Die Untiefen klassischer Abenteuergeschichten
Peter Yates hat sich mit „The Deep" eine selbst für das Jahr 1977 sehr klassisch ausgerichtete Abenteuererzählung als Grundlage für seine Schatzsuche ausgesucht, die sämtliche Zutaten für das Sujet mitbringt. Allerdings verfranst sich der Regisseur zu sehr in den Handlungssträngen und versucht mehr in den Film hineinzulegen, als es nötig und gut gewesen wäre.
Die unterschiedlichen Plots werden eigentlich schlüssig zusammengeführt, wenn die Schatzsucher David (Nick Nolte) und Gail (Jaqueline Bisset) auf Gedeih und Verderb versuchen, an sagenumwobenes Gold in einem Wrack zu gelangen, dabei aber Opiumampullen aus dem zweiten Weltkrieg für den Schurken Henri Cloche (Louis Gosset Jr.) bergen müssen, was wiederum den raubeinigen Haudegen Romer Treece (Robert Shaw) dazu bringt, lieber das Ganze zu sprengen, bevor das Opium als Heroin auf den Markt kommt. Drei Parteien, drei Interessen und diese werden passend am Ende zusammengeführt.
Leider mäandern Yates und sein Drehbuch dabei zu sehr herum und so verliert der solide Handlungskern doch zu sehr an Fahrt, was angesichts der Umsetzung einfach zu schade ist. Denn letztlich können weder Bisset, noch Nolte, noch Gosset Jr. hier ihren Charakteren so viel mitgeben, dass die mitunter ausufernden Dialogszenen genug Dramaturgie liefern, um über die gesamte Laufzeit zu unterhalten.
Einzig Robert Shaw, der wohl auch noch von seiner Rolle als Quint aus „Der weiße Hai" von 1975 profitiert, kann hier aufspielen und bereichert jede Szene, in der er vorkommt. Außerdem taucht er immer in voller Klamotte, was entweder auf altersbedingtes Bodyshaming hinweist oder den rustikalen Kern der Figur unterstreichen soll. Merkwürdig bleibt es aber auf jeden Fall.
Zudem wirft die Beziehung zwischen ihm und seinem muskulösen Kampfgefährten die interessante Frage auf, welcher Natur sie denn ist, wenn eben jener Kampfgefährte auf unschöne Art und Weise das Zeitliche segnen muss. Der homoerotische Anstrich bricht dabei mit dem Bild des wettergegärbten, übermaskulinen Seebärs und erweitert die Figur um eine Facette, die schlicht vollkommen unerwartet ist.
Die Bermudas bieten eine wunderbare Kulisse und hier muss man Yates vorwerfen, dass er da wesentlich mehr hätte rausholen können. Letztlich spielt der Film an zu wenigen und dann auch geschlossenen Räumen, die wenig Panorama von der exotischen Landschaft vermitteln. Insofern wurde hier Potential verschenkt.
Das mag daran liegen, dass man sich auf die herausfordernden Unterwasseraufnahmen konzentrierte, die dann auch technisch wunderbar eingefangen sind. Man ließ sich nicht lumpen und drehte tatsächlich in der Karibik mit großem Aufwand, wodurch dem Film in seinen Schlüsselszenen doch eine gewisse Klasse zukommt, die er an Land dann eben nicht halten kann.
Hätte Yates das Drehbuch gegenüber der Romanvorlage (Überraschung: Beides Peter Benchley!) vereinfacht und sich 20 Minuten Laufzeit gespart, dann hätte auch die lauernde Riesenmuräne mehr Wirkung erzielt. Gerade im dramatischen Finale merkt man den Film an, dass er aus seinen Motiven zu wenig macht. Und die Einbindung der Figur von Eli Wallach gelingt auch nicht so recht.
Fazit
Für einen Sonntagnachmittag bietet „Die Tiefe" recht angenehme und seichte Unterhaltung, die auf dramatische Höhepunkte vielleicht etwas zu sehr verzichtet, bzw. diese in einer zu ausufernden und unpointierten Machart beinahe untergehen lässt. Mit den Produktionswerten, Schauspielern und dieser literarischen Vorlage hätte man auch 1977 schon ein packenden Abenteuerfilm drehen können. Yates ist dies durch einen Mangel an Konzentration auf das Wesentliche hier nicht so recht gelungen und der Film verläuft sich zu sehr in seinen Subplots. Schade.
Das Jugendhörspiel "Schatzsuche in der Karibik" aus den späten Siebzigern hat das irgendwie besser hinbekommen...