Wenn auch nicht so berühmt wie einige seiner Artverwandten, muss „The Flight of the Phoenix“ zweifellos zur Riege längst Klassikerstatus genießender Abenteuerfilme gezählt werden. Regielegende Robert Aldrich („The Dirty Dozen“, „The Longest Yard”) erschuf hier mit seiner bewährten und eingespielten Crew um Drehbuchautor Lukas Heller, Komponist Frank De Vol und Kameramann Joseph F. Biroc ein, trotz, vor allem für die damalige Zeit, stattlicher Überlänge, ein von Anfang bis Ende fesselndes Stück Abenteuerfilm, mit dem sich im übrigen das jüngst realisierte Hollywood-Remake nie messen kann.
Die Adaption des Romans von Trevor Dudley Smith kümmert sich erst gar nicht großartig um einleitende Worte, sondern katapultiert Besatzung wie Passagiere mitten in einen Sandsturm der Sahara. Als eine Abweichung vom Kurs keine Wetterbesserung erbringt und dank des ohnehin ausgefallenen Funks auch keine Hilfe erbeten werden kann, schmiert die klapprige Kiste ab und bringt die Überlebenden in eine zwangsläufig tödliche endende Extremsituation, die alle an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringt – mental wie körperlich.
Auch wenn der getrickste Sandsturm inklusive Absturz heute schon eine dicke Staubschicht trägt, büßt „The Flight of the Phoenix“ bis heute nichts an Klasse ein und das liegt an dem von Aldrich in Folge exzellent inszenierten Drama. Denn inmitten dieser hoffnungslosen Lage treffen sehr eigene, schwierige und starrköpfige Charaktere aufeinander, die ihren Stolz und ihre Autorität nicht wanken sehen möchten und wenn sie es das Leben kosten soll. Dabei ist die Zusammenarbeit für das Überleben unabdingbar.
Obwohl ein tüchtig zerfleddertes und nicht mehr vollständiges Dutzend den Absturz überlebt, beschäftigt sich Aldrich vorwiegend mit dem schwellenden Konflikt zwischen dem abgewrackten, seine besten Zeiten längst hinter sich habenden Captain Frank Towns (James Stewart, „Rear Window“, „Vertigo“), der sich die Schuld des Absturzes selbst in die Schuhe schiebt, und dem deutschen Flugzeugingenieur Heinrich Dorfmann (Hardy Krüger, „Hatari!“, „The Wild Geese“), der unter Geltungssucht leidet und nur unter einer Bedingung bereit ist seinen Plan, aus dem Wrack ein neues Flugzeug zu basteln, in die Tat umzusetzen. Man muss ihm allein das Kommando in der ewigen Wüste überlassen...
Dieser schon zu Beginn aufflammende Kampf zwischen Empirie (Towns beruft sich immer auf seine Erfahrung) und Theorie (Dorfmann hingegen setzt auf seine Berechnungen) soll mehrmals fast zur Eskalation führen, wird vom alkoholabhängigen Navigator Lew Moran (Sir Richard Attenborough, „The Sand Pebbles“, „Jurassic Park“) aber meist in letzter Sekunde noch gestoppt. Während anfängliche Hoffnung sehr schnell der Verzweiflung weicht, erste Gestrandete unter der sengenden Sonne und Flüssigkeitsmangel dem Wahnsinns verfallen und in der Wüste sterben, steht das Duell dieser beiden Dickschädel immer wieder im Vordergrund.
Nahezu brillant versteht Aldrich es in Folge die persönlichen Schicksalen mit geistiger Erschöpfung zu koppeln. Es folgen Selbstmord, Nervenzusammenbrüche und eine bald sehr angespannte Stimmung innerhalb der Gruppe aufgrund von Schuldzuweisungen und aussichtsloser, starrköpfiger Rettungsversuche, die wiederum Konflikte zum Thema Befehlsverweigerung und Gehorsam nach sich ziehen. „The Flight of the Phoenix“ gönnt sich in dieser Situation keineswegs Auszeiten, sondern lässt die Körper der Überlebenden ausdorren und weist damit deutlich auf ein unmenschliches Ende hin. Was, wenn das Wasser zuneige geht und der Kampf auf Leben und Tod um die letzten Tropfen beginnt?
