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Die Hobbytaucher David Sanders (Nick Nolte) und Gail Berke (Jacqueline Bisset) finden auf der Suche nach einem vor langer Zeit gesunkenen spanischen Schiff nicht nur ein verwittertes Medaillon, sondern auch eine kleine Glasampulle wesentlich jüngeren Datums. Letztere stammt aus einem erst kürzlich gesunkenen Frachter, der mehrere tausend Stück dieser Fläschchen enthält, die eine rauschgiftähnliche Substanz enthalten. Obwohl die Flachwasserküste dort vor den Bermudas als Taucherparadies gilt, spricht sich der Fund schnell herum und schon am ersten Abend sehen sich Sanders und Berke mit dem freundlichen aber unmißverständlichen "Angebot" eines haitianischen Drogenhändlers konfrontiert, der die Glasampulle gerne "kaufen" möchte. Das Leugnen des Fundes verschafft den beiden kaum Spielraum, daher wenden sie sich an den erfahrenen Schatzsucher Romer Treece (Robert Shaw), der sie über die Umstände aufklärt - und ihnen gleichzeitig wertvolle Hinweise zum  eigentlich gesuchten spanischen Schatztransport liefert. Fortan sind sie also als Trio unterwegs und müssen sich nicht nur der aufdringlichen haitianischen Gang samt Voodoo-Zauber erwehren, sondern auch einiger Unterwasser-Gefahren bei ihren Tauchgängen - auch die Geschwätzigkeit eines alkoholkranken Helfers bringt sie ein ums andere Mal in Bedrängnis. Der mit allen Wassern gewaschene Romer Treece muß seine ganze Erfahrung einbringen, um seinen Plan durchzusetzen...
 
Der Action/Abenteuerfilm Die Tiefe fängt erst einmal mit minutenlangen Unterwassersequenzen an, die mit einem dezenten Score unterlegt fast schon als Entspannungs-Sendung durchgehen könnten: Das Taucherpärchen schwimmt um ein auf der Seite liegendes Wrack und sucht im hellen Sand nach Spuren und Fundstücken, während bunte Fische ganz zwanglos die Szenerie durchschwimmen. Dramatisch wird es erst, als Gails Arm beim Stöbern mit einem Stock unter das Wrack gezogen wird - Sanders kann ihr gerade noch helfen: Der Stock ist abgebissen - welches "Monster" hat wohl solch eine Kraft? Aber der Vorfall wird - typisch für Filme aus jener Zeit - nicht weiter beleuchtet oder besprochen, sondern man geht dann zum Essen über. Hier nun wird die nebenbei gefundene Glasampulle wichtig, für die sich die beiden eigentlich gar nicht wirklich interessieren. Erst als sie später von einem Lastwagen fast überfahren werden, diesem gerade noch entkommen können und ein nachfolgendes Taxi sie kidnapt, müssen sich David und Gail näher mit dem modernen Fundstück befassen: Der vorgebliche Sammler Henri Cloche (Louis Gossett Jr.) läßt die beiden durchsuchen, wobei Gail vor ihm ihr Oberteil ablegen muß. Aber auch dies stecken die beiden locker weg, denn der aufgesuchte Griesgram Romer Treece bringt endlich Licht in die Sache: Die morphinhaltigen Glasmapullen waren Bestandteil der Ladung des Frachters, an dem das Pärchen nach spanischem Schmuck gesucht hatte.

Während die Französin Bisset eher einen ruhigen, manchmal nachdenklichen Part spielt, ist Nolte eher der Draufgänger-Typ, der sich nicht so leicht abspeisen lassen und den Dingen auf den Grund gehen will. Am besten gefallen hat mir jedoch Robert Shaw als zunächst mürrischer Einzelgänger, der dann immer mehr das Geschehen an sich reißt - genauso starrköpfig und beharrlich kannte man ihn aus dem 2 Jahre früher abgedrehten 1975er Kassenschlager Der weiße Hai, und seine Rolle als unnachgiebiger Einzelkämpfer spielt er auch hier nahezu perfekt - dazu gehört übrigens auch, daß er in Straßenkleidung (Hemd, Unterhemd, Hose) tauchen geht, was seiner Entschlossenheit jedoch keinen Abbruch tut...

Zu den bemerkenswerten Szenen von Die Tiefe gehören neben den vielen unter Wasser tanzenden Glasampullen (einem völlig normalen physikalischen Phänomen, an dem man sich allerdings kaum sattsehen kann) auch die vielfältige Flora und Fauna, die den stimmigen Eindruck des Tauchens am und im Wrack (die Dreharbeiten fanden zum Großteil im Meer statt) unterstreichen. Ein ohne große Ankündigung zelebriertes Voodoo-Ritual an der überfallenen Gail oder der fast stumme Kampf zwischen dem kräftigsten haitianischen Gangster und dem ebenfalls kampferprobten Hausmeister von Treece bilden neben den mehrmaligen Tauchgängen einen willkommenen Kontrast - selbst das "Monster" im Schiffswrack wird zwischenzeitlich eingeführt. Auch wenn das Ende dann eher unspektakulär in einem Unterwasserkampf gipfelt und die Schatzsucher dann doch noch eine Spur des spanischen Schiffes finden, bietet Die Tiefe ein stringent durcherzähltes Tauchabenteuer mit kantigen Charakterdarstellern, das einen nach über 40 Jahren immer noch in seinen Bann zu ziehen weiss - 8 Punkte.

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