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Wer sich schon einmal in leerstehenden Gebäuden mit schicksalhafter Geschichte herumgetrieben hat, wird das kennen: In manchen Ecken scheinen die Verstorbenen nach einem zu greifen, einige Flecken wirken deutlich bedrohlicher als andere und an manchen Stellen kommt einem gar das kalte Grausen.
Ähnlich muss es sich mit dem nunmehr stillgelegten Krankenhaus in Waverly Hills, Kentucky verhalten, welches um 1932 über 60000 Tuberkulose-Opfer zu beklagen hatte. Dieses Gebäude stand den Machern von „Death Tunnel“ tatsächlich zur Verfügung, doch was haben sie nur daraus gemacht?

Ich hätte das Gebäude gerne mal in natura gesehen, und auch Regisseur Booth hätte gut daran getan, es dem Zuschauer einmal ohne visuellen Schnickschnack zu zeigen. Ist aber nicht möglich, denn der visuelle Overkill droht bereits nach wenigen Minuten und löst am Ende mehr Tränen aus, als bei der Zubereitung eines Zwiebelkuchens.

Dabei klingt die Geschichte auf den ersten Blick nicht schlecht: Fünf Studentinnen, fünf Stockwerke, fünf Stunden Zeit, - im Zuge einer Uni-Party eine Art knallharte Bewährungsprobe. Um das überhaupt zu erfassen, bedarf es ein paar Minuten Geduld, denn Booth würfelt Zeitsprünge, Protagonisten und Locations dermaßen durcheinander, dass zunächst pure Verwirrung herrscht.
Anstatt den Protagonisten etwas Charakter zu verleihen, werden Flashbacks aus der Zeit der „weißen Pest“ im Krankenhaus mit Partyszenen und ersten Vortastversuchen im Sanatorium(in der Gegenwart) zu einem wirren Nichts vermengt.
Erst nach einer halben Stunde hat man den Durchblick.

Mehr „Saw“ passte dann auch nicht in die Exposition: Die fünf Damen wachen in unterschiedlichen Räumen auf und tragen merkwürdige Masken; die per Schlüssel abzunehmen sind, und über die Lautsprecher klingt eine verzerrte Stimme des „Spielleiters“ und faselt von Urängsten. Man sieht einen Monitorraum, Kameras und ein wenig von den Räumen des leerstehenden Krankenhauses, aber wirklich nur ein wenig, da die vielen Staccatoschnitte, Fast Forwards und Inserts in bester MTV-Clip-Ästhetik keinen ruhigen Blick zulassen.

Fortan schleichen drei Zicken und zwei „gute“ Girlies durch die Korridore. Von den Zicken lassen sich die beiden Dunkelhaarigen kaum voneinander unterscheiden und zwei der blonden bringt man auch schon mal durcheinander, weil der visuelle Overkill unaufhaltsam voranschreitet.
Die Damen, die uns als Medizinstudentinnen (!) verkauft werden, schleichen also mit Taschenlampe und leisem Schluchzen durch die kargen Räume und der Zuschauer spürt keine Spur von Bedrohung. Ab und an huschen ein paar Geistererscheinungen durchs Bild, Requisiten aus der aktiven Zeit des Krankenhauses tauchen auf und es fehlt eigentlich nur die obligatorische Katze, die für Fehlalarm sorgt.
Hier ist keine Spannung spürbar, die Figuren sind einem egal, weil man sie uns nicht näher gebracht hat und minutenlang gibt es kein Vorankommen.

Booth bietet dabei nichts Griffiges, nichts was einen packt und mitfiebern lässt, so dass man genügend Zeit hat, sich über des Rätsels Lösung Gedanken zu machen, - es wird wohl irgendwas mit den Toten von damals und dem Vertuschen jener zu tun haben und so ähnlich kommt es dann auch. Die Auflösung bietet aber weder eine Überraschung, noch einen akzeptablen Showdown und so ist man am Ende froh, das permanente Eindreschen visueller Spielereien überstanden zu haben.

Zumindest sind diese Spielereien handwerklich gut gemacht, aber im Endeffekt werden sie so sehr überstrapaziert, dass von dem eigentlichen Geschehen kaum etwas haften bleibt.
Die Darsteller sind auch nicht die Elite Hollywoods, die wenigen Dialoge bringen kaum Gehaltvolles und das Dahinsiechen jener Figuren geschieht relativ unspektakulär, wenn auch zuweilen recht blutig.
Der titelgebende „Death Tunnel“ kommt nur kurz zum Einsatz und wenn einer der Überlebenden tatsächlich sagt „Ich sehe Licht am Ende des Tunnels“ fühlt man sich als Zuschauer ziemlich verkekst.
2 von 10 Punkten

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