Robert Aldrichs Psycho-Thriller aus dem Jahre 1962 wurde und wird hoch gelobt, und das sicherlich nicht zu Unrecht. Die von Eifersucht, Missgunst und gegenseitigen Abhängigkeiten geprägte Beziehung zwischen zwei ungleichen Schwestern bietet eine gute Grundlage für eine facettenreiche, dramatische Geschichte, die tiefe Einblicke in innerfamiliäre Abgründe gewährt, mit einem interessanten, finalen Twist überrascht – und nebenbei auch das Showgeschäft bzw. die Fragilität der Charaktere seiner Protagonisten kritisch beäugt. Bette Davis wurde für ihre Rolle als Baby Jane für mehrere Filmpreise nominiert, und auch dies nicht ohne Grund: Mit Mut zur Hässlichkeit mimt sie den ebenso bemitleidenswerten wie gefährlichen Wahnsinn eindrucksvoll in seiner ganzen Bandbreite zwischen belustigend und schockierend. Zurückhaltender fiel das Spiel Joan Crawfords als an den Rollstuhl gefesselte Schwester Blanche aus, die zur Identifikationsfigur für den Zuschauer wird. Über weite Strecken versteht es „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ zu fesseln und Spannung zu erzeugen, wozu die richtige Dosis Komik positiv dazu beiträgt, die dramatischen Ereignisse für den Zuschauer erträglicher konsumierbar machen. Dennoch hat sich über die Spielzeit von satten 117 Minuten leider auch die eine oder andere Länge eingeschlichen, die die Erwartungshaltung des Zuschauers hinsichtlich eines „großen Knalls“ im Finale unnötig in die Höhe treibt, so dass manch einer das Ende evtl. als etwas unbefriedigend empfunden haben mag. Mir hingegen gefällt es in seiner traurigen Skurrilität und nachdenklich stimmenden Aussage so, wie es ist – wenn ich mir auch den Weg dorthin ein wenig straffer gewünscht hätte.