Review

Der Spanier Jess franco gehört sicherlich nicht zu meinen Lieblingsregisseuren, auch wenn er den einen oder anderen guten Film in meinen Augen gemacht hat („Faceless“ oder „Jack the Ripper“). Mit „El conde Dracula“ erreicht Franco aber wieder nur sein typisches Niveau.


Der junge Anwalt Jonathan Harker (Fred Williams) reißt nach Transsylvanien, um den Grafen Dracula (Christopher Lee) ein Haus in London anzubieten. Relativ schnell wird man sich einig, doch scheint im Hause Dracula nicht alles normal zu sein. Harker wird eingeschlossen und hat merkwürdige Träume von Frauen mit langen Zähnen, die das Blut aus ihren Opfern saugen. In einer verzweifelten Aktion springt Harker aus dem Fenster und wird 200km entfernt von Budapest aufgefunden. Er kommt in die Privatklinik von Prof. van Helsing (Herbert Lom), der sich auf solche Fälle spezialisiert hat. Schnell kommt er dahinter, dass die Geschichten von Harker mehr als wahr sind. Dracula hat sich schon in London eingelebt und ist hinter Lucy Westenra her, eine Freundin von Harker Verlobten Mina. Während des Besuches in der Privatklinik wird Lucy immer schwächer und schwächer, ferner leidet sie an einem unerklärlichen Blutmangel. Aber selbst nach Lucys Tod beginnt für van Helsing und Harker erst die richtige Arbeit. Dracula muss zerstört werden...


Eines muss man Jess franco ja zu Gute halten: Er hat es zumindest versucht, den Dracula-Stoff ansprechend zu verfilmen. Dies gelingt ihm auch am Anfang. Ganz im Stokerschen Sinne beginnt der Film und auch Christopher Lee sieht so aus, wie der Graf im Roman beschrieben wird. Nur der Unwissende meckert über den langen weißen Schnauzer, doch eben genau so hat Bram Stoker den Graf beschrieben.
Die Darstellerliste liest sich hervorragend. Christopher Lee ist mal wieder wie so oft der Graf, hinzu kommt ebenfalls eine Größe des englischen Films, der gebürtige Prager Herbert Lom in der Rolle des Prof. van Helsing. Lom ist eine gute Vertretung von Peter Cushing, der sonst immer den Widersacher Draculas spielte. Last, but not least Klaus Kinski in der Rolle des irren Rendfield. Böse Zungen würden behaupten, dies ist eine Paraderolle für Kinski, braucht er sich doch kaum zu verstellen. Und selbst wenn Kinski nicht einen Satz zu sprechen hat, macht er seine Rolle wie immer gut. Damit sollte doch alles glatt laufen für so einen Film, bei so einer Besetzung?

Nun ja, eben nicht, es gehört immer noch ein guter Regisseur und ein gutes Drehbuch dazu und beides hat „El conde Dracula“ bei weitem nicht. Istder Film anfangs noch sehr stimmig und relativ eng am Roman, so wird der Film im Laufe der Zeit immer wirrer und belangloser mit abgehackten Szenen, die den Zuschauer fast ärgerlich zurück lassen. Eben war Herbert Lom noch im Rollstuhl, ein Schlaganfall ist Schuld, der dem Zuschauer mal eben so im Vorbeigehen untergejubelt wird, die Beine sind gelähmt, doch kurze Zeit später kann Lom schon wieder wunderbar laufen, als wäre nix gewesen. Auch ist Dracula mal eben noch bei Prof. van Helsing und wird relativ lächerlich abgewehrt, kurze Zeit später aber ist er auf den Weg nach hause, wo seine Feinde schon auf ihn warten. Man sieht schon, mit der Logik nimmt es Franco nicht so genau, mit der kompletten Inszenierung aber auch nicht.

So zieht sich der Film in der Originallänge doch nach einer halben Stunde ziemlich. Franco schafft es nicht, seine drei Stars unter einen Hut zu bringen. Due Auftritte wirken fast immer ziemlich unmotiviert, Szenen zusammen gibt es kaum (vergessen wir mal den „Zwischenkampf“ zwischen Lom und Lee). Auch die Effekte sind für einen Franco-Film gewohnt billig, fast lächerlich. Auch die Pfählung, eigentlich der Höhepunkt eines jenen Draculafilms (man denke nur an Fishers „Dracula“) wird lustlos inszeniert und verkommt zur totalen Langeweile, da kann auch der Spatenstich nichts bewirken.


Fazit: Ein typischer Franco. Die Ansätze sind da, doch schafft es Franco wunderbar, den Film nach einer knappen halben Stunde den Bach runter gehen zu lassen. Da können selbst Lee, Lom und Kinski nichts mehr retten (nun ja, vielleicht doch, ohne die drei wäre der Film wohl noch schlechter). Nur für absolute Dracula-Fans.

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