"Wir treffen uns in der Bibliothek und erschaffen einen Mörder."
Owen (Julian Morris) ist der Neue an einer Schule speziell für Schüler liquider Eltern. Bereits bei seiner Ankunft lernt er die verführerische Dodger (Lindy Booth) kennen, die sofort von ihm angetan ist. Bereits am selben Abend lädt sie ihn zu einem Treffen des "Liar's Club" in eine alte Kapelle abseits der Schule ein. Ein paar der gelangweilten Schüler spielen hier ein Spiel, bei dem es darum geht, einen heimlich auserwählten "Wolf" aus der eigenen Gruppe ausfindig zu machen, welcher natürlich versucht seine Gegenspieler durch Beschuldigungen und Intrigen nach und nach aus dem Spiel zu werfen. Aber selbst dies wird den Schülern so langsam eintönig. Also beschließen sie ihr Spiel auf die gesamte Schule auszuweiten. Hierzu erschaffen sie einen imaginären Killer der für die vor kurzem übelst zugerichtete Leiche einer Schülerin einer anderen Schule verantwortlich sein soll, und sich angeblich auf dem Campus aufhält. Aus diesem spaßig gemeinten Spiel wird allerdings plötzlicher ernst, als der erfundene, mit einer orangenen Skimaske vermummte Killer offensichtlich tatsächlich auf der High School zu morden beginnt.
"Cry Wolf" beginnt wie ein herkömmlicher Teenie-Horror-Thriller wie beispielsweise die "Scream" Reihe geht allerdings im Laufe der Zeit eigene Wege.
Die Darsteller sind, wie üblich für das Genre, gut durchgestylt und durchweg gutaussehend, selbst die Schüler, die man nur am Rande sieht. Nicht besonders glaubwürdig aber eben typisch für dieses Genre.
Ebenso typisch ist der Aufbau der ersten halben bis dreiviertel Stunde. Die Charaktere werden vorgestellt und charakterisiert, der simplen High-School-Story wird Struktur verliehen, der recht spät auftauchende Mörder bekommt eine Maske. Leider ist gerade diese Phase recht langwierig sowie unspektakulär gestaltet und stellt sich als die Schwäche des Films heraus. Aber ab dann kann das Spiel so richtig beginnen.
In der zweiten Hälfte mag jeder mehr Blut und Tötungsszenen erwarten, diese bleiben aber größtenteils aus. Stattdessen gibt es ein effektives und clever konstruiertes Gemisch aus Psychospielchen, Intrigen, Vertrauensbrüchen sowie jeder Menge Wendungen und Überaschungen bis zum Schluss.
Äußerst beeindruckend ist hier das Zusammenspiel der Figuren und der Eindruck der dem Zuschauer regelrecht vorgespielt wird. Nie ist man sich einer Situation wirklich sicher. Haben wir es wirklich mit einem Mörder zu tun? Wer steckt hinter der Maske? Oder ist alles nur Teil des makaberen Spieles?
Dies steigert sich und legt immer mehr an Tempo nach, bis es gegen Ende zu einer überaschenden Enschlüsselung kommt in dem sich die einzelnen Teile wunderbar wieder zusammenfügen. Und hat man gerade gedacht es sei vorbei und das Rätsel gelöst kommt es zum Finale zu einer Enthüllung die perfider und abartiger nicht sein kann. Sprachlos beglotzt der Zuschauer daraufhin den Abspann.
Wie schon erwähnt sind die Schauspieler zweckmäßig und erfüllen ihren Zweck viel mehr aber auch nicht. Trägerin des Kammerspieles ist die sehr ansehliche Lindy Booth, welche bereits in anderen Horrorfilmen, wie beispielsweise die Neuverfilmung von "Dawn of the Dead", Erfahrung sammeln konnte. Den männlichen Gegenpart macht Julian Morris. Jon Bon Jovi konnte man für einige Kurzauftritte aufs Boot ziehen, wobei dieser besser das tun sollte wovon er wirklich etwas versteht, nämlich ein paar ordentliche Songs komponieren.
Wer einen bluttriefenden Slasher erwartet ist hier falsch und wird enttäuscht werden. "Cry Wolf" lebt von seinen Figuren, dem clever strukturierten Ablauf und schockierenden Schluss. Nur die Längen in der ersten Hälfte trüben den sonst erfrischenden Psycho-Horrorthriller.
7 / 10