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Dario Argento meets Alfred Hitchcock. Nun ja, nicht ganz genau, aber “Ti piace Hitchcock” ist eine Hommage an den großen Alfred Hitchcock, und so zitiert Argento einige von Hitchcocks Filmen und schuf so einen kleinen TV Film für das italienische Fernsehen.


Giulio ist neugierig und ein kleiner Spanner. So beobachtet er aus seiner Wohnung gerne mal andere Leute, besonders seine Nachbarin Sasha, wenn die sich mal vor dem Fenster auszieht. Dies gefällt Giulios Freundin natürlich gar nicht, so gibt es öfter mal Streit.
Eines Abends wird Sashas Mutter von einem Unbekannten ermordet. Giulio hat sofort eine Idee. Sasha und ihre Freundin Frederica haben den Mord wie in Hitchcocks „Strangers in a train“ kopiert, Frederica hat Sashas Mutter umgebracht und nun muss bald Sasha für Frederica töten. Natürlich glaubt niemand Giulio, weder seine Freundin, noch der merkwürdige Videothekenangestellte, bei dem sich Giulio für sein Filmstudium viele Filme besorgt. Doch Giulio gibt nicht auf und kommt dahinter, dass es auch in Fredericas Leben eine Person gibt, die sie wohl eher tot als lebendig sehen möchte. In der Zeit beginnt sich auch jemand für Giulio zu interessieren. Giulio muss bald um sein Leben fürchten...


„Ti piace Hitchcock“ ist zwar nur ein TV Film, doch das dieses erst mal nicht schlechtes bedeuten muss, hat ja Michele Soavi mit „Uno bianca“ gezeigt. Und ich muss sagen, von der Atmosphäre her gefällt mir „Ti piace Hitchcock“ besser als z.B. „Il Cartaio“.
„Ti piace Hitchcock“ ist eine Hommage an den alten Meister Alfred Hitchcock und so ist der ganze Film schon eine kleine Anekdote an diverse Filme. Natürlich werden Hitchcocks Filme zitiert und gar in den Film hineingebracht. Doch auch der deutsche Film hat hier seine Berechtigung, ist Giulio doch ein Filmstudent und hat sich auf den expressionistischen Film spezialisiert. Und aus welchem Land kamen denn die ganzen Klassiker des Expressionismus? Natürlich, Deutschland. Und so läuft auch mal „Der Golem“ von Wegener oder Murnaus „Nosferatu“ über Giulios Mattscheibe.

Dennoch ist und bleibt alles Hitchcock. Es gibt zig Verweise auf seine Filme und der Kenner wird seine wahre Freude haben. Zum Schluss wird „Das Fenster zum Hof“ fast 1:1 übernommen, selbst das Gipsbein plus neugierige Freundin fehlt nicht. So hat „Ti piace Hitchcock“ auch einen ziemlich unterschwelligen Humor, gerade auch durch die Spannerei von Giulio.

Aber „Ti piace Hitchcock“ ist nur ein TV Film und so wartet man auf die bekannten Argentoschen Morde fast vergeblich. Es stirbt nur eine Person. Diese wird zwar einigermaßen blutig niedergestreckt (für das deutsche Fernsehen wäre dies wahrscheinlich schon zu viel), doch eben nicht übermäßig. Recht sparsam werden auch Nacktszenen von Argento eingesetzt, nur am Anfang gibt es mal einen kompletten Bodyshot von Elisabetta Rocchetti.
Dennoch schimmert in „Ti piace Hitchcock“ doch noch der alte Argento durch, wie man ihn kennt und liebt. Einige interessante Kameraeinstellungen gibt es schon (besser als in „Il Cartaio), man nehme nur den Schlüssel im Schlüsselloch. Erinnert ein wenig an „Opera“.

Schauspielerisch kann man nicht meckern. Es sind zwar alles keine Superstars, doch gerade der Darsteller des Giulio, Elio Germano, kommt recht sympathisch rüber und Argento präsentiert und eh wieder eine Reihe von Verdächtigen und skurrilen Typen. So hat man wieder mal die Qual der Wahl, wer denn nun was mit wen hat und warum überhaupt. Die Lösung ist nicht sofort greifbar, doch bei eins darf man sich sicher sein, ohne Hitchcock geht es nicht und er ist auch der Schlüssel zum Erfolg.

So ist „Ti piace Hitchcock“ ein kleiner, aber feiner TV Film, der zwar die üblichen Schwächen eines TV Films hat, aber irgendwie doch gefällt. Zwar ist die Musik nicht der Knaller und auch die Effekte von Stivaletti wurden viel zu sparsameingesetzt, doch irgendwie hat man das Gefühl, Argento könnte vielleicht doch wieder auf einen besseren Weg sein. Und dies sollte doch Mut machen für seinen bald kommenden Abschlussfilm zu seiner Mutter-Trilogie. Ich bin gespannt.


Fazit: Wenn man ohne Erwartungen an diesen TV Film von Dario Argento herangeht, wird man überraschenderweise recht passabel unterhalten. „Ti piace Hitchcock“ ist eine kleine, aber wunderbare Hommage an Alfred Hitchcock mit vielen Verzweigungen und Anspielungen an seine Filme, die hier integriert wurden. Auch scheint Argento mal wieder etwas mehr Gefühl für die Kamera zu haben, was man in „Il Cartaio doch vermisst hatte. So entsteht ein über meiste Strecken harmloser Giallo, der aber dank der Hitchcock-Thematik funktioniert und irgendwie Laune macht. Ich jedenfalls bin positiv überrascht und sehe Argento noch nicht am Ende. Hoffentlich kann er diese positiven Eindrücke in seinen dritten Mutterfilm mit einfließen lassen. Argento-Fans kommen hier nich dran vorbei und auch der Rest sollte Argento mal wieder eine Chance nach „Il Cartaio“ geben. Bei „Non ho sonno“ hat es ja schließlich auch geklappt.

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