Review

Man könnte es Regisseur Yaguchi Shinobu sicherlich zum Vorwurf machen, das Konzept seiner so immens erfolgreichen Außenseiter-Komödie „Waterboys“ mit SWING GIRLS nur ganz dreist zu reproduziert zu haben, aber so wirklich nachdrücklich würden diese Vorwürfe wahrscheinlich nicht werden. Zum einen hat auch der Nachfolger an der Kinokasse und bei der internationalen Auswertung ordentlich Kohle gemacht, zum andern, unterhält SWING GIRLS ebenfalls ganz vorzüglich mit seinem sympathischen, unwiderstehlichen Feel-Good-Charme.
Nicht ein paar schmächtige, dezent genderverwirrte Knaben mit einem obskuren Faible für Synchronschwimmen hat Yaguchi sich diesmal in den Mittelpunkt geschoben, sondern die launigen, nichtsnutzigen Trinen von der letzten Schulbank, die in der Bildungsanstalt – so wird das wohl nicht völlig abwegig wahrgenommen – nur noch ihre Zeit verplempern. Höhere Mathematik, Chemie oder gar Fremdsprachen werden sie in ihrer nahen Zukunft als Friseuse, Masseuse oder Supermarkt-Kassiererin nicht brauchen. Die Mädels sind ein Klischee, das so besonders traurig ist, weil man es täglich vor Augen hat. Keine Leidenschaft, für gar nichts.
Im Nachsitzen während der heißen Sommermonate sehen weder diese Schülerinnen noch die Lehrer einen Sinn, und so ist überaus willkommen, dass die Schulkapelle beim Auswärtsspiel ihre Bento-Boxen nachgetragen bekommen muss. Die Nachhilfe-Tussis – nichts können die, nichts – aber verpassen die richtige Station, irren durch die Pampa und liefern erst nach stundenlanger Odyssee unter brennender Sonne das Sushi bei den musizierenden Musterschülern ab. Es ist abzusehen ... eine deftige Lebensmittelvergiftung haut das ganze Orchester für die nächsten Tage von den Beinen. Und plötzlich ist da eine Bresche in der zugedrängten Elite, stehen die Instrumente ungenutzt in der Aula und müssen doch auf dem unmittelbar bevorstehenden Schulfest gespielt werden. Ungeahnte Energie beseelt die Nutzlosen, freilich vor allem deshalb weil sie vor die Wahl gestellt werden: tröten oder Klassenzimmer. Jedoch entwickelt sich das Spiel schnell zu mehr als nur einer Alternative. Es ist wie ein Traum für ein paar der Mädels, Lärm zu machen und darin nach dem Groove zu suchen, ein Traum, wenngleich ein kurzer, denn das Schulorchester hat sich zügiger als erwartet erholt.
Für ihre lächerliche Aushilfs-Vorstellung verlacht und wieder zurück ans Ende des Klassenzimmers verschoben, geben sich aber nicht alle Tussis auf. Sie stottern das Geld für ein paar abgenutzte Instrumente zusammen. Und über viele Hürden wächst ihre Swing Band von den kläglichen, schauderhaft neben den Tönen liegenden Anfängen zu einer ernsthaften Konkurrenz auf dem Musikfestival der Präfektur-Schulen.
So sehr eine Struktur wie diese auch als grundlegend in das Sub-Genre der „Underdog“-Dramen eingeschrieben ist, Yaguchi meistert es erneut selbst die pathetischsten Momente seines Films mit einem beschwingten, mitreißenden Rhythmus zu unterlegen, der die Tränen, die man gerade noch gerührt vergießen wollte, mit einem zauberhaften Humor schnell vergessen macht.

Details
Ähnliche Filme