Review

kurz angerissen*

Mutter Erde holt sich ihre Oberfläche zurück! Andrea Bianchi zeigt sich besessen von der Vorstellung, wie der verwesende Körper eines Leichnams wieder zu dem Humus wird, aus dem er entstand. Viel deutlicher als die Zombie-Marionettenspieler Umberto Lenzi („Großangriff der Zombies“) und Lucio Fulci („Woodoo“, „Ein Zombie hing am Glockenseil“) gestaltet er seine Zombies als wahrhaftig tote Hülsen. Vergleiche lassen sich am ehesten zur Erscheinung der „reitenden Leichen“ ziehen. Die Statisten schlurfen mit modrigen Lumpen durch die Pampa, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, sich aus dem Gras zu erheben, in das sie einst bissen. Regenwürmer und Maden tragen sie als lebende Spezialeffekte auf der lehmigen Maske (und halten sie auf Regieanweisung direkt vor die Kamera, damit es sich auch schön windet und kringelt), ihre Gesamterscheinung verschmilzt per Tarneffekt mit dem verwilderten Garten, der die Hauptkulisse ausmacht. Ihr Blut ist braun und lässt eher an Schlamm und Regenwasser denken als an Körperflüssigkeiten. Wache Augäpfel lugen nur selten hinter dem Make-Up hervor, meist sind die Zombie-Imitatoren angewiesen, mit geschlossenen Augen durch die Gegend zu wanken... oder es wurde ihnen gleich ein gähnendes Loch geschminkt.

Der zugehörige Film besteht fast ausschließlich aus strategischen Fluchtrouten durch die Gräser und Etagen der alten Villa, die zum Dreh angemietet wurde. Für dumm verkauft wird das Publikum nicht; hanebüchene Erklärungen spart man sich einfach. Dynamik ergibt sich hauptsächlich aus wechselnden Zahlenverhältnissen zwischen Jägern und Gejagten oder unvorhergesehenen Hindernissen wie einer Bärenfalle, womit die wirklich, wirklich langsame Fortbewegungsweise der Zombies mühselig kompensiert wird. In einigen Szenen ist man über die plötzlich signifikant ansteigende Intelligenz der Kreaturen aus dem Erdreich erstaunt (das Teamwork bei der Verwendung einer Sense oder eines Rammbocks hat Applaus verdient). Andererseits, was kann bei italienischen Zombies noch überraschen? Einer von ihnen hat zwei Jahre zuvor sogar mal gegen einen Hai gekämpft...

Überraschend ist eher, dass die endlose Zirkulation sich wiederholender Verfolgungen mit der Zeit sogar einen Rhythmus entwickelt, der zu einem echten Spaß ausartet. Das gilt selbst ohne Berücksichtigung des Subplots um einen leicht degeneriert wirkenden Sohn (Peter Bark) und seine ödipale Besessenheit gegenüber der Mutter, die noch ein paar Extrapunkte einfährt - ebenso wie der keck gesetzte Schlusspunkt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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