Das Konzept liest sich schon wie eine Schnapsidee: Der italienische TV-Sender Rai Uno finanziert insgesamt sieben TV-Thriller im Serienformat, die Pilotepisode in Spielfilmlänge, die sich als die ultimative Hommage an Genremeister Alfred Hitchcock verstehen. Spätestens seit den 70ern gab es wohl kaum einen Genrebeitrag, der sich nicht – wenn auch unbewusst – an Hitchcock orientiert. Hitchcocks Dramaturgiekniffe und Bildsprache sind zu standardisierten Instrumenten arriviert. Demnach ist es schier unmöglich innerhalb des Genres keine Hitchcock-Hommage zu produzieren. Was bleibt wäre ein cleveres Skript, doch gerade da schwächelt der erste Beitrag der Serie gewaltig.
"Do you like Hitchcock" ist Krimistandard mit extrem oberflächlichen Versatzstücken aus "Das Fenster zum Hof" und "Der Fremde im Zug". Spätestens beim unvermeidlichen plot-twist wird deutlich, dass hier nicht wirklich die elegante und integre Raffinesse eines Hitchcocks erreicht wird, sondern das laue Lüftchen einer austauschbaren whodunit-Routine von Agatha Christie geatmet wird. Das größte Problem der Geschichte besteht in seiner plumpen Intertextualität. Die Referenzen sind keine chic eingeflochtenen Zitate, die subtil auf der Metaebene für postmoderne Freuden sorgt, sondern direkt innerhalb der tatsächlichen Erzählung ausformulierte Verweise: Der Protagonist ist ein Medienstudent, der sich in der Videothek gerne expressionistische Filme von Murnau und Lang leiht, und sich mit seiner Freundin ab und zu einen Hitchcock reinzieht. Wenn er nicht "Nosferatu" analysiert, dann beobachtet er seine freizügige Nachbarin, und erfindet Mordtheorien, die auf den besagten Hitch-Werken basieren.
Die erste Hälfte des Thrillers ist glücklicherweise nur belanglos, die zweite ärgerlich und schwachsinnig. Gemessen an der Unnötigkeit einer solchen TV-Hommage, des zum Himmel schreiend schlechten Prolog, und dem generellen Unverständnis dafür, dass sich ausgerechnet ein Regisseur wie Dario Argento für so einen uninspirierten Quark hergeben lassen muss, kann "Do you like Hitchcock?" als ein ziemlich anmaßendes und gescheitertes Projekt verstanden werden. Argento dürfte mit diesem TV-Thriller endgültig zum handwerklichen 08/15-Auftragsregisseur degradiert worden zu sein, der alle seine auteur-Qualitäten während fadenscheiniger Versuche, Hollywood zu erobern, verloren hat. "Do you like Argento?" ist eine Frage, die wir uns wohl bald eher stellen müssen, als die Titel gebende Frage dieser Enttäuschung.