Wenn man bedenkt, welche Fortschritte das Genre Comicverfilmung in letzter Zeit gemacht hat, ist „Constantine“ zwar „state of the art“, aber dennoch nie so sättigend, wie man das erwarten könnte.
Selbst die sonst so gestrenge FAZ gestand in ihrem Artikel neben einer endlosen Zurschaustellung der darstellerischen Mängel Keanu Reeves, daß man sich halbwegs brauchbar in dem Film unterhalten kann, wenn man die Anspruchslatte nicht zu hoch legt.
Dem stimme ich mühsam zu, gehe aber keinen Zentimeter weiter.
Tatsächlich ist es schwer, die Mängel in diesem speziellen Genrefilm (denn für gängige Superheldencomics ist „Hellblazer“ eigentlich zu düster) wirklich definitiv auszumachen, man kann sie mehr umschreiben, als das sie wirklich offensichtlich sind.
Nennen wir sie trotzdem beim Namen:
Zunächst mal ist Francis Lawrence keine Offenbarung auf dem Gebiet der Regie. Es ist nicht richtig schlecht, was er da zusammenbraut, aber von ein Musikvideo-Regisseur ist man schon lange Besseres gewöhnt. Immerhin versucht er, das Visuelle nicht zu dick aufzutragen, aber in diese zarten Pflanzungen schlagen die anderen Mängel um so heftiger.
Als da wäre: ein noch unispirierteres Drehbuch! Klar, es mußte für einen Film schon eine größere Dimension haben, Verrat am Himmel, der Teufel persönlich muß erscheinen und ein Märtyrertod des einstigen Selbstmörders gehören da schon zum Minimum.
Aber wie wird das präsentiert? Narrativ unterwickelt wird der Zuschauer in das Geschehen gestoßen, in dem ein wortkarger Kettenraucher der Held sein soll und das Pendant zum Zuschauer (nämlich ein Uneingeweihter) erst nach gut einem Viertel so richtig zum Zuge kommt. Selten wäre ein Off-Kommentar a la Chandler nötiger gewesen als hier, denn purer Aktionismus bringt nichts, wenn die visuellen Offenbarungen komplett und sichtlich im Computer arrangiert werden.
Der Detektivplot bleibt unterentwickelt, das persönliche Leiden wirkt forciert und dick aufgetragen, die weibliche Hauptrolle uninspiriert. Es gibt ein paar Schocks und brauchbare Effektsequenzen, aber manche höllischen Kuriositäten (wie das Sich-in-Wasser-Stellen für den Wechsel in die Höllendimension) werden weder er- noch mit einem Spritzer Ironie verklärt, um sie verdaulich zu machen. Und am Ende bricht wie aus heiterer Hölle der pure Camp aus, wenn Erzengel Gabriel und Luzifer persönlich dermaßen übertrieben vom Leder ziehen, daß der Film tatsächlich doch noch Spaß macht.
Wie schon erkennbar, kann Reeves den Film nicht allein tragen, wirkt ständig wie ein biederer Anwärter auf „Reservoir Dogs 2“ und kann tatsächlich nicht mal glaubwürdig einen starken Raucher mimen. Rachel Weisz bleibt blass, die Kompagnons braucht das Skript nur als Kanonenfutter.
Wären da nicht Tilda Swinton und Peter Storemare, die offenbar einen Persilschein für alles hatten, der Film wäre an seinem Ernst erstickt.
Und das simple Himmel/Hölle-Schema wirkt da auch wenig inspirativ, vor allem, wenn aus dem düsteren Thema atmosphärisch nichts gemacht wird. „Constantine“ hätte kriminalistisch und gruselig werden können, aber er bleibt stets Comic. Das heißt nicht, daß er die Transposition in ein anderes Medium perfekt überstanden hätte, sondern nur, daß hier niemand aufgefallen ist, daß ein neues Medium auch neue Umstände verlangt. (5/10)