Review

Im Zuge der italienischen Zombiefilm-Welle, die Lucio Fulci mit seinem ZOMBI 2 (1979) in Bewegung setzte, steuerte auch ein gewisser Andrea Bianchi mit LE NOTTI DEL TERRORE seinen Beitrag hinzu. Zuvor drehte er nicht nur den Giallo NUDE PER L’ASSASSINO (1975) oder das sexuell anrüchige Exorzisten-Plagiat MALABIMBA (1979), sondern führte auch zusammen mit John Hugh Regie in dem Abenteuerfilm TREASURE ISLAND (1972) mit Orson Welles in der Hauptrolle. Doch sein bekanntestes Werk sollte schließlich der vorliegende Horrorstreifen sein, den er mit einem Low-Budget von schätzungsweise 100.000 Lire in kürzester Zeit runterkurbelte. Im Vergleich zu Fulcis Streifen, bewegt sich DIE RÜCKKEHR DER ZOMBIES, so der deutsche Titel, aber beinahe schon auf Amateurniveau und kann oberflächlich betrachtet kaum eine Handlung vorweisen. Das beginnt schon im Prolog, in dem der schrullige und bärtige Professor versucht, eine etruskische Gruft zu öffnen, aber von den bereits umherschlurfenden Zombies dabei überrascht wird. „Ich bin der einzige, der das Geheimnis kennt!“, sagt er zu sich selbst, versäumt es aber, den Zuschauer um sein begründetes Vorhaben aufzuklären und nimmt sein Wissen mit ins Grab. Im späteren Verlauf wird zwar kurz angedeutet, daß es bei seinen Forschungen um das Wissen des Überwindens des Todes geht, welches die Etrusker behüteten, aber weiteres erfährt man auch nicht mehr. Und mit dem Eintreffen der Clique beginnt dann die eigentliche Storyline.

Im ersten Augenblick erscheint Bianchis Schmuddelfilmchen wie ein stümperhaftes „rip-off“ von George A. Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD (1968), orientiert sich aber lediglich an dessen Belagerungsidee und zeigt zum Teil einen eigenständigen Charakter. Und dieser konzentriert sich lediglich auf das Wesentliche und präsentiert eine nahezu endlose Aneinanderreihung von Flucht- und Angriffszenen zwischen den Protagonisten und den halbverwesten Überresten eines antiken Volkes, das sich hier erneut auf einem Eroberungszug befindet. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, daß Lucio Fulci einen deutlichen Einfluß auf Bianchis Machwerk hatte. So werden die meisten Goreszenen in Zeitlupe abgefilmt oder in längeren Einstellungen ausgedehnt und in Nahaufnahme eingefangen. Hinzu gesellen sich Kamerazooms auf entsetzte Gesichter und aufgerissene Augenpartien. Sogar einige Geräuscheffekte, wie das Schmatzen und Glitschen der nach menschlichen Speisen gierenden Untoten, sind an jene Soundcollagen angelehnt, die für Fulcis Filme so stilistisch sind. Eine Sequenz, in der ein Zombie das hübsche Gesicht von Antonella Antinori in eine zerbrochene Fensterscheibe drückt, gibt eindeutig die Absicht einer Hommage an ZOMBI 2 wieder, nur daß hier der Holzsplitter durch eine bzw. mehrere Glasscherben ersetzt wird.

In diesem Zusammenhang muß man jedoch zugeben, daß Giannetto De Rossis F/X-Arbeit absolut nicht mit seinen Kreationen aus ZOMBI 2 zu vergleichen ist. Das Zombie-Make-up ist nicht im Entferntesten so detailliert und realistisch ausgearbeitet, sondern die gesamten Masken sehen klumpig und unfertig zusammengepappt aus. Dank der ständigen Naheinstellungen sieht man überdeutlich, wie sich zwischen den groben Gummizähnen die schwarz bemalten Lippen oder den montierten Nasenbeinknochen die Nasenspitze des Geschminkten – ebenfalls schwarz bepinselt – herausformen. Offensichtlich liefen einige der Statisten in ihren Masken zeitweise blind umher, denn man kann im Inneren der Augenhöhlen die zusammengekniffenen Lider deutlich sehen. Die Gesichter wurden teilweise mit lebenden Maden beschmückt und die Knochenhände gleichen vielmehr gummiartigen Handschuhen. Die restlichen Effekte bieten größtenteils das übliche Gewühle und Gemansche in Innereien, sowie einige Gedärmefreßszenen, die ebenfalls gerade mal durchschnittliches Niveau erreichen. Daß diverse Exekutionszeremonien, egal ob Mensch gegen Zombie oder Zombie gegen Mensch, ebenfalls in Naheinstellungen abgefilmt wurden und dadurch nicht immer alles deutlich erkennbar ist, läßt durchaus einen Rückschluß darauf erzielen, wie knapp die finanziellen Mittel gewesen sein müssen.

