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Als John Woos Wechsel von dem, dem Tod geweihten Hongkong-Kino zu dem profitableren Hollywood bevorstand, drehte das Actiongenie einen letzten großen Film. Eine Actiongranate, die noch einmal all sein Können in Hongkong unter Beweis stellen sollte. Woo verneigt sich in derselben Körperbewegung vor seinen treuen Fans, begrüßt aber schon die Geldgeber aus westlichen Gefilden.

Wieder einmal haben wir es mit einer Männerfreundschaft zu tun, die alle Grenzen überschreitet. Tequila (Chow Yun-Fat) ist ein Top-Cop, der eigentlich ein Musiker werden wollte. Wenn er nicht grad auf dem Revier lockere Witze reißt oder im Einsatz seine Waffen gegen Gesetzesbrecher sprechen lässt, dann sitzt er im Jazzklub und musiziert auf seiner Klarinette. Als versehentlich bei einer Schießerei in einem Teehaus, bei dem ein Waffenschmugglerring auffliegen soll, einer der eigenen Leute durch die Hand von Tequila stirbt, wird aus dem Fall eine persönliche Racheaktion für den Mann.

Auf der anderen Seite steht sein Kollege Tony (Tony Leung), der sich durch geschickte Undercoverarbeiten einen Namen bei dem Waffenschmuggler Johnny (Anthony Wong) gemacht hat. Tony ist ruhiger und besonnener als Tequila. Isoliert faltet Tony auf seiner Yacht Schwäne aus Papier, jede Figur für einen getöteten Mann. Beide Männer begegnen sich im Kampf und erkennen sofort den Polizeipartner im Gegenüber. Sie machen ab, ab sofort Freunde zu sein, und sich gegenseitig in dem Fall zu unterstützen.

Mehr Inhalt gibt es eigentlich nicht. Woo hat seine archetypischen Männerfiguren etabliert, und schickt sie in drei große Actionsequenzen, die wahrlich zu Legenden wurden. Der Anfang stellt die spannungsreiche Teehaus-Schießerei durch, gegen Mitte des Films gibt es ein blutiges Aufeinandertreffen zweier Gangsterbanden inklusive Intervenierung Tequilas in einer Lagerhalle, und der Showdown ist dann eine einzige, gewaltige 40-minütige Actionszene in einem Krankenhaus, in der wohl jeder Stil, jeder Kniff, den Woo je erlernt hatte, ausgereizt wird. Höhepunkt des Showdowns ist eine dreiminütige Stürmung beider Protagonisten über zwei Etagen ohne auf den ersten Blick erkennbaren Filmschnitt.

Doch zwischen all den Explosionen, Sprüngen, zweihändigen Schießereien und "mexikanischen Duellen" tritt die Story im Leerlauf. Vieles wirkt wie ein undynamischer Potpourri aus "A Better Tomorrow" und "The Killer", ohne eigene Ideen auszuwerfen. Woos Geschichte ist in "Hard Boiled" weniger melodramatisch, weniger menschenfreundlich. Man mag schon fast sagen: "Weniger asiatisch". Jedoch sind es die bekannten Gesichter Chow Yun-Fat und Tony Leung die über fehlende Rollentiefe locker hinwegtäuschen können.

"Hard Boiled" ist eine blutige Bewerbung gen Hollywood. Ein einziger Werbespot für Woos Ästhetikempfinden und seine Kamera- und Schnittspielchen. Die Action ist lupenrein ausgefeilt, brillant choreographiert, auf brutalste Weise rhythmisch. Der Rest bleibt leider Nebensache.

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