Mal wieder eine richtig überraschende Sneak, denn mit dem neuen Wim Wenders hatte ich wirklich nicht gerechnet.
Der Film lebt von der Kombination aus allen Komponenten: Drehbuch, Schauspieler, Kamera, Landschaft, Musik und Westernfeeling. Alle Komponenten bilden hier eine Einheit. Das was nicht gesagt wird, erklärt sich aus den Bildern, die mit Musik die auf den Punkt geht untermalt. Die Kamera zeigt die träge „Nichts-Passiert-Stimmung“, aus der man durch plötzliche Situationen wieder heraus geholt wird und erst mal begreifen muss, was dieser wildgewordene Indianer vor hat oder man sich in der Overdose-Spielhalle zurecht finden muss.
Zum schieflachen ist das Streitgespräch zwischen Howard (Sam Shepard) und Doreen (Jessica Lange), bei dem die Absurdität des Moments dadurch unterstrichen wird, dass all das auf der menschenleeren Straße ausgerechnet direkt vor einem Fenster des Fitnesscentres stattfindet, in dem zwei Menschen mit größter Gelassenheit „trainieren“.
„Howard you are a coward!” schimpft Doreen und muss mittendrin lachen, weil es sich obendrein auch noch reimt.
Den halben Punkt Abzug gibt es für die Rolle von Sarah Polley (Sky), denn sie war nicht 100 % da, wie Shepard und all die anderen.
Ansonsten hat's Wim Wenders einfach raus, wenn's um Roadmovies geht. Aber ihm allein gilt das Lob natürlich nicht, sondern auch Sam Shepard, mit dem er gemeinsam das Drehbuch schrieb. Sam Shepard selbst soll einen Höllenrespekt vor dieser Rolle gehabt haben, bevor er sie antrat ... vielleicht ein Grund, warum er damals bei "Paris, Texas" eben nicht die Hauptrolle übernahm.
9,5 von 10 Punkten