In den 70ern und 80ern wurde ja so mancher mentale Kurzschluss auf Zelluloid oder Video gebannt, so dass man sich rückblickend nur noch fragen, wieso irgendjemand für das Endprojekt jemals Geld ausgegeben haben soll.
„Project Nightmare“ ist auch so eine Kuriosität, die verschiedene Aspekte in sich vereint, nämlich handwerkliches Unvermögen, eine prinzipiell interessante Idee und grenzenlose Chuzpe, den Film trotzdem oder genau deswegen fertigzustellen.
Was den Macher angeht, so muss ich hier gleich die Waffen strecken, denn selbst die allmächtige IMDB hat Probleme, die Regisseure Don Jones und Donald M.Jones korrekt auseinander zu halten. Generell lasse ich mal zu: Donald M. Jones hat in diesem Fall den Hut aufgehabt und er ist auch der Regisseur von „Murderlust“ und nicht der Regisseur des halbwegs bekannt-berüchtigten „The Forest“ (das ist dann Don Jones).
Letztendlich ist das aber auch egal, denn beide waren nicht gerade Meister ihres Fachs.
Wer sich bequemt, eine ziemlich verbeulte Kopie auf Youtube aufzustöbern, wird hier dann auch sofort ins Geschehen katapultiert, zwei Wochenendzelter namens Gus und Joe stolpern durch einen abgelegenen Tann und zählen sich dann - mangels visueller Umsetzbarkeit durch die Filmproduktion – gegenseitig noch mal auf, dass eine unbekannte Kraft ihren Zeltplatz zerstört hat und sie hierher gehetzt hat. „Hierher“ ist immer noch grünes Nirgendwo, aber seltsamerweise gibt es in der Gegend jetzt auch keinen Verkehr mehr (bis auf ein gestrandetes Auto, eine Weile später) und auch keine anderen Menschen (bis auf eine freundlich-obskure Frau in einem Haus, die zwar Tee macht, aber keine Stühle besitzt).
Das Übernatürliche manifestiert sich natürlich auch, allerdings zu 94 Prozent außerhalb des Bildes, weswegen man von den unheimlichen Vorgängen nur ein bläulich-rotes Schimmern und Wabern sieht, vor dem aber vorsorglich alle fliehen. Ergo sind unsere Kumpanen, zeitweise mit Teekocherin Marcie im Gepäck meistens allein oder zu zweit unterwegs, auf der Suche nach Aufklärung, während fröhlich Dinge verschwinden und wieder auftauchen. Zwischendurch träumt John auch noch von sich als kleines Kind, der auf einem Friedhof einen Priester beobachtet, der unverständliche Geräusche von sich gibt – und das ist die wohl überflüssigste, aber gleichzeitig unheimlichste Sequenz im ganzen Film (die mich stark an die Neuro-Übertragung aus John Carpenters „Prince of Darkness“ erinnert, der zar im gleichen Jahr erschien, jedoch dürfte das Filmmaterial für diesen Film hier da schon 8-10 Jahre alt gewesen sein).
Aber auch sonst tut die Kamera ihr Möglichstes, die Naturisolation bedrohlich wirken zu lassen und später, als sich das Geschehen zu einem Flugzeug in die Wüste verlagert, betonen die Aufnahmen das Unwirkliche des Geschehens noch zusätzlich. Leider reden die Figuren zwischen zu viel überflüssigen Kokolores, aber gerade die Unfähigkeit der Filmemacher, den Alptraum in budgetbedingte Bilder fassen zu können, macht eine Menge der Faszination dieses Independent-Schnellschusses aus.
Immerhin, das Ende bietet dem verwirrten Zuschauer dann tatsächlich noch so etwas wie eine Erklärung an, als einer der beiden einen seltsamen Bunker entert, in dem ein Wissenschaftler ein Experiment zu steuern versucht, welches schon ziemlich aus dem Ruder läuft. Es geschehen dann noch ein paar seltsame Dinge (eine Sequenz dreht sich um einen frei im Raum schwebenden Kopf, den man wohl auf einem alten Atari programmiert hatte) und am Ende kann man auch nicht sicher sein, ob der Kopfkäse jetzt auch wirklich vorbei ist, aber bis dahin hat man einen obskuren Headtrip an der Backe, der offenbar irgendwann Ende der 70er gedreht, aber erst 1987 veröffentlicht wurde. Hätte ich es nicht nachschlagen können, ich hätte ihn fast in die späten 60er verordnet (er würde vom Look her als Tandem mit „Equinox“ funktionieren).
Bei all dem öden Schotter, der seit damals vom Fließband lief, kann ich nur empfehlen ganz speziell nach Project Nightmare zu suchen, denn für crazy 74 Minuten ist diese Studie enorm unterhaltsam, auch wenn die Darsteller wie aus Holz sind, die Tricks albern, der Schnitt eher hinderlich fürs Tempo und das Drehbuch ein Wirrwarr. Aber auf LSD ist der Film vermutlich Bombe – freundliche 5/10 von mir.