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Nicht umsonst gibt es den geflügelten Begriff der „Traumfabrik Hollywood“. Denn nur wenige erleben die Karriere vom Tellerwäscher zum Filmstar, während andere in Knebelverträge geraten, um in zehn Jahren dreimal eine Statistenrolle zu erhalten. Und in den 50ern war Harvey Weinstein noch nicht einmal aktiv.

Bel Air: In der Ehe des Schauspielers Charlie (Jack Palance) kriselt es. Seine Frau Marion (Ida Lupino) ist mit dem Sohn ausgezogen, obgleich sie die Ehe nicht gänzlich aufgeben will. Produzent Hoff (Rod Steiger) will Charlie mit einem Siebenjahresvertrag an sich binden, was diesem eigentlich widerstrebt. Doch Hoff kennt ein düsteres Geheimnis, was die latent betrunkene Provinzschauspielerin Dixie (Shelley Winters) irgendwann auszuplaudern droht…

Die 50er: Im Streit sagt der Mann „Herzchen!“, wartet zwei Sekunden, packt die Dame an beide Schultern und schüttelt sie leicht (dreimal) und schon ist die Ehe gerettet. Meistens zumindest. Für Charlie läuft es hingegen nicht so glatt, denn der Idealist möchte sich eigentlich von Hollywood lossagen und seine Ehe retten, doch anderweitig ist er erpressbar wegen einer Tat, für die ein anderer verurteilt wurde, was offenbar einige in seinem Umfeld wissen.

Die Geschichte beruht auf einem Theaterstück von Clifford Odets und aus diesem wusste Star-Regisseur Robert Aldrich überraschend wenig auszuarbeiten. Es gibt zwar einige kurze Szenen außerhalb des Apartments, doch die Herkunft eines Bühnenstückes schimmert in nahezu jeder Einstellung durch. Bei einem solchen Konzept dominieren natürlich Schauspieler und Dialoge, doch auch die Kamera bleibt oft statisch und wenig variabel, während der Score weniger als ein dutzend Mal eingesetzt wird und dabei allenfalls die melodramatischen Momente untermalt.

Entsprechend gestaltet sich das Vorspiel relativ zäh und es dauert eine Weile, bis man die Spreu vom Weizen, die unwesentlichen Figuren von den relevanten Entscheidungsträgern trennen kann. Damit die Figuren nicht einfach nur herumstehen, wird auffallend viel Alkohol zu jeder Tageszeit konsumiert, während sich Palance und Steiger leichtem und etwas stärkerem Overacting hingeben, wodurch die nuanciert aufspielenden Damen eindeutig besser abschneiden. Als Konsequenz ist einem das Schicksal der eigentlichen Hauptfigur nahezu gleich, wogegen die weiblichen Figuren auf emotionaler Ebene berühren können.

So wirklich spannend gerät die Geschichte selbst innerhalb der Zuspitzung nicht. Es gibt keinen doppelten Boden, keine überraschenden Wendungen, jedoch immerhin eine Konsequenz, welche man im Hinblick auf das Entstehungsjahr nicht unbedingt vermuten würde. Dennoch bleiben am Ende mitunter recht lang erscheinende 111 Minuten, die fast ausschließlich von der Präsenz der Darsteller leben, während der Inhalt mehrheitlich an der Oberfläche kratzt und eher weniger berührt.
5,5 von 10

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