Dies ist die letzte Verfilmung eines Edgar-Wallace-Romans, die in der berühmten Zeit zwischen 1959 und 1972 realisiert wurde. Eigentlich sollte sie bereits nach Riccardo Freda's A Doppia Faccia (Das Gesicht Im Dunkeln), mit Klaus Kinski in der Hauptrolle, produziert werden-doch nach dessen Misserfolg beim Publikum legte man dies Vorhaben erst einmal auf Eis. Jener Film damals war der erste von drei deutsch-italienischen Koproduktionen, die beim Standard-Wallace-Fans auf Ablehnung stießen. Zuviel Sex und Gewalt war der allgemeine Tenor-man war einfach die biederen deutschen schwarz/ weiß-Filme gewohnt und wollte sich nun, nach über dreißig Verfilmungen, nicht umstellen.
Dabei wurde leider nicht bemerkt, dass diese neueren, dem Giallo (einem damals typischen italienischen Krimi-Genre) zugewandten, Filme nicht im Entferntesten noch etwas mit den ursprünglichen und deutsch-typischen Wallace-Umsetzungen zu tun hatten. Dieser Eindruck wurde lediglich durch die hineingeschnittene und allseits bekannte Einblendung ("Edgar Wallace") und dem dazugehörenden Ausruf ("Hallo, hier spricht...") erweckt.
Man sollte jeden Film als eigenständiges Werk beurteilen und nicht an irgendwelchen Vorgängern oder typischen Handlungsweisen messen. Und so muss gesagt werden, dass es sich bei dieser letzten Wallace-Verfilmung wohl sogar um die beste handelt.
Der Regisseur Massimo Dallamano konnte leider nicht sehr viele Filme drehen-fing er doch zu spät damit an und starb schließlich auch noch zu früh, sodass er nur rund ein Dutzend Filme vollendete. Zuvor arbeitete er oft als Kameramann- u.a. auch für Sergio Leone's Für Eine Handvoll Dollar und Für Ein Paar Dollar Mehr-und verfasste zu seinen Filmen auch die Drehbücher.
Mit What Have You Done To Solange? (so der englisch übersetzte Titel) startete Dallamano-wenn man so sagen will-den ersten Teil einer Mädchen- oder Schulmädchen-Trilogie, die zwei Jahre später mit seinem eigenen What Have They Done To Our Daughters? ihren Höhepunkt fand. Der Film basiert zwar locker auf Wallace's Roman The Clue Of The New Pin (Das Geheimnis Der Stecknadel), doch nichts erinnert mehr an die altbackenden unenglischen Verfilmungen der CCC-Gruppe, die meist in Berlin oder Hamburg gedreht wurden. Denn im Gegensatz zu diesen wurde hier wirklich London als Drehort verwendet. Lediglich Joachim Fuchsberger bei seinem letzten Auftritt als Inspektor lässt noch einmal ein wenig dieses alte wohlbekannte Gefühl eines Samstagabends aufkommen.
Wie es sich für einen echten Giallo gehört, fallen die Morde an den-natürlich nackten-Mädchen ziemlich blutig aus. Und wieder einmal ist hier nicht ein vollkommen Verrückter am Werk, sondern jemand, dessen Motiv aus einem akuten Bruch des alltäglichen Lebens heraus entsteht (anders als bei den sonst für diese Filmgattung üblichen und auf sehr triviale Art und Weise erklärten traumatischen Kindheitserlebnissen) und deshalb einigermaßen nachzuvollziehen ist-wenn man die daraus folgenden gewalttätigen genreüblichen Konventionen beachtet, denn natürlich würde kein normaler Mensch auf solch abartige und perverse Weise reagieren. Dies ist halt dem Giallo und seinen speziellen Eigenheiten geschuldet und es bleibt jedem selbst ein moralisches Urteil ob des Darstellens solcher Szenen überlassen. Der Regisseur geht allerdings nie soweit wie andere Kollegen seines Fachs, solche Szenen optisch auszuschlachten und dabei die Grenze zum Splatter zu überschreiten, obwohl schon einige Szenen (v.a. in der 107 min. Originalfassung) hart an der Grenze sind. Auch die Mädchen müssen nicht unbedingt minutenlang beim Duschen gezeigt werden-aber so soll man wohl einen Einblick in deren lockere Umgangsformen bekommen, die für den Ausgang eine wesentliche Rolle spielen.
Während die Schulmädchen mit relativ unbekannten Jungstars besetzt wurden, konnte man für die Hauptrolle des Sportlehrers den hervorragenden Fabio Testi gewinnen, der den zwischen seiner Frau (dargestellt von der Berlinerin Karin Baal) und eines seiner Schülerinnen hin- und hergerissenen Verzweifelten sehr gut verkörpert. Bereits genannter Joachim Fuchsberger liefert eine relativ routinierte Vorstellung ab.
Kurz vor Schluss sehen wir gar den auch für die ausgezeichnete Kameraführung Verantwortichen Aristide Massaccesi als Polizeibeamten-wohl besser bekannt unter seinen Pseudonym Joe D'Amato und für seine späteren Sexfilmchen. Hier muss ich immer wieder betonen, dass die damaligen Italiener augenscheinlich allesamt Meister ihres Handwerks waren-egal welcher Schund da gedreht wurde. Bestes Beispiel hierfür ist eben erwähnter Trash-Meister.
Der ebenfalls gelungene Soundtrack stammt vom allseits bekannten Ennio Morricone.
Nicht viele werden sich mit eben besprochenen Film anfreunden können. Ich bin der Meinung, mit dieser letzten Wallace-Verfilmung die beste der gesamten Reihe gesehen zu haben. Für Fans des Giallo sowieso ein Muss.
8 / 10 Punkten