Ein anderer Krieg und technische Unterschiede bei den Bomben, dennoch haben „The Hurt Locker“ und vorliegender Film von Robert Aldrich eines gemeinsam: Das Entschärfen von Bomben als eine Art Himmelfahrtskommando. Ungewöhnlich ist zudem, dass der Schwarzweißfilm unter anderem von den legendären Hammer-Studios produziert wurde, die nicht gerade für Nachkriegsdramen bekannt waren.
Sechs deutsche Kriegsheimkehrer um Eric (Jack Palance) und Karl (Jeff Chandler) wollen in Berlin weiterhin ihr Geld mit dem Entschärfen von Bomben verdienen. Sie schließen eine makabere Wette ab: Für drei Monate wirft jeder die Hälfte seines Gehalts in den Topf, die Überlebenden erhalten den Gewinn. Nach den ersten tödlichen Einsätzen drängt Eric seine Kollegen, die Wette fallen zu lassen, doch Karls Ehrgeiz macht ihnen ein Strich durch die Rechnung…
Am Ende der Produktion dürfte bei Aldrich gewiss keine Bombenstimmung geherrscht haben, denn ohne sein Wissen wurden während der Postproduktion rund 30 Minuten Filmmaterial herausgeschnitten. Das ist dem Streifen zwar nicht anzumerken, doch hinsichtlich einiger Nebenfiguren war im Ursprung wahrscheinlich deutlich mehr Tiefe vorhanden, wogegen nun mehr oder minder unwesentliche Kollegen reihum das Zeitliche segnen, damit am Ende die Hauptfiguren übrig bleiben.
Gedreht wurde in Berlin Tempelhof und Tiergarten, sozusagen an Originalschauplätzen, denn Trümmerlandschaften waren noch in den Fünfzigern vorzufinden. Das wirkt sich ungemein positiv auf die latent melancholische und teils deprimierende Stimmung aus, zumal eine Liebesgeschichte ebenfalls ihren Ursprung in vereinsamten, vom Krieg deutlich gezeichneten Seelen hat, wobei jedoch nie kitschig zu Werke gegangen wird.
In der technischen Umsetzung hinkt Aldrich dem späteren Pendant von Bigelow indes weit hinterher. Denn wenn hier mal etwas in die Luft geht, sieht man meistens nur eine bildfüllende Explosion, einmal brechen auch Teile einer Ruine zusammen, doch so richtig schweißtreibend geht es lediglich gegen Finale zu.
Derweil gibt es ein darstellerisches Duell auf Augenhöhe. Chandler spielt den verschlagenen, stets ein wenig süffisant dreinblickenden Trunkenbold und Draufgänger mit viel Präsenz, während sich Palance in mimischer Zurückhaltung übt, jedoch einiges mit entsprechenden Körperhaltungen auszudrücken vermag. Als Dame zwischen den Stühlen gibt Martine Carol als französische Emigrantin eine ansprechende Leistung ab, gut ist aber auch Robert Cornthwaite als schüchterner Kollege und Tierfreund.
Aldrich fährt mit seinem Bombenentschärfen kein übermäßig hohes Tempo, stattdessen widmet er sich dem Zusammenspiel der Figuren im Hinblick auf Hoffnungen und dem, was an größtenteils trübseligen Zeiten hinter ihnen liegt. Und der tragischen Komponente, die vielen Opfern in Nachkriegszeiten anhängt, nicht aus dem Teufelskreis ihrer gewohnten Tätigkeiten herauszukommen. Definitiv sehenswert, doch in Sachen Spannung wäre durchaus mehr drin gewesen.
6,5 von 10