Inspector Yuen (Chow Yun-Fat), von allen nur neckisch Tequila genannt, ist Hongkong-Bulle mit Leib und Seele. Bei einer Schießerei stirbt sein Partner durch die Hand eines Undercover-Cops. Seither ist Tequila nicht sonderlich gut zu sprechen auf verdeckte Ermittler. Wieder ist der Workaholic einem Ring von Waffen schiebenden Mafiosos auf der Spur. Wieder weilt in den gegnerischen Reihen ein Kollege Undercover (Tony Leung ). Doch die kesse Hundeschnauze pfeift auf die Anweisungen des Polizeichefs und begibt sich an die Bearbeitung des Falls mit Dauerfeuer und hohem Bodycount…
John Woos HARD-BOILED ist im Grunde d e r Hongkong-Actioner schlechthin und übertrifft in Punkto Action und Gewalt sogar locker seine Heroic Bloodshed-Klassiker THE KILLER und A BETTER TOMORROW 2. Der Film ist besetzt mit der damaligen Creme de la Creme der Hongkong-Szene wie da wären Chow Yun-Fat (THE KILLER, TIGER & DRAGON, BULLETPROOF MONK), Tony Leung (bekannt aus Wong Kar-Wais großen Klassikern CHUNGKING EXPRESS, IN THE MOOD FOR LOVE und jüngst THE GRANDMASTER) und Anthony Wong (INFERNAL AFFAIRS, UNTOLD STORY, EBOLA SYNDROME). Letzterer gibt einen wahnsinnig diabolischen Gangsterboss ab.
Der Film besteht im Grunde aus drei episch langen Action-Sequenzen, in denen der Finger nicht vom Abzug kommt. 1.) Die Teehausschießerei, 2.) die Lagerhausschießerei, 3.) die Krankenhausschießerei. Alle drei zelebrieren die Kunst des Pistolenfeuers ad absurdum. Es hagelt blutige Einschüsse und Explosionen. Den Knarren geht nie die Munition aus und wenn, dann nur in bedeutungsschwangeren Momenten wie dem Aufeinandertreffen von Good Cop Tequila und Bad Cop Tony. Unzählige Ganoven-Statisten in Armani-Anzügen tanzen eine Sekunde nach ihrem Erscheinen im Kugelhagel den Zappeltanz. Gehobene Gangster geben dann erst nach 20 Treffern den Löffel ab. Der Bodycount erreicht unermessliche Ausmaße und schwillt mehreren Quellen zufolge auf die stolze Zahl von 307 an [Im Vergleich: Peter Jacksons BRAINDEAD wird auf 72-79 Kills geschätzt]. Pistolero Tequila rutscht beidhändig ballernd Treppengeländer herab, benutzt ein Baby(!), um seine in Flammen stehende Hose zu löschen und bekommt selbst im größten Feuergefecht nicht eine Kugel ab – das sollen ihm Sly und Arnie, die stets in die Schulter getroffen werden, erst mal nachmachen.
Pumpguns, Handgranaten, Berettas, Revolver, Kalaschnikows, explodierende Motorräder, explodierende Autos, explodierende Hochhausettagen – der Film bietet einfach alles, was das Actionherz begehrt, und zusätzlich noch eine Riesenportion Coolness obendrauf. Yun-Fat allein spielt so lässig, als wolle er Bogart den Schneid abkaufen. Trenchcoat, Sonnenbrille, Kippe im Mundwinkel. Oder wahlweise auch einen Zahnstocher, der auf einen Gegner gespuckt werden kann, bevor man ihm einen Headshot verpasst. Dazu noch perfekt getimte Zeitlupe, welche bei John Woo schon immer eine entscheidende Rolle spielte. In dieser Hinsicht war der Hongkonger Regisseur ein absoluter Vorreiter. Was später in Filmen wie MATRIX, TRUE ROMANCE und DREDD 3D Schule machte und uns in Computerspielen wie MAX PAYNE oder RED DEAD REDEMPTION in Form von „Bullet Time“ Freude bereitet, hat Woo praktisch miterfunden.
Die Titelsequenz beschreibt’s eigentlich schon recht gut: Tequila, der in einem Jazz-Club Klarinette spielt und sich einen sprudelnden „Tequila Slammer“ (Tequila mit Zitronenlimo) hinter die Binde kippt, auf Ex natürlich, John Woos Gastauftritt als Barmann – HARD-BOILED ist einfach durch und durch Kult und 100% Hongkong-Kino, was sich damals, sprich Anfang der 1990er, noch deutlich von westlichen Sehgewohnheiten abhob und nicht mit der tumben, übertriebenen Heroik platter Ami-Prügler in Einklang zu bringen war. Den Film zeichnet eine ganz besondere Ästhetik aus, die man heutzutage nirgendwo mehr antrifft. Umso mehr Spaß macht es, diesen Klassiker nach ein paar Jahren, in dem man ihn nicht zu Gesicht bekommen hat, über die heimische Mattscheibe flimmern zu sehen.
Kawumm: (+)(+)(+)(+)(+)
Trrr Trrr Trrr: (+)(+)(+)(+)(+)[(+)]
Zeitlupe / Coolness: (+)(+)(+)(+)(+)
Bodycount: 307 [! ! !]
“Are You Somewhere Feeling Lonely Or Is Someone Loving You?”
Fazit:
Epic! John Woo At His Very F*cking Best!