Review

Gar nicht so sssschlecht

„Sssssss“ bekommt den Preis für den besten Tierhorrortitel und erzählt sehr straight und auf dem Papier zumindest bizarr von einem Wissenschaftler mit Gottkomplex und Schlangenfetisch, der durch Experimente Menschen und Schlangen kreuzt und seiner Vorstellung nach so die nächste Evolutionsstufe erschafft…

Wat Is Dat?!

Seinem Antagonisten bzw. besser dessen Namen (Dr. Stoner!) wird „Ssssnake“ schon sehr lange Zeit gerecht. Ein wenig bekifft und schläfrig kümmert er sich wenig um Spannung und klassischen Filmaufbau, lungert so herum zwischen Experimenten, Egalität und Exposition. Meine leichte Schlangenphobie hilft dem 70s-Creature Feature aber über diese Anrollschwierigkeiten, denn wie hier sehr viel mit echten Schlangen gearbeitet wird, meist gerne in detaillierter Großaufnahme, kann einem alleine schon Angst machen oder einen anekeln. Ich mag diese Wesen einfach so mit am wenigsten von allen auf diesem Planeten. Gerade in diesen Größen und mit diesen Umfängen, dass sie gefühlt kleine Kinder verspeisen könnten. Und „Sssssss“ spielt voll in diese Urangst. Die praktischen Effekte und tierischen Monster können sich sehen lassen. Manchmal weiß man kaum, ob das jetzt eine echte Schlange war (was teils dann wiederum Tierquälerei wäre) oder eine geniale Puppe, was man bei einem Film aus diesem Jahrzehnt ja auch nicht alle Tage sagen kann. Einige Performances der Altdarsteller sind sehr gut, gerade wenn man die immer verrückter erscheinende und regelrecht ausartende Situation im Hinterkopf behält. Und die überraschend deutlichen Bodyhorroraspekte sind ebenso spitze für ihre Ära, nicht nur zeitlich ist das alles irgendwo ziemlich genau zwischen den beiden „Die Fliege“-Versionen. Aber um seine Wirkung nicht zu verfehlen, sollte man schon etwas empfinden, wenn man Schlangen sieht - egal ob Angst, Ekel, Spaß oder alles drei zusammen. Lassen die Schuppenkriechtiere einen jedoch völlig kalt, kann sich „Sssssss“ auch zu einem ganz üblen Sssschnarcher entwickeln. Bei mir war das jedoch nicht so zum Glück. Und was für gigantische Brummer hier teils von den Schauspielern gehalten werden ist absolut erstaunlich und für mich halt schon außerhalb des Horrorfilmkontext unangenehm und beeindruckend zugleich… 

Black Mamba, kaum Zunder

Fazit: langsame, weirde, aber sich im Endeffekt einigermaßen auszahlende Schlangensause der klassischsten Mad Scientist-Sorte… Mal trashig, mal ernstzunehmen. Mit Geduld, Geschlängel und Gelaber. Behäbig, bizarr & 'n bisschen blöd. 

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