Review
von Alex Kiensch
Die Verfilmung eines erfolgreichen DC-Comics ist ein düsterer Fantasy-Thriller geworden, voller Action, überzeugender Spezialeffekte und einem Helden, der gleichzeitig wunderbar charismatisch und gebrochen ist.
Keanu Reeves spielt den Exorzisten John Constantine, der seit einem missglückten Selbstmordversuch in direktem Kontakt mit den übersinnlichen Kreaturen aus Himmel und Hölle steht. Als entgegen einer Balance-Vereinbarung zwischen Gott und Teufel plötzlich Dämonen auf die Ebene unserer Wirklichkeit eindringen, erkennt Constantine, dass etwas Großes bevorsteht. Mit der Polizistin Angela versucht er, die Apokalypse zu verhindern.
Und dieser Kampf ist wahrhaft effektvoll in Szene gesetzt. Kreischende Dämonen, Flammenmeere und beängstigende Visionen wurden hier mit modernster Computertechnik aus dem Comic auf die große Leinwand transportiert. Das lässt keinen Platz für Dinge wie subtilen Grusel und jedes Mal, wenn die Figuren versuchen, tiefere menschliche Probleme aufzuzeigen, kommt der Film schnell aus dem Tritt. Über diese Schwächen trösten aber die überzeugenden Spezialeffekte hinweg, die eine ganze Reihe visuell überwältigender Bilder kreieren und den Film zu einer Art Geisterbahnfahrt werden lassen: Alles ist immer einen Tick zu laut, zu schrill und zu offensichtlich, aber genau daraus ergibt sich der Spaß. Nun, daraus und aus dem sarkastischen Witz, mit dem vor allem Constantine nicht hinterm Berg hält. Dank seiner trockenen Sprüche nimmt sich der Film nie zu ernst, sondern unterhält in den Atempausen mit Humor und Ironie.
Auch die starke Besetzung verhilft "Constantine" zu einem Hauch von Klasse. Reeves gibt den abgewrackten Exorzisten, der sich mit seinem Kampf gegen Dämonen in den Himmel kaufen will, cool und unnahbar, was manchmal ein wenig aufgesetzt wirkt, aber als sympathische Heldenfigur mit Schwächen durchaus spannend ist. Unterstützt wird er von skurrilen bis bizarren Auftritten in den Nebenrollen, etwa von Tilda Swinton als Erzengel Gabriel oder Peter Stormare als Teufel höchstpersönlich. Und in einer kleinen Rolle kann man Shia LaBeouf sehen, bevor er durch "Transformers" zum Star wurde.
Die Mischung aus stark aufspielenden Darstellern, donnernden Effektgewittern und rasantem Tempo trägt den Film dann auch über seine Unebenheiten hinweg. So ist etwa die Hölle als apokalyptisches Flammenmeer nicht sonderlich originell, dafür aber dank der Effekte bildgewaltig in Szene gesetzt. Und die Ideen, auf welchem Wege man Einblick in diese Hölle erhaschen kann, wirken ein wenig fragwürdig bis lächerlich. Wer allerdings über kleinere Logiklücken und Schnitzer hinweg sieht, den erwartet eine grelle Fahrt durch höllische Schlachtfelder, mit hohem Tempo und viel Spannung inszeniert, von tollen Stars mit Leben erfüllt und mit haufenweise Spezialeffekten ganz im Stil moderner Hollywood-Action-Kracher gefüllt. Also genau das, was man von einer filmischen Geisterbahnfahrt mit leichtem Trash-Verdacht erwartet.