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Das letzte Einhorn verlässt, getrieben von der Frage, ob es wirklich das einzige verbleibende Exemplar seiner Art ist, sein gewohntes Umfeld und landet prompt in den Fängen einer Hexe, die es einsperrt. Von einem jungen Nachwuchszauberer unterstützt, entkommt es wieder und setzt mit diesem und einer weiteren Begleiterin seinen Weg fort. Die drei finden schließlich heraus, dass die restlichen Einhörner im Auftrag eines alten Königs vom roten Stier gefangen wurden.

Nun ist es nicht selten, dass sich Trickfilme, besonders aus dem Hause Disney, hart an der Grenze zum naiven Kitsch bewegen und mit ihrer kindischen Art, meist kombiniert mit überproportionierten Gefühlsregungen, infantilem Humor oder wahlweise einer extrem belehrend daherkommenden Moral, den kleinen Zuschauern eine gewisse Freude bereiten, die älteren Zuschauer jedoch kaum tangieren oder unterhalten. Aber gut zu wissen, dass es Klassiker wie "Das letzte Einhorn" gibt, die auch den älteren Zuschauern immer mal wieder vor Augen führen, wie schön Trickfilme, die auf Seele und Emotion, statt auf dümmlichen Humor oder vordergründige Effekte setzen, eigentlich sein können.

So könnte "Das letzte Einhorn" kaum fesselnder sein. Nach der gefühlvoll-melancholischen Einführung wird der Film rund um das einsame Einhorn, das sich fragt, ob es nun das letzte seiner Art ist, oder nicht, aber nicht dazu in der Lage ist Mitleid oder Trauer zu empfinden, umgehend mitreißender als manch anderes Genreprodukt über die volle Laufzeit. Die enorm emotionale Atmosphäre, die dabei kreiert wird, ist vor allem dem gefühlvollen Soundtrack von Jimmy Webb und America zu verdanken, der sicherlich sehr eindringlich und mitreißend ist, dem einen oder anderen dagegen ein wenig zu kitschig erscheinen mag.

Überhaupt bewegt sich "Das letzte Einhorn" hart an der Grenze zum Kitsch, überschreitet diese dabei auch teilweise, erscheint mit seinen extrem sympathischen Charakteren und der mitreißenden Story aber weder trivial noch belanglos oder banal, sodass man als Zuschauer unweigerlich in den Bann des Films gerät, der über die volle Laufzeit in eine Welt des Fantastischen entführt, in der niemand mehr so recht an dieses zu glauben scheint. Die Fabel, die jederzeit den Spagat zwischen einer gewissen Melancholie und einem Gefühl des Trosts und der Hoffnung auf den Sieg der Fantasie und des Schönen über Finsternis und Tristesse meistert, wahrt dabei besonders mit den zahlreichen verwendeten Symbolen einen gewissen Anspruch und ist auch mit dem zuversichtlichen, aber doch irgendwie bedrückenden Ende in seinem Aufbau absolut konsequent und bleibt als einer der besten Trickfilme aller Zeiten noch lang im Kopf.

Dabei gibt es durchaus die eine oder andere Wendung, die etwas unglücklich konstruiert wirkt oder "Das letzte Einhorn" arg unglaubwürdig gestrickt wirken lässt, aber diese Fehler sind angesichts dieser brillanten Reise in eine atemberaubende, traurige, aber doch irgendwie wundervolle Welt definitiv zu verzeihen. Der einzige größere Vorwurf, den man dem Klassiker einfach machen muss, ist seine schlampige Animation, die sich nicht so recht zwischen amerikanischer Zeichenkunst und japanischem Manga entscheiden kann, wenig detailreich ist und mitunter wirklich dilettantisch gezeichnet wirkt. Dass konnte Disney schon zwanzig Jahre früher wesentlich besser, wobei die grandiose Musik den schlechten visuellen Eindruck kompensiert.

Fazit:
"Das letzte Einhorn" entführt mit seinem gefühlvollen Soundtrack, seiner rührenden Geschichte und seinen liebenswerten Charakteren in eine Welt des Fantastischen, in der das Schöne über alle Finsternis, Tristesse und Gewalt siegt. Trotz des miesen Zeichenstils ein mitreißender, emotionaler, melancholischer und fesselnder Trickfilm, der jedem ans Herz gelegt sei, der noch eins hat.

86%

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