Review

Dario Argento hatte eine Hommage an sein Vorbild Hitchcock im
Sinn, als er diesen Fernsehfilm drehte, herausgekommen dabei ist aber ein
durchschaubarer, deshalb die meiste Zeit langweiliger und in platten Selbst-
und Fremdreferenzen versinkender Thriller, der Old Hitch sich bestimmt einige Male
im Grabe umdrehen ließ.

Es ist zugegebenerweise keine einfache Aufgabe, einen von Hitchcocks
herausragenden Filmen wie Rear Window zu adaptieren – aber Argento hat
die psychologische Tiefe, die das Original dem Thema Sehen/ Blick/ Voyeurismus
gewidmet hat, ganz beiseite gelassen (wenn man mal absieht von der Schlusssequenz,
in welcher der Spanner Giulio von seinem barbüsigen neuen "Opfer" direkt
ertappt wird bei seinem Hobby) und sich konzentriert auf oberflächliche Unterhaltung
(ich traue mich nicht, das Wort Spannung zu benutzen).

So weit, so gut, gegen einen unterhaltenden, oberflächlichen
Film ist durchaus nichts einzuwenden.

Was jedoch schmerzt, sind die überall auftauchenden Hitchcockfilmplakate (bei
einem Film mit einem solchen Titel hätte man sich die gewiss alle sparen
können), phantasie- und humorlos eingestreute Referenzen an die Filme desselben
(gebrochenes Bein = Rear Window; Geld aus dem Büro geklaut = Psycho;
Sturz vom Dach = Vertigo; die Freundin des Spanners, die in die fremde Wohnung
eindringt, während der Spanner zuschauen muss = Rear Window …), ein Drehbuch,
welches Suspense durch Spannungssteigerungstricks mit ganz langen Bärten
ersetzt, wie zB dem Schlüssel, der in der Panik nicht ins Schloss passt, dem
Fahrzeug, das nicht anspringt oder dem plötzlich einsetzenden Gewitter … und
und und.

Zu allem Unglück kommen noch hanebüchene Dialoge und über- und unpassend
reagierende Figuren hinzu. Da können auch selbstreferentielle und argentotypische
Sequenzen wie etwa die Nahaufnahme des Inneren eines Türschlosses oder der
Tripple-zoom-shot nicht mehr viel herausholen.

Merkwürdig ist auch, dass die aus dem Kontext fallende Eingangssequenz mit dem
Hexenritual nicht weiter erklärt wird – die fesselndste Szene übrigens im Film.

So sehr ich Argento für viele seiner früheren Filme liebe, so sehr bin ich
enttäuscht bei diesem. War ich noch von den späten Argentos wie Trauma oder Sleepless angenehm zufriedengestellt, lässt dieser flache Abklatsch
seiner selbst mich mit dem Gefühl zurück, in den letzten anderthalb Stunden einen
schönen Abendspaziergang versäumt zu haben.

Ist ein schmales Budget schuld? Oder hat die Phantasie desGiallomeisters
einfach nachgelassen? Pino Donaggio hat seine Arbeit als Komponist gut gemacht,
was man von D.A. nicht behaupten kann.

Schade, aber nur 3 von 10 Punkten.

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