Mysteriöse Vorkommnisse auf dem Landsitz einer alten Adels-Sippschaft, ein infantiler Familiensproß, ein weiblicher Killer mit Geschlechtsneurose, mordende Nonnen in Strapsen und mittendrin "Old Surehand" Stewart Granger, bei seinem einzigen Einsatz als Scotland Yard-Inspector - das sind die bizarren Zutaten dieser deutsch-englischen Zusammenarbeit, die dramaturgisch und inszenatorisch in britischer Verantwortung lag.
Ein Potpourri an Absurditäten mit hohem Trashpotential, das nur an einem Manko krankt: an ihrer bierernsten und steifen Inszenierung durch Regisseur Cyril Frankel, der das Potential der abgehobenen Story verschenkt und den naiv-trashigen Charme reinrassig deutscher Wallace-Verfilmungen schmerzlich vermissen lässt.
Was hätte das für ein furioses Kuriositätenkabinett werden können - stattdessen erschreckt der Zuschauer angesichts der Tatsache, mit wie wenig Witz und Pfiff der Krimi inszeniert wurde. Dass die Briten Meister des schwarzen Humors sind kommt hier nur äußerst selten zum Vorschein - da reicht es nicht einen charismatischen Komiker wie Robert Morley zu verpflichten, dem ebenfalls nicht zugestanden wird, sich so zu entfalten wie beispielsweise in "Der Wachsblumenstrauß". Morley setzt zwar Akzente und ist einer der wenigen Lichtblicke dieser Verfilmung, verkommt aber leider in einer undankbaren Nebenrolle.
Trotz zahlreicher guter Ansätze mangelt es dieser spröden "Wallace"-Adaption vor allem an Tempo, streckenweise wirkt die Inszenierung sehr geschwätzig. Die Story ist einfallsreich, ihre Höhepunkte allerdings zu sparsam gesät, der Bodycount ist an einer Hand abzählbar und gruselige Atmosphäre ist kaum auszumachen.
Trotz eines phantastischen und einfallsreichen Drehbuchs bleibt der Krimi erstaunlich bodenständig, versucht krampfhaft ein ernster Krimi zu sein und punktet dann gegen Ende auch mit ordentlichem Thrill und gelegentlichen Härten.
Doch bis dahin ist es trotz einer überschaubaren Laufzeit ein langer Weg, der mit plakativ eingesetzten Nuditäten und seiner Dialoglastigkeit jeden Anflug von Spannung im Keim erstickt.
Aus darstellerischer Sicht ist der Produktion der Clou gelungen, neben Stewart Granger und Robert Morley auf britischer Seite, vor allem einige bekannte Gesichter aus den deutschen Wallace-Adaptionen zu verpflichten: so gesellt sich Siegfried Schürenberg als Sir John - ernst wie niemals zuvor - an die Seite von Brigitte Horney ("Neues vom Hexer") und Eddi Arent, dessen Abschiedsvorstellung in diesem Werk einer Trauervorstellung gleicht.
Auch Stewart Granger agiert auf weite Strecken farblos - als "Old Surehand" in "Unter Geiern" oder "Der Ölprinz" war er lässiger in Szene gesetzt worden. Hier passt er sich offensichtlich dem behäbigen Stil der Inszenierung an.
Alles in allem stellt diese deutsch-englische Zusammenarbeit nach "Das Geheimnis der gelben Narzissen" und "Das Geheimnis des silbernen Dreiecks" mit Abstand das schlechteste Ergebnis dar.
"Das Geheimnis der weißen Nonne" darf somit zu einer der langweiligsten Wallace-Verfilmungen gezählt werden, die man ruhigen Gewissens aus seiner Filmsammlung verbannen kann.
5,5/10