Andre Hennicke spielt einen Serienkiller, der schließlich von einer Spezialeinheit gefasst wird. Wotan Wilke Möhring spielt einen Dorfpolizisten, der einen grausamen Mord aus seinem Bereich aufklären will. Schnell führen Spuren zum kürzlich gefassten Psychopathen und, da sich dieser vor professionellen Psychologen ausschwieg, bekommt der Provinzpolizist schließlich sogar die Genehmigung diesen zu verhören, ohne zu wissen, dass der Killer mit ihm ein Spiel spielt.
Wie viele andere deutsche Thriller hat man sich auch bei "Antikörper" bekannte amerikanische Vorbilder gesucht, in diesem Fall sind vor allem Parallelen zu "Das Schweigen der Lämmer" erkennbar, und kupfert einiges von diesen ab. Allerdings ist "Antikörper" hier eine gelungene Ausnahme, die zweifelsohne nicht einmal im Ansatz mit seinem Vorbild mithalten kann, aber durchaus zu überzeugen weiß, damit nicht wie viele andere deutsche Produktionen dieser Art maßlos enttäuscht und neben "Das Experiment" einer der besten deutschen Genrefilme der letzten Jahre ist.
Im Wesentlichen verdankt "Antikörper" seiner gelungenen Inszenierung den hohen Unterhaltungswert. Regisseur Christian Alvart kreiert von Anfang an eine düstere Atmosphäre, dies gelingt ihm im Wesentlichen mit der beklemmenden Filmmusik und ein paar ganz gut platzierten Ton-Effekten. Darüber hinaus verdichtet er die Atmosphäre mit ein paar finsteren Einstellungen, wie den Bildern verstümmelter Opfer und schafft es zudem die Atmosphäre bis zum Ende aufrecht zu erhalten. Auch narrativ ist der Film durchaus gelungen. So treibt Alvart die Handlung stetig voran und lässt den Zuschauer über die Auflösung, die durchaus überrascht, bis zuletzt im Unklaren, wobei er den Spannungsbogen, der mustergültig und stetig ansteigt, perfekt auf diese Auflösung zuspitzelt. Damit unterhält "Antikörper" durchgehend, auch wenn das letzte Quäntchen Spannung, dass "Sieben" oder "Das Schweigen der Lämmer" hatten, leider fehlt.
Fehler unterlaufen Alvart aber dennoch. Beim Versuch seine amerikanischen Vorbilder zu erreichen schießt Alvart bei seinem Drehbuch leider übers Ziel hinaus. Er versucht möglichst viele Nebenfiguren in seine Handlung zu integrieren, denkt sich zahlreiche Metaphern für Gut und Böse aus, versucht darüber hinaus das Thema Schuld und Sühne anzuschneiden, sowie die Charaktere, das Psychoduell zwischen dem Polizisten und dem Killer, die Vater-Sohne Beziehung zwischen dem Polizisten und seinem traumatisierten, schwer erziehbaren Sohn, tiefer zu konstruieren. Außerdem baut er die eine oder andere Wendung zu viel ein, sicherlich mit dem Ziel mehrfach überraschen zu können, was teilweise auch der Fall ist und hebt seinen Film darüber hinaus immer mal wieder auf ein übernatürliches Niveau, immer, wenn er zeigt, wie der Killer allmählich gewissermaßen Besitz von dem Polizisten ergreift. All dies führt dazu, dass der Film stellenweise etwas überladen wirkt, dass sich Alvart teilweise auf Nebenschauplätzen verirrt und man früher oder später das Gefühl bekommt, zwei oder drei, ineinander verschachtelte Filme zu sehen, auch wenn durchaus der eine oder andere gute Ansatz dabei ist. Weniger wäre hier vermutlich mehr gewesen.
Der Cast kann durchaus den internationalen Vergleich halten. Wotan Wielke Möhring spielt den Dorfpolizisten durchaus überzeugend, stellt erschreckend glaubhaft dar, wie der Killer Besitz von ihm ergreift und leistet sich keinerlei Fehler, darüber hinaus ist er mit seiner sympathischen Art sehr gut besetzt. Andre Hennicke spielt die Rolle des psychopathischen Killers, der offensichtlich von Hannibal Lecter übernommen ist, ebenfalls glaubhaft und macht sich als Inkarnation des leibhaftigen Bösen hervorragend. Der übrige Cast ist ebenfalls gut, wobei vor allem der erfahrene Heinz Hoenig einmal mehr unter Beweis stellt, dass er zu den besten deutschen Darstellern gehört.
Fazit:
"Antikörper" erzeugt vor allem wegen seiner dichten Atmosphäre Spannung und steigert diese mit dem starken Cast und einigen gelungenen Schockmomenten bis zum überraschenden Finale kontinuierlich. Leider ist die Story, die aus einigen amerikanischen Vorbildern zusammengeschustert ist, überladen und verirrt sich teilweise auf Nebenschauplätzen.
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