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Die blinde Dame Lady Chise verwaltet in einem abgelegenen Dorf eine Poststation , die zu einer Reihe von Stationen gehört , die zwei japanische Städte miteinander verbindet . Auf jene Station hat es aber auch der Böse Nizaemon abgesehen , denn wenn er die Poststation von Lady Chise in seinem Besitz hat , kann er die Preise auf der Route bestimmen . Deshalb greifen seine Leute immer wieder Lady Chises´ Leute an , um sie zur Aufgabe der Station zu bewegen . Als eines Tages die Nachricht eintrifft , dass eine Ladung von 30000 Goldstücken den Ort passieren soll , ist höchste Alarmstufe angesagt . Nizaemon weiß , dass Lady Chise ihren Posten verlieren wird , wenn das Gold auf ihrem Wegstück verschwindet und auch andere , wie Ohide , die Chefin des Bordells , haben es auf das Gold abgesehen . Für Lady Chise gibt es nur noch eine Hoffnung . Der legendäre Ronin " The furious Wolf " , der gerade im Dorf weilt , soll den Wagen beschützen , doch kann er das , wenn so viele Interessen aufeinanderprallen ... ?

Für eine Handvoll Yen . 

Was war zuerst da : " Für eine Handvoll Dollar " oder " Samurai Wolf " ? Ganz klare Antwort : " Yojimbo - Der Leibwächter " von Akira Kurosawa war zuerst da .
Man möge mir diesen billigen Einstieg verzeihen , doch selten hat er so dermaßen gepasst , wie in jenem Fall . " Samurai Wolf " ist nämlich das perfekte Beispiel dafür um zu zeigen , wie sehr sich der Eastern und der Western ( und da besonders der Spaghetti Western ) in der damaligen Zeit nahestanden . Selbst die Musik lässt da teilweise kurz eine Mundharmonika oder eine Trompete wie von Ennio Morricone anklingen . Und genau wie in den südeuropäischen Werken ist die Welt hier ein staubiger , gottverlassener Ort voller Menschen mit ihren eigenen Interessen , die sie - meist skrupellos - umzusetzen versuchen . Da werden die Angestellten der " gegnerischen " Poststation grundlos auf offener Straße und am helllichten Tag niedergestreckt , Killer engagiert , Drohungen unverhohlen vor aller Augen ausgesprochen und der zuständige " Sheriff " interessiert sich nicht dafür , weil die Taten auf der Überlandstraße geschehen sind und nicht im Dorf . Die Chefin des Bordells drangsaliert ihre Angestellte , diese brennt nur auf Rache an einem der Killer Nizaemons´ und generell scheint man sich des Lebens nicht mehr sicher zu sein . 
Der Held Wolf ist dagegen zwar ein kleiner Tunichtgut , der im Restaurant isst ohne Geld zu haben , dafür aber sofort anbietet seine Zeche abzuarbeiten und die angebotenen , als Lohn gemeinten , Liebesdienste der Lady Chise verschüchtert ablehnt . 
Doch wo er zuschlägt , da wächst kein Gras mehr , und spritzt das Blut in dunkelstem Schwarz - und in Zeitlupe . Und deren Einsatz während den ersten Kämpfen hat mich ziemlich überrascht . Denn da erinnert die Zeitlupe doch fast ( oder eigentlich schon ganz ) an den heutigen ( und leider oft recht überstrapazierten ) Bullettime Effekt . Besonders effektiv und eindrucksvoll in einer Szene eingesetzt , in der der Mietkiller Akizuki Sanai , der von Nizaemon engagiert wurde , eine Gruppe Straßenräuber , die sich an ihm für den Mord an ihrem Chef rächen wollen , quasi im Vorbeigehen und ohne sie groß zur Kenntnis zu nehmen , niedermetzelt , um in letzter Sekunde mit der Schwertspitze einen Schal seines letzten Opfers vom Hals zu reißen und sich damit sein Schwert sauberzumachen . So cool war Clint Eastwood nie ! ***

Fazit : Spaghetti Eastern in stylischen Schwarz-Weiß Bildern mit einem coolen Helden , der Clint Eastwood in kaum etwas nachsteht . Wie eine gestraffte Version von " Yojimbo " und die japanische Antwort auf " Für eine handvoll Dollar " . Wer die beiden Filme schon zu oft gesehen hat , kann sich bedenkenlos auch mal diese 72 Minuten bis zum Ende fast shakespearchen Ausmaßes gönnen . Einer der Filme , bei denen ich mich frage , warum er niemals deutsch synchronisiert wurde ...  


*** P.S: Zugegebenermaßen kann man auch nur mit Schwert so cool umgehen , wie in der Szene , und nicht mit einer Pistole - also ist Clint Eastwood hiermit entschuldigt ! 

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