Ordentlich gemachte Fortsetzung von David Cronenbergs „Scanners“, die aber weniger Drive als das Spin-Off „Scanner Cop“ besitzt.
Bei den titelgebenden Scannern handelt es sich um Menschen, die besondere telepathische Fähigkeiten besitzen, mit denen sie Menschen und Gegenstände beeinflussen können. Entstehungsursache des Defekts ist ein Schwangerschaftsmedikament, das bei die Kinder zu Scannern machte. Wer schon mal einen „Scanners“-Teil oder einen der „Scanner Cop“-Filme gesehen hat, kennt das bereits, aber für alle anderen wird das Szenario auch hier noch mal erklärt.
Der fiese John Forrester (Yvan Ponton), ein hoher Angestellter der New Yorker Polizei, lässt Jagd auf Scanner machen und diese lebend verhaften. In einem Versuchslabor werden die Scanner gefügig gemacht, damit Forrester sie für seine Zwecke einsetzen kann, auch wenn viele an der Therapie zugrunde gehen. Schon mal ein schönes Szenario, denn auf derartige Macht hofft ja nahezu jeder Filmbösewicht. Fehlt nur noch der entsprechende Held.
Das ist in diesem Falle der Student David Kellum (David Hewlett), der nur durch Zufall erkennt, dass er ein Scanner ist. Er wird von Forrester angeworben und kann arbeitet freiwillig für ihn, scheinbar im Namen des Gesetzes. Doch bald muss er erkennen, dass sein Arbeitgeber finsteres im Sinne hat...
Einer der Vorteile von „Scanners II“ ist die Tatsache, dass hier mit Christian Duguay ein durchaus ambitionierter Regisseur, der auch aus kleinen Budgets einiges rausholen kann, gearbeitet hat. Denn der Plot ist nicht unbedingt eine Sternstunde des Drehbuchschreibens: David kommt hinter die Machenschaften seines Chefs, flieht zuerst und entscheidet sich danach zurückzuschlagen. Die meisten Wendungen sieht man schon auf 100 Meter kommen, doch Duguay zieht diesen Standardplot immerhin so fix vom Leder, dass „Scanners II“ keine größeren Längen hat.
Doch zu wahrer Größe fehlt es noch auch ein paar anderen Gründen. Da wäre zum einen der etwas flache Hauptcharakter, der einfach zu wenig Profil gewinnt. So kann der Zuschauer kaum richtig mitfiebern (ein Fehler aus dem auch Pierre Davids „Scanner Cop“ lernte, der ja gerade mit dem überzeugenden Protagonisten über die bedingt einfallsreiche Geschichte hinwegtäuschte). Zum anderen fehlt „Scanners II“ ein wirklich überzeugendes Finale, denn der Showdown wirkt trotz eines umgefahrenen Wachhauses und eines Scannerduells nicht wie ein wirklicher Höhepunkt und lässt dabei Drive vermissen.
Dabei beweist Duguay auch hier, dass er durchaus dynamische Actionszenen zaubern kann, wenn man sich den Rest des Films ansieht. Die Actionszenen sind zwar dünn gesät (ist ja auch kein Actionfilm, sondern eher ein Sci-Fi-Thriller), aber ein paar nette Shoot-Outs und Autostunts gibt es zu bewundern. Auch im Bereich Effekte kann „Scanners II“ einige Schauwerte bieten, wenn die Scannerfähigkeiten zum Einsatz kommen. So fantasievoll und vielfältig“ wie in „Scanner Cop“ kommen die FX zwar nicht daher, aber explodierende Köpfe und andere Auswirkungen der mentalen Kraft sehen trotzdem ziemlich schick aus.
Darstellerisch bietet „Scanners II“ halbwegs ordentliches B-Niveau, wobei vor allem Yvan Ponton als Fiesling eine wirklich überzeugende Performance bringt. Der Rest ist auch solide, lediglich Hauptdarsteller David Hewlett scheint seiner Rolle leider nicht ganz gewachsen zu sein. Das trägt dann noch zu dem blassen Eindruck, den man von der Hauptfigur hat (s.o.), leider noch bei.
Schlecht ist „Scanners II“ zwar dank ordentlicher Schauwerte und dynamischer Inszenierung nicht, aber angesichts des wenig einfallsreichen Plots und der blassen Hauptfigur bleibt hier nur gehobenes Mittelmaß.