Doch mit letzter Disziplin klammert man sich krampfhaft an das anfangs noch für aussichtslos erklärte Projekt von Dorfmann und mobilisiert dabei die letzten Kräfte. Gearbeitet wird möglichst nachts, weil die Sonne alles ausdörrt. Ein paar Datteln und verschwindend geringe Portionen Wasser halten sie am Leben, doch sie kämpfen, aber nicht alle werden den Ausgang des Films erleben.
Einen Bärenanteil an der spannenden Umsetzung der Literaturvorlage haben natürlich die zunehmend verwahrlosenden Darsteller. Auffallend hierbei ist die Tatsache, dass es eigentlich keine Sympathiefigur im Film gibt. Alle haben ihre Leichen im Schrank, sind alles andere als Saubermänner und voller Fehler. James Stewart ist als alternder Pilot, der sich zunächst den Absturz nicht verzeiht, keineswegs seine Führungsposition abtreten will, sich dann allerdings doch einsichtig zeigt, einfach Klasse. Der Mann, der einfach nur gebraucht werden will und sich jetzt in einer Situation wiederfindet, in der er eben zunächst nicht gebraucht wird, ist durchweg eine von Stewart ganz stark verkörperte Konstante des Films. Ihm gegenüber steht Hardy Krüger, mit seiner wohl besten Schauspielerleistung indes in Nichts nach. Der leicht reizbare, arrogante und sehr von sich überzeugte Ingenieur ist stets von unberechenbarem Gemüt und darf dann zum Schluss noch eine Katze aus dem Sack lassen, die dann auch den letzten Zuschauer verblüffen dürfte. Krügers Ausbrüche, Provokationen und dann wieder analytische Erklärungen sind von einer extrem Wandelbarkeit geprägt, die fast an Schizophrenie grenzt.
In Nebenrollen sind zudem noch Ernest Borgnine und George Kennedy zu sehen, doch sie bleiben chronisch unterbeschäftigt, weil ihre Charaktere auch nicht mehr erfordern. Etwas schade, denn sie haben ihre Szenen, müssen vor dem Duo Stewart/Krüger allerdings zurückstecken.
Legendär natürlich die Inszenierung des Finales mit den limitierten Zündungsversuchen, bei denen Frank Towns Mut fassen muss, entgegen der Anweisungen Dorfmanns handelt und sich nach etlichen Erniedrigungen durch ihn, endlich den Sieg einheimst....
Überhaupt inszeniert Robert Aldrich, der hier die vielleicht beste Regieleistung seiner Karriere abliefert, atmosphärisch ungeheuer dicht und kompakt. Da bleibt trotz der enormen Laufzeit gar keine Zeit für stattliche Längen, denn Ausgangssituation, Rettungsanker, Emotionen und die so unterschiedlichen Individuen werden innerhalb kürzester Zeit immer wieder erneut vor zu unlösbare Probleme und menschliche Konflikte gestellt.
Fazit:
„The Flight of the Phoenix“ ist ein zeitloses, klassisches Abenteuerdrama, das ganz von seinen Schauspielern und Robert Aldrichs superber Regie getragen wird. Die Schilderung der Extremsituation und die Darstellung der Überlebenden geriet so intensiv und spannend, dass die 140 Minuten wie im Flug (Man verzeihe mir das doofe Wortspiel) vergehen. Da kann das Remake zu jeder Sekunde einpacken. Aldrich holt das Optimum aus der Prämisse und montiert die Charakterkonflikte wie auch die aussichtslose Lage zu einem hochwertigen Stück Filmgeschichte zusammen. Pflichtprogramm!