Review

Staffel 1+2

"Entourage" erzählt die Geschichte des neuentdeckten Filmstars Vincent "Vinnie" Chase (Adrien Grenier), der - aus Queens in New York stammend - seine engsten Freunde mit nach Hollywood genommen hat: Eric (Kevin Connolly), sein bester Freund seit Kinderzeiten wird sein Manager, sein Bruder Johnny Drama (Kevin Dillon), selbst recht erfolgloser B-Schauspieler, der hofft, im Windschatten seines erfolgreichen Bruders seine darniederliegende Karriere anzuschieben und schließlich Turtle (Jerry Ferrara), das Organisationstalent, Mädchen für alles und Fahrer des Quartetts. Sein Agent, Ari (Jeremy Piven) schließlich komplettiert als Insider diese Gruppe, allerdings liegt er oft im Clinch mit Eric und beide bekriegen sich oft genug.

Ich habe inzwischen 2 (von 7) Staffeln dieser HBO-Serie gesehen und bin hin und weg. Produziert wurde das Ganze u.a. von Mark Wahlberg, der damit seine eigenen Hollywood-Erfahrungen verarbeitete. Involviert ist außerdem als ausführender Produzent Larry Charles, der auch bei "Borat" und "Seinfeld" dabei war. Ähnlich funktioniert der Humor bei "Entourage", denn schließlich ist die Serie, trotz einiger "dramatischer" Entwicklungen, definitiv eine der amüsantesten Komödien, die ich bisher gesehen, dabei voller Zynismus und fieser, entlarvender Situationen, die den Zuschauer sehr tief hinter die Hollywood-Kulissen führen. Der Humor ist z.T. vollgestopft mit Anzüglichkeiten und Sexismen (wie sowieso sich eine Unmenge attraktiver Ladys Vinnie an den Hals wirft). Dabei ist Vinnie durchaus sympathisch - er ist ein staunender Junge in einer neuen, faszinierenden, aber auch irritierenden Welt, die er ohne seine "Jungs" eben nicht so bewältigen würde. Er ist kein Star mit Allüren (zumindest in den ersten 2.Staffeln), er will auch anspruchsvolle Filme drehen, aber eben auch Blockbuster, damit seine Jungs eben noch größere Plasma-TVs haben können. Eric ist die Stimme der Vernuft mit strengem Blick aufs Budget, und Vinnies älterer Bruder Johnny ist eine grandiose Figur zwischen Tragik, großartiger Komödie und Hybris.
Ein weiterer Pluspunkt der Serie neben der Figurenzeichnung, den messarscharfen Dialogen und den großartigen Schauspielern (v.a. Jeremy Piven als Ari ist sensationell): es geben sich die Hollywood-Promis (meistens spielen sie sich selbst) die Klinke in die Hand: Ali Larter, James Cameron, Larry David, Scarlett Johannson, Leighton Meesters, Gary Busey u.v.m. Zudem spielen einige Folgen auch auf ganz bekannten Schauplätzen dieser Branche, z. B. auf der ComicCon in San Diego (Johnny Drama: "I hate those fucking geeks") oder in Sundance auf dem dortigen Filmfestival.
Ich kann unmöglich sagen, inwieweit diese Serie die Realität Hollywoods abbildet, sie ist vermutlich eine Mischung aus Fiktion, Übertreibungen und 1:1-Darstellungen dieses Wahnsinns, aber sie bietet dem Interessierten die Möglichkeit, sich zumindest ansatzweise ein Bild dieser Industrie und ihre Mechanismen zu machen: zu sehen, wie Images geschaffen werde, wie Eifersüchteleien Karrieren bestimmen, wie flüchtig dieser Ruhm usw. Die besten Drehbücher zu Hollywood stammen eben von dort und "Entourage" ist keine selbstverliebte Selbstbeweihräucherung, sondern ein großartiger, schräger Blick hinter die Kulissen, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und sie macht unglaublich viel Spaß. Ich freue mich schon jetzt auf die nächsten Staffeln.

Details
Ähnliche Filme