Doch leider wurde nicht nur an den Effekten etwas gespart, sondern augenscheinlich an schauspielerischem Talent, denn die zusammen gewürfelte Besetzung besteht aus Dreißig- bis Vierzigjährigen, die kaum ein Talent vorweisen können. Ihre darstellerische Leistung beschränkt sich darauf, in ihren Rollen wie dümmliche Teenager zu agieren, die außer haarsträubenden Dummheiten und sexuell orientierten Freizeitgestaltungen nicht viel im Sinn haben. Ob die verbalen Geistesblitze auf dem Niveau postpubertärer Schmalspurdenker auch in der Originalversion zustande kommen, entzieht sich meiner Kenntnis. Bisher bin ich nur in den Genuß der deutschen Synchronfassung gekommen, die einen Reichtum an spaßigen Dialogen (z.B. „Mama, das riecht hier so nach Tod.“, „Das sieht aus wie ein halbverwester Mensch.“) zu bieten hat. Passend wie die Faust aufs Auge durchzieht das Skript auch eine Menge an Ungereimtheiten: Da wäre zum Beispiel das im Garten herumliegende Fangeisen, welches sich die schlanken Fesseln von Karin Well schnappt oder der Zombie, dessen Rückenansicht sich nach einer Streichholzattacke entzündet, obwohl eigentlich seine Frontpartie mit brennbarer Farbflüssigkeit begossen wurde. Aber inwiefern das Auftauchen der Untoten mit den explodierenden Glühbirnen an den Kronleuchtern zusammenhängt, ist mir schleierhaft. Fragwürdige Poltergeistaktivitäten sollte man ganz ausschließen und sich doch lieber darauf besinnen, daß dieses ausdruckslose Phänomen ein zusammenhangsloser Einfall von Piero Rignoli sein dürfte. Merkwürdigerweise bluten die lebenden Leichen sogar, wenn man auf sie schießt, während eindringliche Schläge aufs Haupt nur Staub und Gebrösel hervorbringt.

Die Logik bleibt in dem vorliegenden Zombiestreifen demnach vollkommen auf der Strecke. Allerdings präsentiert er ein bis dato völlig unbekanntes Bild des wandelnden Würmerfraßes, welches eine Art Intelligenz und sogar planendes Geschick im Umgang mit diversen Werkzeugen verleiht. Die Zombies handeln hier nicht mehr instinktiv, sondern berechnend, obwohl sie nicht danach aussehen, und veranstalten zuweilen ein Treibjagd. Sie zerstechen die Autoreifen der Jet-Set-Clique und benutzen Baumstämme als Rammbock, um Türen aufzustoßen, und sind sogar insoweit sportlich, daß einige der verstaubten Kameraden in der Lage sind Säulen hoch zu kraxeln. Einer von ihnen wirft sogar einen dicken Eisennagel auf das Dienstmädchen, der sich daraufhin in ihre Hand bohrt und sie an einen der Fensterläden schlägt, während ein anderer eine Sense zum Einsatz bringt, so daß das arme Fräulein unfreiwillig den Kopf verliert. Der antike Kleidungsstil, welcher aus staubigen und Lehm verkrusteten Kutten und puschigem Schuhwerk besteht, zeigt eine ausgesprochen eigensinnige Kostümierung und erinnert entfernt an die spanischen Pendants eines Amando de Ossorio, der mit seinen reitenden Leichen eine ähnliche Einzigartigkeit in der Horrorfilmgeschichte erzielte.

Trotz dieser Heiterkeiten ist es nicht zu leugnen, daß die Inszenierung äußerst schwach ist und aufgrund der stark monotonen Geschichte kaum einen Hauch an Spannung aufkeimen läßt. Vielmehr erwartet der Zuschauer den nächsten Gruseleffekt – und muß auch nicht lange warten. Die Locations sind gut gewählt und sowohl die prächtig karge Villa als auch das Kloster und das verfallene Atelier gegen Ende erzeugen einen Hauch von schummeriger Atmosphäre. Klaustrophobische Gefühlsausleger bleiben jedoch aus, was zum einen an dem belustigenden Laienschauspiel liegt, aber auch daran, daß fast der ganze Film bei hellem Tageslicht spielt – von einer Nacht des Terrors erleben wir nicht allzu viel. Zudem sorgt die zeitweise sehr minimalistisch gehaltene Filmmusik nicht gerade für Pep, aber verfügt über diverse Klangkulissen, die mich zuweilen an Tangerine Dream erinnern.

Doch Andrea Bianchi hat noch ein As im Ärmel, für das LE NOTTI DEL TERRORE berühmt wurde – oder vielleicht wäre berüchtigt die bessere Formulierung dafür. Die Rede ist von der ziemlich bizarren Beziehung zwischen der doch reifen, obgleich nicht unattraktiven Mariangela Giordano und einem gewissen Peter Bark. Gerade dieser Peter Bark erstaunt in seiner Rolle als ödipaler Sohnemann Michael, der seiner Mutter weder Mann noch Freude gönnt, wenn er nicht im Mittelpunkt ihres (Sex-)Lebens steht. Das geht sogar so weit, daß er sie nicht nur bei diversen Liebesakten mit einem anderen Herrn begafft, sondern auch jede Gelegenheit nutzt, um an Mutters Brust zu kuscheln und ihr sogar unter den Rock fummelt. Obwohl der böse Junge erst was auf die Finger bekommt, drückt ihn Frau Mama fest an sich, weil sie ihn nach einem Angriff der Zombies für tot geglaubt hatte. Ein arger Fehler, der in seiner Konsequenz beweist, daß inzestuöse Liebschaften lieber tabu bleiben sollten. Und wäre die Darstellung nicht schon obskur genug, so gerät der zum Teil feminine, aber nicht gerade von jugendlicher Schönheit gezeichnete Peter Bark in den Status quo, die vielleicht rätselhafteste Erscheinung menschlicher Gattung in den Analen des italienischen Horrorkinos zu sein.

Für selbsternannte Cineasten und Liebhaber anspruchsvollen Kintopps dürfte diese Beschreibung ein Tritt unter die Gürtellinie bedeuten. In einschlägigen Kreisen wird LE NOTTI DEL TERRORE zwar nicht minder konträr aufgenommen, erhält aber viel positives Feedback. Das abstruse Zusammenspiel aus grauenhaft schlechten Darstellern, immensen Skriptausrutschern und eher schlechten als rechten Make-up-Effekten bietet schließlich ein ungemein unterhaltsames Trash-Erlebnis par excellence, vor dem man sich aber weder gewaltig gruseln noch ekeln kann.

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