In der Verfilmungswelle der amerikanischen Non-Mainstream-Comics musste irgendwann auch „Hellblazer“ kommen. Er tut es unter dem passablen Namen „Constantine“ und ist aus meiner Sicht ein geglücktes Stück Unterhaltung.
Titelheld ist John Constantine, der zwar noch im Diesseits lebt, aber nach einem missglückten Selbstmordversuch damit rechnen muss, nach seinem Ableben in der Hölle zu schmoren. Um beim lieben Gott bessere Karten zu haben, bringt er auf Erden möglichst viele Dämonen um. Er ist mit jedem möglichen Hokuspokus ausgestattet, um sein Werk so gründlich wie möglich zu erfüllen. Seinen Dienst nimmt eine Polizistin (Rachel Weisz) in Anspruch, um zu belegen, dass sich ihre Schwester nicht selbst umgebracht hat. Aber schon bald geht es um eine deutlich größere Nummer. Satans Sohn Mammon will auf die Erde kommen und seine Herrschaft errichten. Dabei hat er sogar göttliche Unterstützung.
Keanu Reeves gibt einen ordentlichen Constantine ab. Man hätte natürlich einen nihilistischeren Charakter aufbauen können. Aber dann wäre die Regiearbeit zu sehr entlastet gewesen, durch Licht, Farben und Kamera eine schlechte, düstere Grundstimmung zu erarbeiten. In der bestehenden Kombination macht Reeves, was noch glaubwürdig rüberkommt, und lässt sich von Francis Lawrence regieseitig unterstützen. Für mich eine gute Mischung.
Schwach dagegen ist Frau Weisz. Da hätte man vielleicht ein bisschen besser casten können.
Der Film besticht durch nette Einfälle (mir gefällt der sich tot saufende Pastor, aus dessen Flaschen scheinbar nicht rauskommt, sehr gut) und einen phantastischen Satan. Nach der Darstellung von Robert de Niro war es sicher schwierig, eine Besetzung für Lucifer zu finden, die nicht an dieser Glanzleistung gemessen werden muss. Da aber der Teufel hier völlig anders rüberkommt, gibt es keine Konkurrenz und man kann sich an einem Satan erfreuen, der so gar nicht in irgendein Klischee passen möchte.
Was dem Film gut bekommt ist der nicht übertriebene Einsatz von den Wunderwaffen. Bei dem ersten Ansehen des Gewehr-Kruzifixes war die Befürchtung da, es würde eine blödsinnige Fightorgie a la Blade Trinity geben. Aber hier hat der Film recht ordentlich die Kurve gekriegt.
Der Showdown des Filmes ist auch sehr nett. Die Idee, sich umzubringen, damit man von Satan persönlich abgeholt wird, muss man erst einmal haben. Es stellt sich bei dem geneigten Zuschauer zwar kurz danach blankes Entsetzen ein, als die Himmelsnummer kommt (gut, wie schmalzig – da reißt auch der Stinkefinger nichts raus). Aber Satan wäre nicht Satan, wenn er sich die Butter so leicht vom gut geschwefelten Brot nehmen lassen würde. Da wird man halt mal schnell zum Wunderheiler – für mich eine grandiose Szene.
„Constantine“ ist kein Meisterwerk, aber sehr solide gemachte, kurzweilige Unterhaltung. Für Mainstream fasst schon eine Überraschung, die vielleicht sogar mehr als 8 von 10 Punkten verdient hätte.