Review

Der Abspann läuft und mit ihm das Einzige ab, was ich an Hard Boiled bemängeln möchte: die Musik passt einfach nicht zu dem Film, den ich soeben geguckt habe. Denn dieser Film ist ein wütender, nachdenklicher und doch brachiales Meisterwerk in Perfektion. Bisher habe ich mich dem asiatischen Markt ob solcher Exporte wie Jacke Chan eher verschlossen, doch seit Jet Li in seinem The One oder solche Kunstwerken, wie Hero eines ist, bin ich da offener.
Hard Boiled belohnt diese Einstellung.

Alles beginnt in einem Teehaus und endet, wie es beginnt: hammerhart, durchgestylt bis zum Gehtnichtmehr und sehr menschenverachtend, wie ich meinen möchte. Nirgends sah ich bisher mehr niedergeschossene Zivilisten, Frauen, fast sogar Babys und nirgends in solch einer Genugtuung, die mir John Woo hier aufzwingt. War ich schon vom zweiten Teil der sonst lahmen Mission: Impossible-Reihe sehr angetan, überrundet Hard Boiled diesen mehrfach. Zwar nicht, was die mitreißende Liebensgeschichte um Cruise und die schöne Thandie Newton angeht, doch in Sachen Kämpfen.
Wo sonst sehe ich jemanden, der ein Treppengeländer auf dem Rücken herunterrutscht und dabei doppelhändig aus vollen Rohren guckt? Wo sonst Salti (mehr oder minder freiwillig), meterweite Sprünge und das nichtmal immer im Vordergrund? Gut, bei den ausufernden Schlachten verliert man schon die Übersicht, dennoch (oder gerade weil) veranlasst mich dies, den Film an zwei Tagen zweimal hintereinander zu sehen.
Mit seinen zwei Stunden Laufzeit und der für einen Actionfilm wunderbar verflochtenen Story beeindruckt Hard Boiled mich als Hollywood-Fetischisten.
Inmitten dieses Spektakels sind auch witzige Szenen, die das Geschehen auf eine unnatürliche Weise auflockern: wenn zwei Polizisten auf Glas bespritztes Blut wegwischen und die Frage einer Zivilistin, was denn passiert sei, entspannt damit kommentieren, dass nichts passiert sei und sie weitergehen solle, dann ist das lustig auf eine merkwürdig lustige Weise. Genauso wie die Szenen mit dem Baby, bei denen mich besonders die für einen Actionfilm ungewöhnliche aber höchst passende Entspannungsmusik gefesselt hat.
Zuletzt ist Hard Boiled aber das, worauf einen der SPIO/JK-Vermerk hinweist: ein knallharter Actioner
Es wird aus allen Rohren gefeuert (laut Chow Yun-Fat sogar solange, bis die Darstellern mit schmerzenden Fingern kapitulierten), um die hundert Menschen (auf beiden Seiten) verlieren ihr Leben und explodieren soll alles, was niet und nagelfest ist. Am Ende bleiben drei Trümmerfelder und meine Meinung, dass das, was mir eben durch den Bildschirm geschossen ist, ganz großes Actionkino ist.
Weltklasse.

10/10

Details
Ähnliche Filme