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Es gibt viele Stimmen, die besagen, dass „Nachts, wenn Dracula erwacht“ einer oder sogar der beste Film von Jess Franco sei. Das mag auch so sein. Aber leider sagt dass nicht viel, da das Niveau von Francos Machwerken ohnehin unterste Schublade ist. So gesehen ist vielleicht das Prädikat „am wenigsten misslungen“ zielführender. Den geneigten Zuschauer packt das Grauen, was Franco aus einem scheinbar unverwüstlichen Stoff und hochkarätigen Schauspielern für einen Plunder zaubert. Er lässt Kinski stumm in einer Zelle hocken und Käfer essen. Das kann Klaus ziemlich gut, aber er kommt nicht ansatzweise in Verlegenheit, sein Talent in den Film einzubringen.Noch schlimmer ergeht es Herrn Lee. Franco schafft es, ihm jegliche bedrohliche Faszination zu rauben und als Handwurst mit einem Umhang rumstehen zu lassen. Man fiebert förmlich seiner Erlösung durch Pfählen entgegen. Dafür muss man anerkennen, dass Van Helsing gar nicht so übel besetzt ist. Er vermittelt zwar nicht den Geist von Cushing, wirkt aber etwas resoluter als das große Vorbild und kann dadurch gefallen. Schade ist nur, dass sich Franco offensichtlich nicht einigen konnte, ob Van Helsing nun in einem Rollstuhl sitzt oder nicht. Und damit kommen wir zum Hauptproblem dieses Films. Franco baut so viele Korken in seinen Streifen ein, dass der geneigte Zuschauer sich auf selbige und nicht den träge dahinplätschernden Handlungsstrang konzentriert. Wozu auch – der Stoff ist hinlänglich bekannt und bietet nicht die Spur einer spannenden Umsetzung. Was ich schade finde, ist dass man sich nicht auf Franco verlassen kann. Im Hinblick auf seine einschlägigen Genrebeiträge hätte man ein wenig Sleaze erwarten können. So hätte der Schweinigel die halberotische Komponente des klassischen Stoffes mit seinen Mitteln durchaus herausarbeiten können. Aber nein. Franco zeigt sich so keusch wie selten und bietet die üblichen, hölzern agierenden Heldencharaktere in einfaltslos abgelichteten Sets. Da sieht man sich je nach Passion doch besser noch einmal die Hammer-Filme oder Klaus in „Nosferatu“ an. Und lässt „Nachts, wenn Dracula erwacht“ in der wohlverdienten Vergessenheit. Von mir kriegt dieser Film 3 von 10 Punkten.

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