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Fast 40 Jahre ist es her, dass ausgerechnet Billigfilm-Vielfilmer Jess Franco eine eng an der literarischen Vorlage orientierte Filmversion von DRACULA ablieferte. Ein weiterer Aspekt überrascht hier noch mehr, da der Regisseur keine schmierige Tit’n’Blood-Show ablieferte, sondern ein stimmungsvolles und bemerkenswertes Trash-Werk.
Die Kamera hat sehr atmosphärische Bilder eingefangen. Die Filmmusik (wohl eine Zitter) passt perfekt zur Stimmung des Filmes und unterstreicht die persönliche Note dieser Verfilmung. Natürlich gibt es die kostengünstig bei Tag gedreht Nachtszenen, die hier so offensichtlich sind, dass es schon wieder zum Kreischen komisch ist. Der Schatten der Fledermaus hat viel von der AUGSBURGER PUPPENKISTE. Auch erinnern die Kreischlaute des Flederviehs eher an eine schlecht eingestellte Radiofrequenz.
Ansonsten hat man bei der Darstellerauswahl keine Entgleisungen zu erwarten. Bemerkenswerterweise konnte Jess Franco nicht nur Christopher Lee, sondern auch noch Klaus Kinski und Herbert Lom unter Vertrag nehmen. Die drei Filmgrößen haben zwar fast keine gemeinsame Szene, dennoch sind ihre Darstellungen routiniert. Ich finde sogar, dass Herbert Lom einen sehr überzeugenden Van Helsing abgibt.
Kinski spielt einen Irren (ja, wirklich!) und sagt nur ein Wort im Film. Dafür sprechen seine hypnotischen Augen ganze Bände. Neben Lom ist Kinski die beste Nummer in der Schauspielerriege. Der Rest der Crew spielt überzeugend, wenn auch nicht weltbewegend. Da es sich um ein 12er-Rating handelt, wurde ordentlich Gore’n’Blood zurückgeschraubt, und natürlich sind die Damen züchtig zugeknüpft – und bleiben dies auch.
Zum Ende hin gibt’s Styropor-Felsen und einen gräflichen Flammentod, der ja sowas von billig aussieht. Sei’s drum … denn Trash rulez halt. Dennoch halte ich Jess Francos DRACULA-Version als „authentisch wirkender“ als so manche Verfilmung aus den Hammer Studios. Liegt wohl nicht zuletzt an den stimmigen Außendrehs und den mitunter zu oft eingesetzten Zooms, die den Film nicht amateurhaft sondern „modern“ erscheinen lassen.

Fazit: NACHTS, WENN DRACULA ERWACHT ist Trash, aber keine Lachnummer!
Sehr stimmungsvoll – und eine Empfehlung an alle Genre-Fans … und damit meine ich nicht nur die Jess Franco-Fans, sondern eher alle anderen „Vampirjäger“.

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