Review

Da könnte man doch glatt einen weiteren Kannibalen-Schock-Film a la Lenzi oder Fulci erwarten und prompt entpuppt sich das Werk als einer der ersten Gehversuche Tsui Harks in Richtung Martial Arts.

Wähnt man sich aufgrund des irreführenden Titels gedanklich noch irgendwo im Dschungel Papua Neuguineas, fühlt man sich zunächst eher an Tobe Hoopers TCM erinnert, doch dann kommt es ganz dicke und manchmal auch mit Knüppel.

Denn „Kung-Fu Kannibalen“ ist im Grunde nichts weiter als der typische Hongkong-Eastern der 70er und frühen 80er, nur ist dieser überdurchschnittlich professionell inszeniert und bietet ein wenig schwarzen Humor.

Über Story und Charakterisierung von Figuren hat sich Hark an dieser Stelle weniger Gedanken gemacht.
Ein Kopfgeldjäger und ein Dieb landen in einem isolierten Inseldorf, in dem sich ein flüchtiger Mörder aufhalten soll.
Die merkwürdigen Einwohner entpuppen sich schnell als Menschenfresser, die ihre Opfer kleingehackelt unter sich verteilen.
So gilt es einerseits, den üblen Dorfchef zu vernichten und andererseits, lebend aus der Backwood-Hölle zu entkommen.

Die Geschichte an sich bietet wenig Spannung und ist nur ein Abziehbild gängiger Eastern seiner Zeit. Doch es geht durchweg rasant zu, der Held muss sich mehrfach maskierten Machetenschwingern entgegen stellen und passend zum Finale in einem Endkampf gegen den Unhold antreten.

Die Fights sind schnell und sauber choreographiert, die Kamera liefert ein paar brauchbare Blickwinkel, jedoch, mit der Zeit gerät das Treiben und damit verbunden, das hohe Tempo, ein wenig eintönig.
Auch wenn herumliegende Gegenstände stets in den Kampf integriert werden, so bleibt dem Zuschauer zwischen den Kämpfen allenfalls eine Pause um sich mal am Schädel zu kratzen, weil die deutsche Synchro zwar professionell arbeitet, aber auch ein paar sehr merkwürdige Einschübe in die Dialoge gibt.

Für einen Eastern mit Kannibalen-Touch geht es aber durchaus blutig zu, vorausgesetzt, man hat nicht, wie ich, die olle Kassette von VPS aus der hinteren Ecke hervorgekramt.
Die Schnitte lassen den Blutgehalt aber erahnen und ein wenig wurde auch drin behalten (fliegende Körperteile, Machete im Schädel).

Dafür wird man mit dem Helden sogar ganz gut warm, der trägt meistens weite Kleidung, stolziert cool mit Hütchen und Zigarettchen durch die Gegend und hat manchmal in Ansätzen sogar einen passenden Spruch drauf.
Sein Kompagnon, der Dieb, ist demgegenüber etwas nervig mit seinem Herumgezappel und der hohen Stimme, glücklicherweise befindet er sich längere Zeit in einem Käfig.
Ganz übel ist jedoch dieses Mannweib aus dem Dorf, das sich sogleich über Frischfleisch freut, - jedoch in rein sexueller Hinsicht und mit schrillen Outfits und ebenso schrillem Overacting viel zu viel Screentime nutzen darf.

Overacting ist natürlich generell angesagt, so bekommt man auch neben den zahlreichen Fights das Feinsliebchen des Bösewichts präsentiert, das sich so was von aufopferungsvoll um unseren angeschlagenen Helden kümmert, während sich ein Einwohner vor einem Blinden versteckt, der soeben versucht Tee zu trinken, warum und wofür auch immer.
Insgesamt ist der Genremix aber einigermaßen geglückt, auch wenn das Geschehen selten mehr als gut inszenierte Kung-Fu Kämpfe bietet.

Ob nun eine Flucht auf Rollschuhen mit etwas Dynamit, ein in der Luft hängender Kämpfer, der an Seilen gefesselt, trotzdem noch ein paar Bewegungen hinbekommt, oder eben diese schreckliche Riesentranse.
Wird wohl für jeden etwas dabei sein, der nicht gerade Fressszenen oder eine nackte Laura Gemser erwartet.
6 von 10

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