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"Die Tote aus der Themse" ist der letzte komplett mit deutscher Besetzung und Filmcrew inszenierte Wallace-Krimi aus der späten Ära der Reihe, entstanden zwischen den deutsch-italienischen Co-Produktionen "Das Gesicht im Dunkeln", "Das Geheimnis der grünen Stecknadel" und "Das Rätsel des silbernen Halbmonds" und läutete den Niedergang der bis dato erfolgreichsten deutschen Kinoserie ein. 

Drei Jahre nach "Der Mann mit dem Glasauge" - Regisseur Alfred Vohrers letzte "Wallace"-Inszenierung - und mit zwei Jahren Abstand zu "Das Gesicht im Dunkeln", versuchte Produzent Horst Wendlandt der tot geglaubten Filmreihe neues Leben einzuhauchen. Gemeinsam mit Regisseur Harald Philipp, der mit diesem Film seinen "Wallace"-Einstand gab, verfasste Wendlandt unter dem Pseudonym "H.O.Gregor" das Drehbuch.
Das Ergebnis wollte die ernste Linie des Vorgängers fortsetzen und mit seiner Handlung um eine Organisation, die mit Drogen handelt, sowohl zeitgemäß sein, gleichzeitig aber auch zurück zu den Anfängen der Reihe finden, als noch geheimnisvolle Superverbrecher wie "Der Frosch mit der Maske", "Der rote Kreis" oder "Der Zinker" London beherrschten.

Und so hat "Die Tote aus der Themse" überhaupt nichts mehr mit den früheren Werken der Reihe zu tun, als "Der Mönch mit der Peitsche" oder "Der Bucklige von Soho" die Reihen geldgieriger Erben lichteten. "Die Tote aus der Themse" ist vielmehr ein Großstadtkrimi, dessen Drogen-Thematik im Grunde ein alter Hut ist: bereits 1961 spielte "Das Geheimnis der gelben Narzissen" im Drogenmilieu und seitdem wurde dieses Handlungselement immer wieder aufgegriffen - zuletzt in "Der Mann mit dem Glasauge". 
Ansonsten steht auch hier wieder eine Mordserie im Vordergrund, doch wurden im Zuge der Modernisierung des Krimistoffes auf "Das indische Tuch" oder  "Die blaue Hand" verzichtet - der Tod kommt hier aus dem Schall gedämpften Lauf eines Automatikgewehrs. 
Trotz diverser Kopfschüsse ist das Ergebnis relativ unblutig und unspektakulär ausgefallen, auch wenn Peter Thomas´ zurückhaltender Score in diesen Momenten der Szenerie optimal angepasst ist.

Und so tummeln sich ein letztes Mal alte und neue Gesichter durch die Londoner Halbwelt: Siegfried Schürenberg wurde als Sir John wieder reaktiviert, während Hansjörg Felmy erstmals in einem reinen Edgar Wallace als Inspector Craig (ehemals von Harald Leipnitz verkörpert) für Recht und Ordnung sorgt. Zuvor hatte Felmy in diversen Bryan-Edgar Wallace-Adaptionen der konkurrierenden CCC-Studions unter Artur Brauner in "Der Henker von London" und "Das Phantom von Soho" mitgewirkt.
Harry Riebauer wurde in seinem letzten "Wallace"-Auftritt eine weitaus größere und undurchsichtigere Rolle zugeteilt, Petra Schürmann stellt ihr darstellerisches Unvermögen als Sir Johns Sekretärin unter Beweis, Günther Stoll mimt erstmals den Bösewicht, Werner Peters ist nach "Der schwarze Abt" auch nicht ganz koscher, Uschi Glas jagt mit ihren Rehaugen dem Mörder ihrer Schwester nach und Ingrid Steeger darf mehrere Minuten ihren nackten Busen in die Kamera halten.
Vadim Glowna, Ivan Desny und Friedrich Schoenfelder machen die Besetzung perfekt.

Doch alle Bemühungen waren vergebens - die Edgar Wallace-Reihe war dem Tode geweiht. Mit zwei reinrassigen Giallo-Inszenierungen gab es ein letztes Aufbäumen, ehe 1972 mit dem 38. Werk die Kinoserie endgültig zu Grabe getragen wurde.

"Die Tote aus der Themse" ist zwar ein billig runter gekurbeltes Flickwerk, dass sowohl den Charme als auch die Raffinesse der Stories früherer Werke schmerzhaft vermissen lässt, insgesamt aber durchaus unterhaltend ist, auch wenn man sich als Edgar Wallace-Fan eine würdigere Abschiedsvorstellung gewünscht hätte.

7/10

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