Comichelden mit Höllenerfahrung sind immer wieder gern gesehen und so geht nach „Spawn“ und „Hellboy“ mit „Constantine“ die nächste Verfilmung dieser Art an den Start.
John Constantine (Keanu Reeves) ist eine Art Exorzist, der Dämonen in die Hölle zurückschickt, wenn sie von Menschen Besitz ergreifen. Seinen Job erledigt er aber lässiger als die Pater in den 70ern, aber die offensichtlichen Anleihen bei „Der Exorzist“ kann die Eröffnungsszene nicht leugnen. Zwar wird dessen Atmosphäre nicht erreicht, aber der im Auftakt gezeigte Exorzismus ist eine stimmige Einführung des ziemlich coolen Helden.
Constantine hat sein besonderes Talent im Umgang mit Dämonen erhalten, da er einmal kurze Zeit tot und währenddessen in der Hölle war. Nun schickt er die Dämonen im Auftrag des Himmels zurück, um das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle zu halten. Denn Constantine hofft sich dadurch den Eintritt ins Himmelreich erkaufen zu können. Noch eine Seite des Helden, die ziemlich interessant ist und ihn von den üblichen Capeträgern unterscheidet. Constantine ist vielmehr ein Crossover aus dem Exorzisten und einem Film Noir Detektiv.
Bei seinen neuesten Ermittlungen stößt Constantine auf die Polizistin Angela Dobson (Rachel Weisz), deren Schwester Selbstmord begangen hat. Auch sie scheint übersinnliche Fähigkeiten zu haben und von Dämonen verfolgt zu werden. Constantine beginnt zu glauben, dass die Dämonen dieses Mal einen bestimmten Plan haben…
„Constantine“ kann mit einer originellen Idee und einem sehr ungewöhnlichen Helden punkten, denn Constantine ist kein freundlicher Helfer. Er ist ein kettenrauchender Zyniker mit Lungenkrebs im Endstadium, dem jede Freundlichkeit fehlt. Solche Protagonisten sind immer eine Erfrischung, da sie sich von den handelsüblichen Saubermännern abheben, weshalb der Anfang von „Constantine“, der Held und Hintergrund etabliert, sicherlich der gelungenste Part des Films ist. Zudem hat Constantine einige coole Sprüche zu bieten, auch wenn diese an die Oneliner ähnlicher Helden wie Blade oder Ron Perlmans miesepetrigem Hellboy nicht heranreichen.
Danach sackt „Constantine“ jedoch, denn es dauert viel zu lange, bis sich eine echte Storyline herauskristallisiert. Zudem wird die Geschichte auch etwas sehr gemächlich erzählt, obwohl der Plot sich dann schlussendlich als recht simpel gestrickte Gut-gegen-Böse-Story entpuppt. Überraschungen gibt es nur wenige und einige Wendungen (z.B. im Finale) erwartet man zwar nicht, aber wirklich vom Hocker gerissen ist man auch nicht. Angesichts der Lauflänge hätte man auch einige Wortgeplänkel über die Hölle weglassen können und stattdessen auf einige Charaktere besser eingehen können, denn bis auf Constantine selbst bleibt die Riege etwas blass.
Auch der Showdown kommt etwas enttäuschend daher. Dabei gewinnt „Constantine“ in der Endphase und kann mit einer der coolsten Bastelwaffen der Filmgeschichte punkten, die dann auch im Folgenden immer öfter zum Einsatz kommt. Doch nach einer „Blade“-mäßigen Fightszene im Krankenhaus lässt der Showdown nach, denn es wird wenig gekeilt und stattdessen zuviel geredet und gebetet. Das ist einfach ein unwürdiges Finale, auch wenn der Film dann zum Schluss dann noch ein paar nette Pointen auffahren kann.
Was den Film trotz des etwas enttäuschenden Plots dennoch über den Durchschnitt hebt, das ist die Atmosphäre. Immer schön düster und selbst das Sonnenlicht wirkt eher bedrückend als erhellend. Das harmoniert dann auch mit dem düsteren Szenario und dem zynischen Helden. Auch die Effekte tragen zur Stimmung bei, denn Dämonen, die Hölle, Engel und ähnliche ungewöhnliche Dinge werden fantasievoll und stimmig auf die Leinwand gebracht. Glücklicherweise werden die Effekte spärlich eingesetzt und selbst in den Höllenszenen wird man nicht davon erschlagen.
Keanu Reeves verkörpert den unterkühlten Helden sehr stimmig und erweist sich als gute Besetzung der Titelrolle (auch wenn der Comic „Hellblazer“ hieß). Rachel Weisz wirkt hingegen etwas blass, aber dafür kann der Film in den Nebenrollen punkten: Djimon Hounsou, Tilda Swinton und Peter Stormare sind echte Highlights. Auch der Rest der Nebendarsteller ist ziemlich gut, auch Gavin Rossdale (obwohl Musiker in Filmen ja oft Fehlbesetzungen sind).
Atmosphäre, Effekte und Held überzeugen in „Constantine“, das Drehbuch leider weniger. Mit temporeicherer Erzählung und mehr Action wäre sicherlich mehr drin gewesen, denn so ist der Film leider nur ganz nett.