Mit "Hard Boiled" verabschiedete sich Hongkongs Action-Meister John Woo (Face/Off) aus seinem Heimatland, um in Hollywood ordentlich Karriere zu machen, da dort seine Werke bei Kollegen wie Quentin Tarantino, Sam Raimi und Martin Scorsese längst Kultstatus genossen. So überrascht es nicht, dass "Hard Boiled" auch westlicher orientiert ist als Woos vorherige Filme.
Inspektor Tequila (Chow Yun-Fat) vom Hongkong Police Department setzt alles daran, die brutalen Waffenschieber-Syndikate Hongkongs für immer zu zerschlagen. Seit Monaten werden Undercover-Agenten eingeschleust und Vorbereitungen für den vernichtenden Schlag getroffen, um hinter die Identität eines Vermittlers zu kommen, der seine schmutzigen Geschäfte in einem chinesischen Teehaus abwickelt. Als Tequila dort auftaucht um einen weiteren Waffendeal zu vereiteln, eskaliert die Situation. Es kommt zu einer wilden Schießerei, bei der die Hauptverdächtigen, aber auch viele Unschuldige den Tod finden. Tequila steht wieder ganz am Anfang. Doch in seiner sturen Entschlossenheit, Gerechtigkeit auszuüben, bleibt er den Waffenschiebern auf der Spur...
Chow Yun-Fat (Blast Killer), der als Philosoph unter den Action-Stars gilt, gibt hier abermals unter Woos Regie eine ordentliche Leistung ab. Auch alle seine Markenzeichen, wie das ernste Baby-Face, ausgestreckte Automatik-Pistolen und Dauerfeuer bekommt man hier zu sehen. Lediglich den Trenchcoat hat er diesmal im Schrank hängen lassen. Während den ganzen Shoot-Outs hat er auch in "Hard Boiled" genug Zeit, sich über Sinn von Ehre und Leben zu unterhalten - um dann das Leben zu nehmen. Außer in "Blast Killer", "City Wolf 2" und "The Replacement Killers" war Chow Yun-Fat nie mehr so cool wie hier. An seiner Seite fightet Tony Leung Chiu Wai (Bullet in the Head) als Undercover-Cop. Zwar nicht so cool wie Yun-Fat, aber dennoch gut. In einer Nebenrolle ist dann auch noch der Meister persönlich, John Woo, zu sehen.
Was soll man schon zur Action sagen? Die ist natürlich vom Meister und somit wesentlich mehr als nur Standart. Die Shoot-Outs sind schön blutig und brutal gestaltet worden und auch die Locations können sich sehen lassen, wo die Action stattfindet. Dabei muss gesagt werden, dass John Woo nach seinem Hollywood-Umzug nur noch in "Harte Ziele" seiner blutigbrutalen HK-Linie treu geblieben ist. Danach wurde Woo eher zahm. "Broken Arrow" war lediglich Action-Standart und "Face/Off" ist zwar (für mich persönlich) sein unangefochtenes Meisterwerk, aber besitzt nicht mehr diese übertrieben blutigen Baller-Orgien, die seine HK-Filme berühmt gemacht haben. "Mission: Impossible 2" erwieß sich lediglich als passable Auftragsarbeit und in "Windtalkers" ließ Woo wieder viel Blut spritzen, doch war er dabei längst nicht mehr so kreativ am Werk wie u.a. eben in "Hard Boiled". Und "Paycheck" erwieß sich dann als absoluter Tiefpunkt seiner Regisseurkarriere. Es scheint also so, als hätte Hollywood aus John Woo einen handzahmen Regisseur für Action-Allerlei gemacht. Entweder sollte Woo zusehen, dass er wieder nach Hongkong geht oder die Studiobosse Hollywoods sollten ihm freie Hand lassen, damit John Woo wieder zur Höchstform aufläuft und uns Werke a'la "Bullet in the Head", "Blast Killer" und "Face/Off" servieren kann. Ansonsten wird Hollywood noch zu Woos Regie-Grab.
Neben den hervorragend inszenierten Shoot-Outs gibt es auch noch eine ordentliche Story, die in der zweiten Hälfte im Krankenhaus "Stirb langsam"-Züge annimmt. Auch an originellen Ideen mangelt es hier nicht und die übrigen Darsteller geben eine gute Leistung ab. Da "Hard Boiled" wesentlich westlicher angelegt ist, kommen hier Motive wie Freundschaft und Ehre nicht mehr so storylastig zum tragen, wie das z.B. in "Bullet in the Head" der Fall ist.
Alles in allem macht das "Hard Boiled" zu einem von John Woos besten Filmen, auch wenn er nicht an "Face/Off" rankommt. Dafür bekommt man einen Chow Yun-Fat in Bestform geboten.