Eine Mischung aus „Full Metal Jacket“ und „The Great Escape“ (durch Farrells aufmüpfigen Charakter) im Vor-Vietnam-Szenario zeigt uns der gute Joel Schumacher hier. Ein rebellischer, intelligenter und nahezu pazifischer angehender Soldat gerät bei seiner Ausbildung vor der Versendung in den Dschungel von Vietnam nicht nur mit seinen Vorgesetzten und den militärischen Regeln aneinander, sondern sogar mit dem Konzept des Krieges als Ganzes - und entpuppt sich gleichzeitig aber dennoch (oder gerade deswegen?) als durchaus fähige Führungspersönlichkeit…
„Tigerland“ wird oft etwas missgünstig als „blassere Version“ der größeren, berühmteren, auch in meiner Kritik sicher genannten Titel heruntergedimmt. Und doch sehe ich den etwas anderen Kriegsfilm von Schumacher (der hier nach dem „Batman & Robin“-Debakel viel gut zu machen hatte) wesentlich positiver und eigenständiger als andere Kritiker. Der grau-kühle Look ist beachtenswert, schlockige (Schumacher-)Anteile sind kaum vorhanden, die Denkansätze zu Krieg, Frieden und Militär sind lobenswert. Ein Kriegsfilm ohne echten Krieg braucht Eier. Farrell zeigt hier all sein Charisma und Starpotenzial. Die Nebenrollen sind (wie meist in Kriegsfilmen dieser Zeit) bis in die Haarspitze edel und bekannt besetzt. Trotz wenig bis gar keiner echten Gefahr wird es nie langweilig. „Tigerland“ hat sowohl Ruhe und Menschlichkeit wie auch Wucht und emotionale Härte. Eine gekonnte Mischung.
Fazit: nur der kleine „Platoon“?! Egal welchen Vergleich man heranzieht - „Tigerland“ ist klasse besetzt, sieht top(-monochrom) aus und fängt die Ungewissheit vor einem Kriegsdienst und die verrückte Zweiseitigkeit der Amerikaner erschreckend authentisch ein. Entdeckenswert.