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Mit Xylophon-Klängen und Vogelgezwitscher am Nachmittag beginnt ein Film über zwei Brüder und ihrer Reise nach Schwerin, zum Grab der toten Mutter - und um zu erben. Wie sie glauben, ein herrschaftliches Anwesen direkt am Meeresstrand, große Pläne für die Anschaffung einer Yacht werden bereits bei der Abreise geschmiedet. Blöd nur: Die beiden können nicht lesen. Der eine konnte es nie (Kipp, gespielt von Joachim Krol) und kommt frisch aus dem Heim, der andere hat es einfach vergessen (Most, gespielt von Horst Krause).

Unterwegs gerät das ungleiche Paar nachts an einer einsamen Tankstelle an den russischen Soldaten Viktor (Konstantin Kotljarov), der desertierend das Weite sucht und dem die beiden mit ihrem LKW gerade recht kommen. Unter Waffengewalt zwingt er die Brüder ihn mitzunehmen, doch der altersschwache LKW stammt noch aus der Zeit, als Stalin frühmorgendlich Gymnastikübungen machte. So ist die Flucht nicht wirklich rasant und wird durch zahlreiche Pannen unterbrochen. Daß die beiden Brüder mit Müh und Not deutsch sprechen und Viktor ausschließlich russisch ist für die Verständigung und zwischenmenschliche Annäherung nur marginal von Belang.

Hier beginnt nun ein Roadmovie des Boje-Buck-Clans ganz in Tradition von "Karniggels" und folgender Filme: Es paßt so überhaupt nicht in das Genre und brilliert mit zahlreichen Detailaufnahmen. Wie immer bei diesen Filmemachern liegt der Witz im Detail und in der scheinbar unwirklichen Realitätstreue. Der IQ aller Beteiligten ist unter Raumtemperatur, doch die Protagonisten glänzen diese fehlende Komponente wunderbar ersetzend mit Emotionen, Menschlichkeit, Herzlichkeit. Bemerkenswert: In Nebenrollen glänzen Ingo Naujoks als LKW-Fahrer und Heinrich Giskes, das frühere Enfant terrible des deutschen Theaters, als Kommissar. Ein Stück das an die Gefühle appeliert, nicht an den Verstand. (5/10)

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