Review

Mavie Hörbiger reist als süße Blondine Ina mitten ins Niemandsland, in eine typische Boje/Buck-Welt die wir aus bisherigen Filmen des erfolgreichen Duos stimmungsmäßig schon gut kennen (zB. Karniggels). Diesmal allerdings ist es nicht der hohe Norden sondern mitten im Herz des Sauerlands. Was Ina da so wirklich vorhat erschließt sich erst nach und nach. Doch eine Vorahnung beschleicht uns allerdings recht schnell: Hemmungslos flirtet sie mit allem was auch nur halbwegs männlich aussieht und bringt damit das idyllische Landleben und ganz schön durcheinander. Als Aushilfe auf dem örtlichen kleinen Flugplatz hat sie schnell die betuchte Klientel ausgespäht.

Dieser Film macht einfach in jeder Minute richtig Spaß, auch ohne witzig zu sein. Die Story ist erfreulich erfrischend und doch gleichzeitig ruhig und unauffällig. Einerseits vorhersehbar, andererseits trotzdem interessant. In jeder Szene erwartet man schon neugierig die nächste. Einfach herrlich auch, wie Anke Engelke in ungewohnter Rolle (ausnahmsweise nicht als schräge Ulknudel sondern wirklich sympathisch) die naive biedere Hausfrau spielt. Selbst auf ihrer Hochzeit umarmt sie noch ihre Widersacherin liebevoll ("Du bist so freundlich...") ohne auch nur zu ahnen, was sie hinter ihrem Rücken so treibt.

Selbst für Flieger und andere Yuppies sind aber die von Ina eingeforderten 200.000 Mark Entschädigungszahlung eine ordentliche Stange Geld, die die Herren einer dahergelaufenen Biologiestudentin nicht einfach in den Rachen werfen wollen. Ein Spiel zwischen Intrigen beginnt, detailgetreu und realitätsnah dargestellt, die Macher beweisen exzellente Menschenkenntnis und zeigen uns faszinierend real die Reaktionen der Mitspieler auf - manchmal erschreckend, wie planbar, beeinflußbar und vorhersehbar der Gegenüber reagiert. Ina hat die Fäden in der Hand, aber auch der Männerkreis weiß mit Beeinflussung und Machtspielchen umzugehen und ihre sprachlichen Waffen bewußt einzusetzen.

Charakterstudien lassen sich nun hervorragend anstellen: Über gehörnte Ehefrauen, eifersüchtige Furien und andere Stimmungsmacher, männliche Dominanz, berechnende Blondchen mit fehlendem Weitblick - "jaja, so sindse, die Frauen" möchte man seufzen und stellt gleichzeitig fest: Wir Männer sind auch nicht anders als hier gezeigt.

Diese Boje/Buck-Produktion glänzt einmal mehr durch die sanften Töne und zaubert eine spannnungsgeladene Stimmung bei, die benahe als Psychothriller durchgehen könnte. Wenn auch nicht ganz - das Spektakel entwickelt sich als Krimi im typisch deutschen Filmgewand - eine Symbiose, die vorher in dieser Kombination noch nicht vorhanden war. (9/10)

Details
Ähnliche Filme