Review

Das zweite mal dieses Jahr im Kino und zum zweiten Mal eine Comicverfilmung. Mir als Comicfan gefällt das natürlich sehr. Zwar wird inzwischen über die stattliche Anzahl immer mehr gemeckert (was ich nicht nachvollziehen kann, denn solange ein guter Film dabei herauskommt, ist mir die Herkunft eigentlich egal und über Romanverfilmungen gibt es ja auch nicht dauernd beschwerden), aber bei „Constantine“ gab es kaum bedenken. Was sicherlich daran lag, das es die Leute erst über die Artikel zum Film erfahren haben. Denn die Vorlage „Hellblazer“ (welche eigentlich „Hellraiser“ heißen sollte, nur war Clive Barker schneller) ist in Deutschland so gut wie kaum bekannt und selbst in Amerika ist es nicht gerade eine extrem bekannte Reihe. Das hat sicherlich damit zutun, dass „Hellblazer“ ausschließlich ein Erwachsenes Comic ist und deshalb beim „DC“ Unterlabel „Vertigo“ erscheint, die schon z.B. die Geniale Serie „Preacher“ veröffentlicht haben.

Ein Vorteil einer Verfilmung eines nicht so weit verbreiteten Comic, ist für die Filmemacher das sie mehr Veränderungen vornehmen können. Zwar wird die Hauptfangemeinde dabei etwas vor dem Kopf gestoßen, aber die Klientel macht dann sowieso den geringsten Umsatz aus. Und beim vorliegenden Film wurde doch einiges geändert. Der Schauplatz wurde von England nach Amerika verlegt, John Constantine wurde ebenfalls Amerikaner(ein Glück, denn Keanu Reeves kann man sich nun wirklich nicht als Engländer vorstellen), aus blonden Haaren wurden schwarze, dementsprechend veränderte sich auch die Farbe seines bekannten Trenchcoates, seine Vergangenheit wurde verändert(seine Mutter starb bei der Geburt, wofür ihn sein Vater die Schuld gab etc.) und er wird im Film mit einer großkalibrigen Waffe ausgestattet. Dennoch muss ich gestehen dass mir die vielen Veränderungen diesmal nicht so sehr gestört haben. Überraschend gut schlägt sich Keanu Reeves in der Hauptrolle und erweckt Constantine, zwar nicht ganz so zynisch und schlagfertig wie in der Vorlage, zu beachtlichem Leben. Auch wenn er sicherlich nicht die Idealbesetzung ist, besser als Nicolas Cage (wie anfangs geplant) passt er definitiv. Als Nonstop rauchender Anti-Held muss er sich, neben dem Lungenkrebs, mit Dämonen und Engel rumschlagen. Dabei wird der Zuschauer relativ unvorbereitet in diese Welt geworfen und erst durch das Auftauchen von Rachel Weisz(„The Mummy“, die etwas blass bleibt) werden einige, aber bei weitem nicht alle Fragen beantwortet. Vieles muss sich das Publikum selbst denken und akzeptieren. Was aber vermutlich nicht allen gefallen wird.

Dabei hätte die Story etwas mutiger, spannender und ausgefeilter sein können. Mal wieder einen Dämon serviert zu bekommen (bzw. Satans Sohn) der versucht der Hölle zu entfliehen, ist nicht wirklich neu. Auch wenn viele nach dem Trailer ein anderes Bild vom Film hatten, sind das Tempo und die Atmosphäre sehr nah an der Vorlage. Action gibt es auch im Comic wenig und auch im Film sind spektakuläre Auseinandersetzungen eher selten. Doch es passt und(das ich das mal sagen würde!) ich empfand es mal als sehr angenehm, das der Film nicht auf Teufel komm raus Actionszenen präsentieren will. Nichts desto trotz gibt es viele Momente wie die Spiegelaustreibung, der erste Angriff eines Dämons, die Attacke auf der nächtlichen Straße oder das ableben der Kühe, die Stimmung machen und atmosphärisch Inszeniert sind. Highlights sind aber das Wechseln in die Hölle, die sehr stimmig und apokalyptisch umgesetzt ist, und die Ballerei kurz vor dem eigentlichen Finale. Dabei ist das Niveau der Effekte sehr anständig, auch wenn man die CGI Herkunft erkennen kann. Und lassen sollte man die müden vergleiche mit Matrix. Zeitlupen Effekte gab es auch vor diesem Film schon.

Augenmerk liegt beim ganzen ist natürlich auf John Constantine, so das einige Figuren doch etwas vernachlässigt werden. Zumindest von Balthazar (Sänger Gavin Rossdale) und Midnite (Djimon Hounsou „Amistad“, „Deep Rising“) hätte ich gerne mehr erfahren. Aber vielleicht gibt es in einer evtl. Fortsetzung die Möglichkeit bei der einen oder anderen Figur mehr zu bieten. Deshalb fallen auch die Schauspieler weder besonders auf, noch bieten sie schlechte Leistungen. Nur Peter Stormare bietet bei seinem kurzen Auftritt als Satan eine klasse Leistung.

Für Frances Lawrence ist es jedenfalls ein ordentliches Regiedebüt. Der vom Videoclip stammende Mann hat zu keiner Zeit die Kontrolle über den Film verloren, bietet eine stimmige Atmosphäre und weiß wie man Effekte und Schauspieler im Einklang bringt. Man darf gespannt sein was da noch so kommt. Trotzdem wäre der Film bestimmt Visuell ein noch größeres Schmankerl gewesen, wenn der eigentlich vorgesehene Tarsem Singh („The Cell“) die Regie übernommen hätte. Leider stieg er ja aus weil er nicht Nicolas Cage in der Rolle des Constantine haben wollte. Ironischerweise blieb, zum Glück, auch Cage nicht.

Fazit:
„Constantine“ kann man trotz massiver Änderungen als sehr gelungene Comicverfilmung sehen. Der Film trifft vermutlich nicht den Geschmack der breiten Masse und hätte etwas mehr Spannung und Schockeffekte vertragen können. Dafür wird einem, eine düstere Welt präsentiert in dem die Menschen nur Spielbälle sind. Wer sich mit diesem mystischen Gerüst anfreunden kann und keine Daueraction erwartet, wird gut bedient.

8/10

P.S. Sitzen bleiben.

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