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John Woo´s letzter Hongkongfilm ist gleichzeitig sein Bester und zwar mit Abstand. Kurz darauf ging Woo nach Hollywood und drehte mit " Hard Target " den besten Film seiner Filmographie. " Aber auch " Hard Boiled " ist ein Muss für den Actionfan und eine deutliche Steigerung zu dem überbewerteten " The Killer ". Wie schon oft erwähnt bin ich kein Freund des Hongkongkinos, aber Einer von Woo´s Stil. Das Drehbuch schrieb er zusammen mit Barry Wong und auch am Schnitt des Films war Woo wieder beteiligt. Heute wäre ich wirklich glücklich mal wieder so eine Granate von Woo zu sehen, doch um den Actionregisseur ist es zur Zeit sehr still geworden. Aber mit " Hard Boiled " behalten wir ihn gut in Erinnerung.

Der kaltschnäuzige Inspector Yuen (Chow Yun Fat) versucht mit aller Gewalt ein großes Waffenschiebersyndikat hochzunehmen. Leider wird bei einem bleihaltigen Einsatz sein Partner getötet. Aber Yuen bleibt obwohl im kurzerhand der Fall entzogen wird dran. Genauso der junge Undercover Agent Tony (Tony Leung). Anfangs können sich Yuen und Tony nicht riechen, doch ihre Wege kreuzen sich immer öfter und so beschließen sie sich zusammen zu tun. Dadurch fliegt auch Tony´s Deckung recht schnell auf und die Waffenhändler schlagen mit aller Gewalt zurück. Ein ganzes Krankenhaus mit massenweise Unschuldigen wird von ihnen besetzt. Yuen und Tony stellen sich den Gangstern in einem blutigen Shootout.

Hauptaugenmerk liegt auf den brutalen und lauten Shootouts. Allein schon der Auftakt im Teehaus endet mit vielen blutigen Einschüssen, kleinen Explosion und vielen Toten. Insgesamt bringt es " Hard Boiled " auf einen horenten Bodycount von über 200 Toten, welche auch für den Zuschauer immer gut sichtbar ins Jenseits geschickt werden. Der Film selbst bietet nicht viele Actionszenen, weil eine Einzelne immer sehr lang geht. Allein der gigantische Showdown im Krankenhaus nimmt über eine Dreiviertelstunde in Anspruch. Die Shootouts sind schlichtweg brillant in Szene gesetzt. Viele Leiber werden regelrecht, meist in Zeitlupe von Kugeln zerfetzt und die beiden Helden dürfen sich beidhändig ballernd durch ganze Gegnerscharen mähen. Das Ganze ist zwar übertrieben ohne Ende, aber ein Fest für die Augen. Dabei darf auch Einiges zu Bruch, vor allem bei den Shootouts gibt es massenhaft Explosionen zu bewundern, ganz besonders die finale Explosion, als das ganze Krankenhaus dem Erdboden gleichgemacht wird. Veiel Unschuldige müssen auch dran glauben und Woo setzt ganz bewusst auf pure Brutalität und einen hohen Bodycount, wie man ihn in noch keinem Film vorher gesehen hat. Vielleicht hätte man ergänzend noch ein paar Nahkämpfe einbauen können, doch damit hat schon immer gegeizt. Nur ein armer Informant darf halb zu Tode geprügelt werden, Yuen und Tony müssen einmal zusammen gegen einen brutalen Handlanger des Syndikats kämpfen.

Bei der ganzen Action gerät die Story leicht in Vergessenheit, was auch kein Wunder ist. Mag die Action noch so grandios sein, der Plot ist es nicht. Das Waffenschiebersyndikat ist nur der minimale Aufhänger um die Actionsequenzen miteinander zu verbinden, obwohl ein paar nette Ideen, wie der Kontakt durch die Blumen, vorhanden sind. Trotzdem bleibt das Ganze recht vorhersehbar, aber solide spannend. Die beiden Hauptcharaktere, vor allem Yuen werden tiefgründig ausgebaut. Yuen mag dem Zuschauer skrupellos und brutal vorkommen, doch auch er hat eine große Last, nämlich den Tod seines Partners, zu tragen. Er mag Jazzmusik, spielt auch selbst gerne Klarinette in seiner Stammbar. Tony ist das Gegenteil, sehr hitzköpfig, es geht im Anfangs nur um das Geld, doch seine Einstellung ändert sich während des Films. Die Motive Vertrauen, Freundschaft und Ehre spielen auch hier eine große Rolle, wie bei Woo meist üblich.
Ein bisschen Witz ist auch mit von der Partie, aber sehr sparsam gesetzt, Woo beschränkt sich hier auf ein paar witzige Dialoge oder Onliner.

Das Ganze findet mal wieder in der Gewaltmetropole Hongkong statt. Doch Woo kann der kriminalverseuchten Stadt auch wieder viele schöne und edle Bilder entlocken. Ganz besonders die Großaufnahmen vom leuchtenden Hongkong sind prächtig anzusehen. Selbst beim Score hat man tolle Arbeit geleistet, nur die Untermalung beim Teehausshootout, lässt ein bisschen zu Wünschen übrig.

Titelheld Chow Yun Fat stellt einmal mehr die Reinkarnation des coolen Hongkongcops dar, welcher über Leichen geht um an sein Ziel zu kommen. Genau solche Leistungen verhalfen dem Hongkongstar später nach Hollywood. Schon oft zuvor arbeitet er mit John Woo zusammen wie in " A Better Tomorrow " oder " The Killer ". Tony Leung macht auch einen wirklich guten Job, doch gegen Fat kommt er lange nicht an.
Es wird auch komplett auf diesen klamaukigen Humor verzichtet, welcher die Hongkongfilme nach meiner Ansicht immer kaputt macht. Man bleibt ernst, hat glaubwürdige Darsteller gefunden.

Ganz großes Hongkongkino. Blutig, brutal, laut und einfach schick anzusehen.

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