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In "Hard Boiled" veranstalten die beiden Hauptakteure " Yun-Fat " und " Chiu Wai " eine Bleiorgie die ihresgleichen sucht. Die Requisiteure, Stunt-Koordinatoren und Pyrotechniker hatten offen sichtlich alle Hände voll zu tun, um John Woo`s filmischen " Tobsuchtsanfall " zu verwirklichen. Mit diesem Genre-Knaller offenbarte sich mir ein Film, der mir in diesem Ausmaß unbekannt war.
War ich doch vertraut mit Amerikanischen Klassikern wie Terminator, Stirb langsam, u.s.w., eröffnete sich mir mit "Hard Boiled" eine neue Dimension des Action-Kinos.
Ein Film mit derart vielen Schusswechseln und Tötungen ist mir, zumindest in diesem Genre, noch nicht unter die Augen gekommen. Die Geschichte dieser Materialschlacht ist recht schlicht gestrickt und verzichtet gänzlich auf jede Komplexität. Doch dies tut dem Unterhaltungswert keinen Abbruch, denn Woo schafft es mit bravour, die vor Power nur so strotzende " Baller-Action" mit den typischen Stilelementen des Asiatischen Kinos, wie Loyalität, Freundschaft und Vertrauen auf seine einzigartige Weise zu verbinden.
Großen Anteil an der Kurzweiligkeit des Films haben die beiden vordergründigen Darsteller "Fat" und "Wai". Bei vielen ihrer gemeinsammen Szenen kam mir der Vergleich mit ihren Kollegen, Smith und Lawrence (Bad Boys) in den Sinn. Doch wo bei diesen Beiden deutlich die Komik im Vordergrund stand, wurde hier auf die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit der Schauspieler apeliert. Vor allem die Leistung des jungen " Wai" hinterließ bei mir einen positiven Eindruck. Aufgrund des permanten Kugelhagels, der über den Zuschauer hereinbricht, neigt dieser dazu über ein nicht ganz unrelevantes Detail, dass diesen Film zusätzlich von den amerik. Mainstreamproduktionen unterscheidet, hinweg zu sehen: Der allzu lockere Umgang mit Gewaltdarstellungen. In manchen Einstellungen könnte man in der Annahme gehen, dass es sich bei den auf den Bildschirm agierenden Protagonisten nicht um Menschen,
sondern um leicht ersetzbares, pures Kanonenfutter handelt. Auch solch anrührende Szenen wie die der Baby-Rettung, könne an diesem eher zwiespältigen Eindruck nichts mehr ändern. Sinnlos ist dieses Automatikwaffen - Epos , wie viele Genrevertreter, dennoch nicht. Alle Handlungen der Figuren reihen sich nahtlos in die Story ein und treiben sie voran, auch wenn in der ein oder anderen Szene etwas zuviel Kugeln unnötig das Magazin verlassen.

Abschließend gibt es eigentlich nur zwei Regeln zu beachten, die einen ungetrübten Action-Abend garantieren:
1.) Den Teil des Gehirns, der sich für das Erstellen logischer Zusammenhänge verantwortlich zeigt auf Stand by schalten und 2.) Nicht jeden Statisten als individuelles menschliches Wesen mit Gefühlen betrachten.

7/10

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