Skandale hatte die amerikanische Filmwelt viele, doch nicht einer war annähernd so groß wie jener, der um eine kleine Porno-Produktion gemacht wurde, die dadurch die Filmwelt für immer verändern sollte: "Deep Throat". Dem Film um eine Frau, die ihre Klitoris im Hals hat und nur auf diesem Wege befriedigt werden kann. Hollywood-Produzent Brian Grazer machte sich nun, über 30 Jahre nach dem Erscheinen des Films, daran, die Hintergründe zu durchleuchten, wie aus einem Pornofilm einer der erfolgreichsten Filme aller Zeiten werden konnte (25 000 $ Kosten - 600 Millionen $ Einspielergebnis) und warum davon trotzdem keiner wirklich profitieren konnte. Und, vor allem, warum Amerika, sowohl damals als auch heute, Sex im Film wesentlich schlimmer findet, als Mord und Totschlag.
"Inside Deep Throat" ist eine Doku, die im typischen Michael Moore-Stil gedreht wurde. Sprich sie ist auf eine höchst unterhaltsame Art und Weise inszeniert worden, ohne dabei den dokumentarischen Wert aus dem Auge zu verlieren. Zuerst befasst sich der Film mit dem Werdegang und der Inszenierung von "Deep Throat". Der Zuschauer lernt den Regisseur Gerard Damiano kennen, einen kleinen, harmlosen, alt gewordenen Mann, er lernt den Hauptdarsteller Harry Reems kennen, für den "Deep Throat" noch Schlimmes bereithalten soll und Hauptdarstellerin Linda Lovelace. In einem Mix aus unverblümten Interviews und einigen Filmausschnitten wird gezeigt, wie harmlos dämlich "Deep Throat" doch in Wirklichkeit ist, vor allem aus heutiger Sicht. Aber auch das die Geldgeber niemand anderes als die Mafia war. Ohne dabei auch nur ein Blatt vor den Mund zu nehmen, erzählen die Befragten dabei ihre Sicht der Dinge und das nicht gerade auf eine zimperliche Art. Doch geschnitten oder zensiert wurde dabei merklich nichts, selbst die wohl berüchtigste Szene aus "Deep Throat", die Szene in der Hauptdarstellerin Linda Lovelace den Penis ihres Partners bis zum Anschlag in ihrem Hals versenkt, wird hier ganz offenkundig dem Zuschauer vor Augen geführt. Wann hat es so etwas schon mal in einer Kinodoku gegeben?
Dabei bleibt der Film, wie schon erwähnt, erst einmal höchst unterhaltsam. Die Erlebnisse der Protagonisten und die der Crew während des Drehs und so manch andere Anekdote sind wirklich mehr als witzig ausgefallen und laden den Zuschauer zum (100% gewollten) Schmunzeln ein. Allen voran der Interview-Schnipsel, in dem eine Frau (ich glaube es war eine Pornodarstellerin) ganz offenkundig erzählt, wie schön es doch ist, wenn sie sich mit männlichem Sperma einreibt und wie gut es ihrer Haut tun würde. Während die weiblichen Zuschauer hier wohl nur die Köpfe schütteln dürften, lacht sich der Mann spätestens hier garantiert eins ins Fäustchen.
Aber "Inside Deep Throat" beleuchtet nicht nur die amüsanten Seiten des Films und seinem Werdegang. Vielmehr geht der Streifen auch auf den Skandal ein, den er ungewollt produziert hat. Denn "Deep Throat" wollten damals wirklich alle sehen. Riesige Schlangen vor den Lichtspielhäusern brachten dem Streifen Gewinne in Millionenhöhe ein. Und daraufhin kochten die amerikanischen Jugendschützer und versuchten mit aller Macht, "Deep Throat" für immer zu verbannen, nur um damit noch mehr Menschen in den Film zu locken. So wurde z. Bsp. Hauptdarsteller Harry Reems für 5 Jahre Haft verurteilt, nur weil er in "so einem Film" mitgespielt hat. Und die eingeschüchterte Lovelace verwandelte sich plötzlich in eine pornohassende Feministin, die vorgibt in dem Film vergewaltigt worden zu sein. Ohne Scheu führt "Inside Deep Throat" die Lücken und die Peinlichkeiten der amerikanischen Anti-Porno-Gesetze vor, die teilweise erst durch "Deep Throat" in Kraft traten und noch bis heute Gültigkeit haben. Hier muss man den Machern des Films wirklich einmal ein ganz dickes Lob zukommen lassen, denn so eine mutige und spürbar ehrliche und aufmuckende Doku, hat man, aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wirklich nur selten zu Gesicht bekommen!
Schade nur, dass ein interessanter Punkt nahezu völlig vergessen wurde. Und zwar der Punkt, dass "Deep Throat" ja eigentlich vollkommen von der Mafia produziert wurde. Nur (wie schon erwähnt) kurz am Anfang und an einigen Stellen in der Mitte des Films, wird auf diesen Fakt eingegangen. Ansonsten hat man dieses Thema leider größtenteils außen vor gelassen. Ob die Produzenten hier nun doch der Mut verlassen hatte oder ob das so gewollt ist, weiss ich leider nicht. Aber zumindest mich hätte es doch noch ein wenig mehr interessiert, was es mit den Mafia-Produzenten so auf sich hat. Aber nun gut.
Fazit: Höchst unterhaltsame und dabei auch spannend und interessant gestaltete Kino-Doku, über einen der größten Kinoskandale aller Zeiten, "Deep Throat"! Toll geführte, unzensierte Interviews, verpackt mit vielen interessanten Filmschnipseln und Tonnen von Archivmaterial, bringen den Zuschauer genauso zum Nachdenken wie zum Lachen und bieten ihm dabei einen kompletten Überblick, von der Entstehung bis zur (nicht gelungenen) Verbannung, des profitabelsten Porno aller Zeiten. Und als wäre das nicht genug, wird der prüden amerikanischen Gesellschaft zudem auch noch ein herrlich fieser Spiegel vors Gesicht gehatlen. Nur was die Produktion des Films durch die Mafia angeht, wurde, für meinen Informationshunger, etwas zu wenig geboten. Ansonsten aber mal eine wirklich glaubwürdige Hollywood-Doku, die man nicht verpassen sollte!
Zumindest ich hätte jetzt glatt Lust darauf, mir "Deep Throat" anzuschauen. Wie gehts euch?;)
Wertung: 8/10 Punkte
Die Besprechung ist auch auf Filmbesprechungen.de erschienen