemlich kalt lassen!

Wertung: 5/10 Punkte

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