Wer sich schon immer gefragt hat, wie die Drehbuchschreiber von "Saw" auf die Idee zu ihrer packenden Filmstory gekommen sind, der findet vielleicht hier eine Antwort. Denn es kann fast kein Zufall sein, dass sich dieser französische Kurzfilm namens "Der Eiermann" von 1999 und das große Thriller-Highlight des letzten Jahres so derartig ähneln! Oder doch?
Die Story zu "Der Eiermann" ist zwar im Grunde eine Andere, läuft aber vom Prinzip her ähnlich ab, wie das mörderische Puzzlespiel. Ein Mann findet sich plötzlich in einem abgesperrten Raum wieder, ohne zu wissen wie er dort hingekommen ist. Dort wird er von einem mysteriösen Mann, der sich Mr. Cadoeuf nennt, mit dem Vorwurf belastet, dass dessen Tochter an einem viel zu großen "Überraschungsei", aus der Produktion der Firma des Mannes, erstickt sei. Nun hat Mr. Cadoeuf den Körper des Mannes komplett mit solchen Eiern bestückt und in einem der Eier den Schlüssel zur Außentür versteckt. Zudem fliegt der Raum in exakt 3:30 Min. in die Luft. Mit einem Skalpell in der Hand muss der Mann nun dieses, gut versteckte, Schlüssel-Ei finden. Und nicht nur Schweiss wird fließen! Na, gewisse Parallelen zu "Saw" erkannt? Sicherlich. Nun gut, es kann natürlich auch alles Zufall sein. Aber wie dem auch immer sei, die Story passt zu einem Kurzfilm wirklich verdammt gut ins Licht und kann für gut 10 Minuten schweißtreibende Unterhaltung bieten.
Sowieso ist die ganze Inszenierung mindestens genauso beklemmend ausgefallen, wie bei "Saw". Schon die Einführung des merkwürdigen Mr. Cadoeuf ist packend ausgefallen und bringt den Zuschauer zum grübeln, was dieser denn nun eigentlich mit dem armen(?) Opfer vorhat. Hammerhart und ohne mit der Wimper zu zucken, wird dem Zuschauer dann das gleich folgende, knüppeldicke Geschehen deutlich gemacht.
Und das hat es dann wirklich in sich. Auch wenn man den Mann im Film eigentlich nicht kennt, so kann man mit ihm wirklich in jeder Sekunde, der 3 1/2 Minuten mitfiebern. Es ist schon fast eine Qual mit zuzusehen, wie er sich eine Körperstelle nach der anderen aufschlitzt, nur um jedes Mal zu merken, dass er an der falschen Stelle gesucht hat. Und er soll erst 10 Sek. vor Schluss auf die entscheidende Stelle aufmerksam werden. Somit gibt es sogar einen hochspannenden Mini-Showdon zu besichtigen, der aber knackiger ausgefallen ist, als bei so manch großer Hollywood-Produktion. Bravo!
Dazu die herrlich triste Kulisse und ein knackig guter Soundtrack, der sich ebenfalls hören lassen kann. Ja man mag mitunter eine richtig schaue Atmosphäre fühlen können, wenn die harten Klänge auf einen herniederprasseln. Wirklich klasse, wie man nur 10 Minuten Film so packend inszenieren kann!
Was den Hauptdarsteller angeht, nun ja, dafür dass man ihn nicht kennt, macht er seine Sache doch erstaunlich gut. Auch wenn man bei einem Kurzfilm nur selten das volle Talent eines Darstellers herausfiltern kann, so würde ich doch behaupten wollen, dass der Kerl durchaus etwas drauf hat. Vielleicht sieht man ihn ja zu einem späteren Zeitpunkt mal wieder.
Fazit: "Saw" in Kurzfilmformat. Eine nettes Kammerspiel, spannend und atmosphärisch verpackt, mit einigem Splatter und ungewöhnlichem Ausgang. Wer Kurzfilme liebt und sich am angesprochenen Thriller-Highlight nicht sattsehen kann, der wird garantiert auch diesen französischen Shorty in sein Herz schließen können.
Wertung: 8/10 Punkte