Kritik zu Bianchis "Zombie 3"
Gesehen habe ich die so betitelte Niederländische Version.
Dieser Film, entstanden zum ausklingenden Höhepunkt der Italo-Zombiewelle, wird zerrissen, wo man auch hinschaut, so als trauen sich die Magazine nicht, auch mal eine eigene Meinung zu haben, denn lustig und verdammt unterhaltsam ist dieser Schmarrn schon. Da wird mehr rumgehackt, als in einem Porno - auch da ist Bianchi ja erfahren - herumgevögelt wird, ohne Mist. Die Zombies sind augenblicklich zur Stelle, gleich in der ersten Minute, sie existierend eben, so wie in "Woodoo" oder "Dawn of the Dead". Von Hinführung zur Thematik kann keine Rede sein, Bianchi hat zweifellos nur jenen Tag der Filmschule besucht, wo man den Splatterfilm verteufelt hat - und hat das genau falsch verstanden...
Dass Vater Abraham, der alte Schlumpflutscher für den ganzen Zombieauflauf verantwortlich ist, weil er in der Freizeit den Okkulti spielt, hätte vor diesem Film doch keiner vermutet. Der Zottelbart wird dann auch gleich von diversen Knochenzombies fachgerecht geschlachtet. Dass den Produzenten das Geld für richtige Effekte zu teuer war, zeigt sich hier gleich, anstelle wie andere Italostreifen genau die Aufnahme zu zeigen, wo das Fleisch aus dem armen Opfer gerissen wird, beginnt Bianchi genau in diesem Moment so mit der Kamera zu wackeln, dass der baffe Gucker erst wieder die Fleischbatzen in Gammelhänden wabbeln sieht. Aber es kommt noch VIEL geiler. Auf den Zuschauer wird nun die tolle Verwandschaft losgelassen, die nix anderes zu tun hat, als geschlossen paarweise miteinander zu verkehren, bis sie von den Moderkerlen gestört werden. Wirklich jedes Paar wird genau in just diesem ach-so-intimen Moment überrascht. Nur eine liebende Mami wird von ihrem dummen Bengel von vorneherein so in Beschlag genommen, dass sie es sich nicht mit dem Gatten rumsauenderweise gemütlich machen kann. Dieser kleine Sack, der aussieht wie sechsundzwanzig und die dämlichste Frisur der Splatterfilmgeschichte zur Schau stellt, hat zudem die unangenehme Eigenschaft, seinen Ödipus-Komplex zum Ödipussy-Komplex umgewandelt zu haben, während er an Mamis Nippel saugen mag, fummelt er ihr eklig unterm Rock herum. Mami ist entsetzt und Sohne-Geili wird den Moderleichen überlassen. Diese sind übrigens richtig lässig drauf: manche sehen wie "reitende Leichen" aus, manche wie Fulci-Kreationen, wieder andere scheinen einer Parodie auf einen Witz über die EC-Comics entsprungen zu sein - ich sag nur: Einauge! Dazu kommt, dass sie anfangs nur harmlos würgend daher kommen, um dann plötzlich als Horde mit Sicheln, Mistgabeln, Wurfwerkzeugen, etc. ziemlich entschlossen aufzukreuzen. Doch da die überlegenen Menschen ja Schusswaffen ohne Ende rumliegen haben, werden unzählige Knochenköpfe in Zeitlupe zersprengt, dass es eine wahre Freude ist. Die grausigste Szene ist für mich nicht die legendäre Gesicht-durch-Glassplitter-ziehen-Szene, auch nicht die noch legendärere Zombie-Ödipus-beißt-Mamas-Nippel-ab-Szene, sondern jene, in der die Bedienstete ein offenes Fenster entdeckt, doch als sie es schließen will - das Fenster ist im ersten Stock -, wirft ihr ein gescheihter Untoter einen Bolzen durch die Hand - festgenagelt, dann wird in aller Ruhe eine Sense in Position gebracht und dann gibts eine quälend langsame Decapitation, aber nicht genug, ein weiterer superkluger Mensch wirft die Kopflose - ihren Rumpf dann übers Fenster, weil das arg unstylisch ausschaut, aber die Hand hängt ja immer noch, weshalb der ganze Körper dann an der Wand baumelt, bis die Zombies ihn gierig herunterreißen und aufspeisen. Schmackos.
Fazit: ungewöhnlich unterhaltsamer Splatterstreifen ohne viel Sinn oder Geschick inszeniert, aber dafür mit echter Power -irgendwie. Nur am Schluss sind offensichtlich die Drehbuchseiten - wohl drei an der Zahl - plötzlich zu Ende gewesen. Tja. Zugreifen, ihr wahnsinnigen Gorehounds! Die englische Synchro, bzw. Originalton sind klasse.
Gesamteindruck: 6 von 10
Härtegrad: 8 von 10
Party on, Wayne!