Constantine
Selten zuvor war Keanu Reeves passender besetzt als wie bei dieser abendfüllenden, auf einen hierzulande eher unbekannten Comic (Hellblazer) basierenden, Variante vom Exorzisten! Abgewrackt und nonstop qualmend begibt er sich auf eine unglaubliche Odyssee zwischen Himmel und Hölle.
Das er sich so ins Zeug legt Dämonen und andere dunkle Wesen wieder direkt in die Hölle zu schicken hat auch nur einen Grund: Er will in den Himmel. Doch eine weit zurück liegende Sünde (für welche man immer direkt in die Hölle kommt) liegt Gott, wie die schwere Verriegelung eines Tores, im Magen. Dabei könnte er es viel einfacher gestalten, täte er nur GLAUBEN. Doch genau dies ist John Constantines Problem. Er glaubt nicht, er weiß das es Himmel und Hölle gibt und grad die Erfahrungen unter der Erde missfallen ihn sehr. Also ist er als Okkultist im Kampf Gut gegen Böse unterwegs. Seine Gabe hilft ihm dabei, als Menschen getarnte Dämonen und Engel zu erkennen. Eigentlich purer Zynismus war gerade diese Fähigkeit der Grund für seinen Freitod in jungen Jahren. Doch eine zweite Chance soll Abhilfe schaffen. Gleichgültig was Gefühle und Gesundheit angeht (hat Krebs im Endstadium) macht er also das was er am besten kann: Dämonen jagen.
Doch neuerdings kommt es zu eigentlich unmöglichen Zwischenfällen und John ahnt dass diesmal etwas Größeres bevorsteht. Wieder sind die Weichen auf eine erneute Chance zur Sühne gestellt, auch wenn er noch nicht weiß dass die Arroganz von Gott wie auch vom Höllenfürsten selber entscheidende Rollen für seine Zukunft spielen.
Constantine" ist der erste Langfilm von Francis Lawrence. Der Regisseur war im Vorfeld höchstens für seine Musikvideos von Britney Spears und Jennifer Lopez bekannt. In seinem Debütfilm bemerkt man dann auch hauptsächlich sein handwerkliches Geschick im Bereich Kamera und inszenierter Action, die Figuren bleiben eher blass. Lediglich die Hauptfigur bekommt einen gewissen Raum, wobei der auch zwingend erforderlich ist, um diese verständlich zu zeichnen. John ist ein Misanthrop, also eher wortkarg und auf jeden Fall einsam. So versucht er sein zweites Leben zu meistern. Das er trotzdem Schwächen hat, macht ihn umso menschlicher, wobei dies der Figur, welche alles andere als ein SUPERHELD ist, gut tut.
Mit seinem Erstling wollte Lawrence die Kinosäle in eine "visuelle Horrorfalle" verwandeln. Als Horror im herkömmlichen Sinne tät ich nun Constantine nicht verstehen, dafür wird das Actiongenre zuviel bedient. Doch soll es den einen oder anderen Schockmoment geben. Die actionreiche Jagd wiederum ist sehr originell und fantasiereich in Szene gesetzt worden und kann durch exquisite Special F/X punkten.
Neuland haben die Autoren auch nicht betreten, doch wird die Geschichte packend und mit sehr viel Ironie erzählt. Die anderen Darsteller wie z.B. Rachel Weisz, Djimon Hounsou und Shia LaBeouf sind alle solide, wobei natürlich die Charaktere ein gewisses Overacting erfordern und diese Rollen natürlich eher in Erinnerung bleiben. Besonders hervorheben möchte ich da auch den smarten Ex-Bush Frontmann Gavin Rossdale, der hier ebenfalls sein Hollywood-Debüt gab und als Lakai von Mephistos Sohn fast diabolisch agiert.
Der kämpferische und zynische Charakter Constantines erinnert dabei mehr als einmal an Reeve's Rolle in der "Matrix"-Trilogie, in der er die Menschheit, statt vor Dämonen, aus der Versklavung der Maschinen befreite. Nun bleibt es jedem Zuschauer selbst überlassen ob es sich bei dieser Produktion eher um einen müden Abklatsch handelt, einer ähnlich gelagerten Thematik handelt.
Ich für meinen Teil übersehe diese Eventualität und vergebe sympathische 8 von 10 Punkten.